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Prominente Diskussionsteilnehmerin in Lüneburg: Herta Däubler-Gmelin (l.) neben dem SPD-Europaabgeordneten Bernd Lange und der SPD-Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers. (Foto: be)

Warum die Politik zu männlich ist

Lüneburg. „Es gab eine Sorte von Menschen, die nicht als vollwertig zählte.“ Der Satz klingt aus heutiger Sicht fast unwirklich, dennoch ist diese Realität nicht allzu lange her. Das Wahlrecht für Frauen war vor hundert Jahren demnach eine große historische Errungenschaft im Kampf um die Gleichberechtigung. Inzwischen sind Männer und Frauen per Gesetz gleichberechtigt, doch in den Parlamenten sind Frauen nach wie vor deutlich in der Minderheit – warum ist das so? Unter dieser Fragestellung stand eine Diskussion der SPD unter dem Thema „Auf der Suche nach dem Suffragetten 4.0“.

„Männer zeigen gerne Präsenz, auch wenn das heißt, dass man etwas wiederholt, was schon gesagt wurde.“
Herta Däubler-Gmelin, frühere Bundesjustizministerin

Mehr als zwei Stunden lang tauschten sich die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, Gewerkschafterin Magdalena Zynda-Elst und die Leiterin des Leuphana College, Dr. Steffi Hobuß, aus. Einen Denkanstoß lieferte Hobuß mit ihrem Vortrag über die Haltbarkeit von Stereotypen. Viele Werbespots beispielsweise zeigen noch immer traditionelle Geschlechterrollen. Das liege zum Teil daran, dass der Großteil der Menschen durch tägliches Handeln unbewusst diese Stereotype aufrechterhalte. Des Weiteren habe sich ein Anti-Feminismus entwickelt, den Hobuß selbst zu spüren bekomme: „Ich wurde schon mehrmals gefragt, warum ich überhaupt Feministin sei, immerhin sei ich als Frau in einer Führungsposition ja das Paradebeispiel dafür, dass wir Feminismus nicht mehr bräuchten“, sagte die Philosophin.

Wie man am Frauenanteil in den Parlamenten sehen könne, sei dem nicht so. „Es liegt nicht daran, dass die Frauen keine Lust auf Politik haben“, stellte Herta Däubler-Gmelin klar. „Viele junge Frauen engagieren sich in Jugendparlamenten, wo ihre Pflichten weit über die einer Schriftführerin hinausgehen.“ Die Frage, warum es dann nur so wenige in die höheren Parlamente schaffen, beantwortete Magdalena Zynda-Elst: „Eine Freundin von mir war lange politisch aktiv, aber irgendwann hatte sie keine Lust mehr, die Kommunikationsweisen der Männer mitzutragen.“

Umgangston im Parlament war vor Jahren noch heftiger

Däubler-Gmelin verriet, dass der Umgangston zu ihrem Amtsantritt im Parlament damals heftig gewesen sei; Sätze wie „Na, hast Du Dir schon ausgesucht, wen Du Dir angeln willst?“ seien an der Tagesordnung gewesen. Noch heute sei es so, dass in politischen Gremien Männer oft den größeren Redeanteil haben. „Männer zeigen gerne Präsenz, auch wenn das heißt, dass man etwas wiederholt, was schon gesagt wurde. Frauen nutzen ihre Zeit anders.“ Sie ist sicher: Männern gehe es oft vor allem um Quantität, während Frauen eher auf Qualität bedacht seien. Hobuß kennt das Phänomen aus Studentengruppen: „Selbst wenn in einem Kursus zwanzig Frauen und zwei Männer sind, höre ich trotzdem oft nur die Männer reden.“
Die ehemalige Bundesministerin empfahl: Frauen müssten sich während der Diskussionen aufeinander beziehen und somit die Beiträge der Vorrednerinnen anerkennen, „am Besten benutzt man auch gleich die Namen der Person, auf die man aufmerksam macht“. Das steigere das Selbstbewusstsein der Rednerinnen und verhindere außerdem, dass einzelne Beiträge in Vergessenheit gerieten.

Ist erst ein Kind da, liegt der Fokus eher auf der Familie

Ein weiterer Grund für die geringe weibliche politische Präsenz sei die Familiengründung. Wenn erst ein Kind da ist, bekommen für Frauen Erziehung und Haushalt oft Vorrang. Eine Zuhörerin wandte ein: „Wir müssen Dinge wie gleiche Löhne und Arbeitszeit selbst fordern.“

Ungleiche Löhne und traditionelle Arbeitsmuster gingen da Hand in Hand: „Es ergibt ja keinen Sinn, wenn der Hauptverdiener zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert“, sagte Däubler-Gmelin. Und Hauptverdiener sei in den meisten Fällen eben der Mann.

Dabei seien Frauen in der Politik wichtig, waren sich die Gesprächspartnerinnen einig. Das erkenne man schon im Wahlverhalten, meinte Däubler-Gmelin: „Frauen haben im Durchschnitt eine größere Distanz gegenüber Rechtsextremen, und sie kapieren meiner Erfahrung nach schneller, dass man auf Umweltschutz setzen muss.“ Auch würde durch mehr politisch aktive Frauen der Fokus kleinerer Gremien maßgeblich verändert werden – so würden Ausgaben durch ihr Engagement eher beispielsweise zur Regulierung des morgendlichen Verkehrs vor Schulen und Kindergärten eingesetzt.

Zynda-Elst wünscht sich eine „gerechte Verteilung von Macht“, während Hobuß sich mehr weibliche Solidarität wünscht. Lauten Applaus gibt es für Däubler-Gmelins Formulierung: „Wir dürfen nicht mehr zulassen, dass die Politik die Frage Umweltschutz auf irgendwann vertagt.“

Von Josephine Wabnitz

5 Kommentare

  1. Norbert Kasteinecke

    Frauen sind von der Evolution mit einem eher verträglichen Temperament (agreeableness) ausgestattet, das sie hervorragend befähigt mit Säuglingen und Kleinkindern umzugehen.
    Genau dieses Temperament ist allerdings fatal, wenn es darum geht Politik zu machen.
    Eine Zivilisation übersteht nur eine gewisse Zahl an „netten“ Fehlentscheidungen – wie z.B. Millionen von Fremden unüberprüft ins Land zu lassen, weil im Fernsehen ein Kind Kulleraugen gemacht hat – bevor diese Zivilisation zusammenbricht.
    Die Arbeitsteilung der Geschlechter hat uns über hundertausende von Jahren überleben lassen, und das hat seinen guten Grund.

    Nun denn.

    • Herje, ein einfaches Weltbild und unreflektierte Geschichtsbetrachtung und die Welt ist in Ordnung. Die althergebrachte Arbeitsteilung und das aggressive Verhalten des angeblich starken Geschlechtes zerstört aktuell diesen Planeten. Und die Menschheit wird mitnichten die nächsten hunderttausend Jahre überleben, wenn sich das sich zügig ändert. Frauen stehen mehr auf Nachhaltigkeit, Männer mehr auf die Macht und den Spaß im hier und jetzt ohne Rücksicht auf begrenzte Resourcen.

      • Norbert Kasteinecke

        Gute Antwort – wir sind ja auch aktuell auf dem richtigen Weg, diese patriarchalischen Strukturen endgültig abzuschaffen und eine neue Kultur des Zusammenlebens einzuführen.

        Ich bin da voller Hoffnung und guter Dinge.

        Nun denn.

  2. Beides einfach nur simpel, meine Herren und im Berufsleben widerlegt.

    Beide Geschlechter können beides: sowohl gutes als auch schlechtes

    • Norbert Kasteinecke

      Fast Richtig, denn es soll ja ca. 3.759 verschiedene Geschlechter geben – und damit alle Geschlechter im Berufsleben Gutes und Schlechtes abliefern können, betreiben wir ja auch in der Kindererziehung Outsourcing und lassen unsere Zukunft frühsexualisieren und vom linken deep state zu konformistischen Individuen erziehen.

      War alles schon mal da – hatten wir schon mehrfach – alles in Ordnung, wir kennen uns ja damit aus.
      In früheren Jahren gab es die Frühsexualisierung in der Kirche oder bei einer bestimmten Partei.
      Heute haben wir dafür den Kindergarten oder die Kinderehen.
      >Im Jahr 2015 wurden in Berlin drei Ehen mit minderjährigen Ehepartnern registriert, von denen zwei im Ausland geschlossen wurden. Laut einem Bericht der Berliner Morgenpost gab es 2016 bereits 100 registrierte Kinderehen in Berlin, durch die Flüchtlingswelle aus Ländern mit Scharia-Recht.

      Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen – und wird durch den geplanten Familiennachzug weiter ansteigen.<

      Wer nicht mitmacht, dem wird dann kurzerhand Kindeswohlgefährdung unterstellt und ihm/ihr das Sorgerecht entzogen.

      Solange es keine wirkliche "Gleichheit" zwischen den Geschlechtern gibt, bin ich mehr für das Standardprogramm.

      Nun denn.