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Stadtrad
Die roten Leihräder des Systems StadtRad stehen an mehreren Stellen in Lüneburg bereit – wie hier an der Roten Straße. Künftig soll es mehr Stationen geben. (Foto: t&w)

StadtRad soll wachsen – für wen, bleibt dabei unklar

Lüneburg. „Die Testphase ist zuende. Jetzt sollten wir die nächste Stufe zünden.“ Der Appell von Jens-Peter Schultz (SPD) blieb im jüngsten Verkehrsausschuss nicht ungehört. Einstimmig bei einer Enthaltung schlossen sich die Mitglieder dem Ausschussvorsitzenden an, das Fahrradverleihsystem „StadtRad“ nicht nur weiterzubetreiben, sondern das Angebot auch kräftig auszubauen – obwohl vieles noch unklar ist.

„Weiß man denn überhaupt, wer das System nutzt?“, wollte Frank Soldan (FDP) von der Stadtverwaltung wissen, die das Thema eingebracht hatte. Anlass war die Neuausschreibung des Verleihsystems, nachdem der bisherige Vertrag mit der DB Rent GmbH als Betreiberin Ende Mai ausgelaufen war und derzeit mittels Verlängerung noch bis Ende März 2019 weiterbesteht.

Daten „aus Datenschutzgründen“ nicht zu bekommen

Stadtrat Markus Moßmann blieb in der Sitzung die Auskunft schuldig, angeblich seien diese Daten von der Betreiberin „aus Datenschutzgründen“ nicht zu bekommen. Die Stadt wolle das aber mit Abschluss eines neuen Vertrages ändern. Auch zu den bisherigen Einnahmen konnte Moßmann nichts sagen.

Soldan hatte nachgefragt, weil die Verwaltung das eigene Engagement beim StadtRad deutlich ausbauen will. So sollen nicht nur neue Fahrräder angeschafft werden, auch die Anzahl der Stationen möchte sie erhöhen, „um mehr Menschen aufs Rad zu bringen“, wie Moßmann erklärte. Vor allem die Randbereiche werden stärker in den Blick genommen.

Dafür soll die Stadt ihren Anteil von bisher knapp 46 000 Euro auf 125 000 Euro erhöhen. Außerdem soll sich der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) der Uni Lüneburg nach derzeitiger Planung weiter mit 25 500 Euro beteiligen. Darüber hinaus hoffe man auf Sponsoren wie das SaLü, die Gesundheitsholding oder das Klinikum. Auch sollen umliegende Gemeinden als Kooperationspartner ins Boot geholt werden. Insgesamt hofft die Verwaltung so auf einen Betrag von 200 000 Euro zu kommen.

„Die Stationen sollten dort hin, wo die Lüneburger wohnen, schließlich ist es unser Geld“, gab Soldan zu bedenken und machte damit deutlich, dass nicht nur Studenten von dem Verleihsystem profitieren dürften.

Unklar blieb aber auch, was die Stadt für das Geld bekommen wird, wie Dr. Gerhard Scharf (CDU) nachfragte. „Das müssen wir den neuen Anbieter fragen“, erklärte Moßmann, doch wer das sei, könne er noch nicht sagen, „vielleicht läuft das wieder auf die DB Rent zu.“

Kommt die Grundgebühr nach Hamburger Vorbild?

Auch blieb in der Sitzung offen, ob Lüneburg beim Thema Grundgebühr den Hamburger Weg gehen will. Dort soll künftig eine jährliche Grundgebühr von 5 Euro pro Nutzer erhoben werden. Davor aber warnte Michèl Pauly (Linke), es sei kontraproduktiv, hier eine unnötige Nutzungs-Barriere zu schaffen. Vielmehr gelte es, mehr Nicht-Studenten in das System einzubeziehen. Darauf wiederum reagierte Heiko Meyer (SPD-Fraktion), der mehr Werbung fürs StadtRad forderte: „Viele Lüneburger wissen noch zu wenig darüber.“

Keine Zustimmung aus den anderen Fraktionen erhielt Dirk Neumann (AfD) für seinen Antrag, eine „angemessene“ Grundgebühr für die StadtRad-Nutzung zu erheben, um den Zuschuss der Stadt zu reduzieren. Das würde zu einer „besseren Akzeptanz“ des Systems bei den Lüneburgern führen.

Am Ende wurde bei Enthaltung der AfD die Verwaltung beauftragt, die Ausschreibung für den „Betrieb und die Weiterentwicklung eines öffentlichen Fahrradvermietsystems“ durchzuführen.

Von Ulf Stüwe

One comment

  1. Ich würde mich freuen, wenn der Kreideberg eine Radstation bekommt. Schließlich ist der Kreideberg der zweitgrößte Stadtteil von Lüneburg.