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Werben für die Unterstützung des Projekts in Sierra Leone (v.l.): Superintendent Christian Cordes, Superintendentin Christine Schmid und Pastor Hans-Martin Kätsch. Foto: be

Schule statt Kinderarbeit

Lüneburg. Mamorka scheint ein Dorf wie viele andere im west­afrikanischen Staat Sierra Leone zu sein: Es gibt keinen Strom, die schilfbedeckten Lehmhütten grupp ieren sich um einen handbetriebenen Brunnen, gekocht wird auf offenen Feuern. Und doch ist das Dorf anders: Fast alle Kinder hier und aus der Umgebung gehen in die Schule und keine einzige Familie muss Hunger leiden. Denn die Einwohner werden unterstützt von der Hilfsorganisation Sierra Grass-roots Agency – und die ist der Projektpartner der 60. Aktion „Brot für die Welt“, der Erlös des Kirchenkreises Lüneburg fließt in das Projekt.

Wichtigster Baustein für die recht wichtige Situation in Mamorka ist die vom Projektträger aufgebaute Schule, weiß der Bardowicker Pastor Hans-Martin Kätsch, Brot-für-die-Welt-Beauftragter des Kirchenkreises: „In Sierra Leone ist die Armut so groß, dass Kinder oft zum Lebensunterhalt beitragen müssen, Kinderarbeit an der Tagesordnung ist. Das Projekt ermöglicht Kindern, zur Schule zu gehen, und hilft den Erwachsenen, ihr Einkommen zu erhöhen, ja zum Teil sogar zu verdoppeln. Die Bildung bietet den Kindern eine Chance für ihre Zukunft.“

„Bildung ist der Schlüssel für ein eigenbestimmtes Leben“

Die Leitende Superintendentin Christine Schmid ergänzt: „Bildung ist der Schlüssel für ein eigenbestimmtes Leben, Kinderarbeit bringt die Betroffenen um diese Chance. Zudem haben die Kinder in Westafrika die Chance, so ein Leben lang in ihrer Heimat zu bleiben und nicht flüchten zu müssen.“

Das Projekt Schule statt Kinderarbeit hat die Aktion unter das Motto „Gutes Aussäen ist alles“ gestellt, womit nicht nur das Ausbringen von Saatgut gemeint ist. Superintendent Christian Cordes erläutert: „Es ist doppeldeutig und spricht auch das ,gute Aussehen‘ der Schüler an, die alle Schuluniformen erhalten.“ Laut Cordes ist in Mamorka „mit wenig Aufwand viel Wirkung zu erreichen“. Er nennt ein Kostenbeispiel: Schul­utensilien gibt es für 50 Euro, die Pakete beinhalten zwei Schuluniformen, eine Tasche, 24 Hefte, acht Bücher, Geometrie-Set, Stifte, Kugelschreiber und Radiergummis.

Reis-Saatgut für zehn Familien kostet 180 Euro

Auch das Saatgut für die Felder hat einen vergleichsweise günstigen Preis: Gemüsesamen – Gurken, Tomaten, Paprika, Okra und Auberginen – für 50 Bauern und Bäuerinnen kosten 90 Euro, das Reis-Saatgut für zehn Familien 180 Euro.

Superintendent Cordes registriert übrigens „einen Ruck, der durch die Gemeinden geht, nicht nur an sich, sondern auch an andere zu denken“. So kamen bei der Aktion 2017/2018 im Kirchenkreis rund 12.000 Euro mehr zusammen als im Vorjahreszeitraum.

Von Rainer Schubert

Hintergrund

Die Sammlungen

Die 60. Aktion „Brot für die Welt“ läuft im Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Lüneburg vom 1. Advent bis zum 6. Januar. Die Kollekten aus allen Gemeinden von Sonntag, 2. Dezember, und von Heiligabend fließen in die Aktion. Einige Gemeinden sammeln auch in anderen Gottesdiensten, beispielsweise Silvester. In Gemeindebriefen sind Spendentüten mit dem Motto der Aktion beigelegt. Zudem organisieren einige Gemeinden Basare und andere Aktionen, deren Erlös an „Brot für die Welt“ geht.

Beim Weihnachtsmarkt vor der St.-Johanniskirche kann das Pfandgeld für die Glühweinbecher gespendet werden.