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Ein Beispiel dafür, wo die Säge angesetzt wird: Im Wandrahmpark am Museum ist eine Kastanie vom Brandkrustenpilz befallen und kann nicht erhalten werden. Foto: wg

So viele Fällungen wie lange nicht mehr

Lüneburg. 25 Seiten dick, 497 Bäume „schwer“: Die Baumfällliste für die Saison 2018/19 hat es in sich. Deutlich mehr Bäume als in den Vorjahren sollen in den kommenden Monaten der Motorsäge zum Opfer fallen, so empfehlen es die Baumkontrolleure der Stadt. Dem haben sich zwar auch die Mitglieder des Umweltausschusses angeschlossen, Fragen zu den Fällungen gab es aber auch in diesem Jahr wieder.

Ob denn der trockene Sommer Grund für die hohe Anzahl der zu fällenden Bäume sei, wollte Birte Schellmann (FDP) wissen. „Der Sommer war im vergangenen Jahr zu feucht und in diesem Jahr zu trocken, das ist immer schlecht“, antwortete Ulf Lüdemann, der als Teamleiter bei der Abwasser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL) für den Bereich Bäume und Spielplätze zuständig ist und den Ausschussmitgliedern Rede und Antwort stand. Dadurch hätten sich auch Pilze vermehren können, die sonst eher kaum zur Wirkung kommen. Und: Stadtbäume hätten es aufgrund der klimatischen Bedingungen ohnehin schwerer als ihre Artgenossen in freier Natur.

Gründe reichen von Pilzbefall bis Unfallschäden

Die Gründe für die Fällung der knapp 500 Bäume sind auch in diesem Jahr vielfältig. Vom natürlichen Absterben über Pilzbefall, Windwurf, Kronenbruch, Schrägstand und Anfuhrschäden durch Verkehrsunfälle bis zu notwendig gewordenen Freistellungen an Grundstücksgrenzen, Tiefbauarbeiten oder die Gefährdung von Rohrleitungen im Erdreich reicht die Palette.

Teilweise sind es ganze Baumgruppen, die gefällt werden müssen, so zum Beispiel zehn absterbende Pappeln am Wanderweg in der Verlängerung der Christian-Herbst-Straße, ebenso vierzehn Pappeln am Berufsbildungszentrum an der Dahlenburger Landstraße wegen Vergreisung oder zehn Weiden und zehn Pappeln hinter der Kulturscheune Gut Wienebüttel wegen nicht mehr vorhandener Bruchsicherheit. Auch 15 Eschen vor und hinter der Teufelsbrücke müssen fallen, sie sind von einem Pilz befallen. Besonders trifft es die Bastionstraße am Liebesgrund, dort müssen 30 jüngere Ahorne und Feldahorne weichen, um die Mauer und Altbäume freizustellen.

Aber auch einzelne, besonders mächtige Bäume müssen dran glauben. Zum Beispiel zwei Weiden mit je 120 beziehungsweise 130 Zentimetern Stammdurchmesser an der Willy-Brandt-Straße in Höhe des Kanu-Clubs, die bereits unter Astausbrüchen litten, ebenfalls eine 120 Zentimeter starke, aber bereits abgestorbene Weide Am Venusberg oder eine breitstämmige, aber altersschwache Kastanie und Akazie in der Soltauer Straße. Auch an der denkmalgeschützten Schnellenberger Allee müssen sechs Buchen entnommen werden, die teilweise von einem Pilz befallen sind oder nur noch geringe Restwandstärken aufweisen. Hier wie auch an allen anderen Stellen soll aber nachgepflanzt oder anderer Ausgleich geschaffen werden. Ergänzend zur vorgelegten Liste führte die AGL noch eine kräftige Buche an der Ecke Im Grimm/Vor dem Neuen Tore auf, die von einem Riesenporling befallen sei.

Gefahrenabwehr steht im Vordergrund

„Wie wird bei den geplanten Fällungen der Artenschutz gewährleistet?“, wollte Ralf Gros (Grüne) wissen. „Wir haben die Verkehrssicherheit im Blick“, sagte Ulf Lüdemann. Im Vordergrund der Arbeiten stehe dabei stets die Abwehr möglicher Gefahren, erklärte Lüdemann, „wir haben die Verkehrssicherheit im Blick“. Peter Zurheide, Leiter der städtischen Grünplanung, bemühte sich zu ergänzen: „Wenn geschützte Arten gefunden werden, wird der Baum natürlich nicht gefällt.“ Dann werde versucht, die Gefährdung durch den Baum anderweitig auszuschließen, teilweise auch unter Hinzuziehung der Unteren Naturschutzbehörde.

Als „nicht nachvollziehbar“ bezeichnete Gros Fällungen für die sogenannten Freistellungen an Grundstücksgrenzen, stieß damit bei den AGL-Mitarbeitern auf nur geringes Entgegenkommen, schließlich seien auch die Rechte von Grundstückseigentümern zu berücksichtigen.

Gros bat zudem darum, die Liste aufgrund des großen Umfangs künftig quartalsweise vorzulegen, um dadurch mehr Gelegenheit zur Prüfung zu haben.

Von Ulf Stüwe

One comment

  1. Die Stadtbaurätin Gundermann hatte doch im vergangenen Jahr nach dem unsäglichen Vorgehen der Stadt bei den Baumfällungen an der Uelzener Straße angekündigt, dieses Jahr ein „neues Verfahren“ einzuführen und die Vorsitzende des Umweltausschusses und ihren Stellvertreter „frühzeitig“ in die Entscheidung einzubinden. Ist das denn geschehen? Und wann wird das „Stimmvieh“ erfahren, welche Bäume jetzt niedergemacht werden sollen? Das „Bürgerinformationssystem“ schweigt sich hierzu noch aus.