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Digital-Campus
Der Grüngürtel zwischen Reppenstedt und Lüneburg ist unverzichtbar, darin sind sich die Politiker einig. (Foto: t&w)

Bauen im grünen Bereich

Lüneburg. Für die Zukunftstechnologie 3D-Druck kräftig die Werbetrommel gerührt haben in der vergangenen Woche der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Alexander Schwake und Wolfgang Bülow, Vorstandsvorsitzender der Bionic Production AG, die seit Kurzem ihren Sitz in Volgershall hat. Dort und im Umfeld will die Stadt nun die Pflöcke einschlagen für einen Digital-Campus plus Wohn- und Gewerbegebiet. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan soll im Bauausschuss am Mittwoch, 5. Dezember, erfolgen. Das Projekt sorgt allerdings seit Monaten bei Bürgern wie auch in Teilen der Politik für Kritik, denn gebaut werden soll im Grüngürtel West. Die Grünen bringen einen Änderungsantrag ein.

Projekt sorgt bei Bürgern für Kritik

Laut Vorlage schließt das Plangebiet den bestehenden Bebauungsplan „Hochschule/Volgershall-West“ bis zur Stadtgrenze zu Reppenstedt ein. Im Süden geht es bis zur Landesstraße 216, im Norden bis zu den unbebauten Flächen an der Psychiatrischen Klinik. Die Stadtverwaltung beabsichtige, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Ansiedlung von weiteren Hochtechnologie-Unternehmen am Uni-Standort Volgershall zu schaffen, heißt es. Dafür sei eine enge Verbindung mit nicht-störendem Gewerbe und Wohnen für Inhaber und Mitarbeiter vorgesehen. An der Stadtgrenze zu Reppenstedt ist zudem Wohnen in Einzel-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern geplant.

„Eine Alternative wäre das Areal des Flugplatzes.“ – Ulrich Blanck, Grünen-Fraktionschef

Das alles hatte Oberbürgermeister Ulrich Mädge bereits Ende April angekündigt und für Zündstoff gesorgt. Denn die Planungen stießen den Grünen, der Linken, Umweltverbänden und Bürgern auf, da sie den Grüngürtel West tangieren. Wie berichtet, gründete sich daraufhin Ende August eine BI, ihr Motto „Hände weg vom Grüngürtel West“. Gefordert wird die Umsetzung des Ratsbeschlusses von 2014, wonach der Grüngürtel als Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiet gesichert und komplett von Bebauung freigehalten wird. Inzwischen läuft eine Unterschriftensammlung für einen Einwohnerantrag, mit dem die Initiative ihr Anliegen im Rat der Stadt sowie im Rat der Samtgemeinde Gellersen vortragen will.

Doch nun geht die Stadt mit dem Aufstellungsbeschluss nach vorne. Mit Blick auf den Grüngürtel heißt es in der Vorlage, dass dieser im Geltungsbereich liegende Teil zwischen 330 und 580 Meter breit sein werde. Die Frischluftzufuhr für die Innenstadt durch den Grünzug bleibe „unverändert erhalten“.

Keine Alternativen geprüft?

Schwake und zwei CDU-Parteikollegen hatten jüngst kritisiert, dass der Ausbau des jungen 3D-Druck-Standortes dominiert werde durch die Diskussion um den Erhalt des Grüngürtels – allen voran durch die Grünen.

Ulf Reinhardt, Sprecher des Ortsverbands der Grünen, verweist darauf, dass trotz massiver Widerstände der Bürger nun der Aufstellungsbeschluss gefällt werden soll. Zwar unterstütze man die Forderung der CDU, attraktive Rahmenbedingungen für die Ansiedlung von Unternehmen – insbesondere der Schlüsseltechnologie – zu schaffen. „Die Bebauung des Grüngürtels, welche laut Klimagutachten massive Beeinträchtigungen der Lebensbedingungen Lüneburger Bürger mit sich bringt, darf mit dieser Frage jedoch nicht verknüpft werden. So sind nach unserer Kenntnis keinerlei ernsthafte Standortalternativen für den geplanten ‚Digital Campus‘ geprüft worden“, meint Reinhardt.

Grüne bringen Änderungsantrag ein

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ulrich Blanck ergänzt: „Durch die bloße Ausweisung von Baugebieten entstehen keine Arbeitsplätze. Unser Anliegen ist die Förderung von zukunftsträchtigen Unternehmensansiedlungen an passenden Standorten in der Stadt. Der Grüngürtel West muss nach dem Klimagutachten von Bebauung freigehalten werden. Trotzdem kann und muss Lüneburg ein attraktiver Standort für Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Produktionsunternehmen sein. Dafür gilt es, sinnvolle, möglichst konfliktarme Standorte zu finden. Eine Option wäre das Areal des Flugplatzes in direkter Nachbarschaft zum Gewerbegebiet Hafen.“

Die Fraktion der Grünen werde deshalb einen Änderungsantrag einbringen, die Zielrichtung: Die Verwaltung wird beauftragt, erstmal alternative Standorte zur Weiterentwicklung der 3D-Druck-Technologie im Stadtgebiet Lüneburg zu prüfen.

Stimmen

Nur mit Grüngürtel

Das sagen die anderen Fraktionsspitzen im Stadtrat:

Rainer Mencke (CDU): „Wir wollen schon, dass gebaut wird, aber unter Berücksichtigung des Klimagutachtens, und der Grüngürtel muss planungsrechtlich Sicherheit bekommen.“

Klaus-Dieter Salewski (SPD): „Einstimmig hat die Fraktion verabredet, sowohl der Änderung des Flächennutzungsplanes, Teilbereich ,Hasenwinkel‘, sowie dem Bebauungsplan ,Digital Campus‘ zuzustimmen.“

Birte Schellmann (FDP): „Die Ansiedlung eines vielversprechenden 3D-Technologieunternehmens in Volgershall muss gefördert werden. So ist unbedingt richtig, dass dieses Unternehmen die Zusage hat, an diesem Standort auch in Zukunft wachsen zu können, wie es der Bebauungsplan im Einklang mit dem Klimagutachten zulässt. Angesichts der großen Bedeutung, die der dort liegende Grüngürtel fürs Innenstadtklima in heißen Sommermonaten hat, ist jede darüber hinausgehende Bebauung sehr unter Kon­trolle zu halten. Es geht nicht an, dass dort zusätzliche Fläche für Wohnbebauung vorgesehen werden soll.“

Michèl Pauly (Linke): „Wir sind empört über den Beschlussvorschlag zum Aufstellungsbeschluss. Hier sollen wohl Fakten geschaffen werden für ein Gebiet, das zurecht geschützt werden muss. Wir werden den Aufstellungsbeschluss als Fraktion daher ablehnen und fordern stattdessen eine Suche nach Standortalternativen für die Ansiedlung der 3D-Drucktechnik im Stadtgebiet. Das geplante Gewerbegebiet greift unmittelbar in den Grüngürtel West ein, der sowohl eine ökologische Funktion hat als auch der Belüftung der westlichen Innenstadt dient.“

Die AfD hat erst gestern Abend zum Thema beraten, ein Ergebnis lag nicht vor.

Von Antje Schäfer

One comment

  1. Jahrtausendstark

    „Das Projekt sorgt allerdings seit Monaten bei Bürgern wie auch in Teilen der Politik für Kritik, denn gebaut werden soll im Grüngürtel West.“

    Welche Interessen vertritt die Politik nun? Den der Bürger die sie wählen oder den der Wirtschaft/Industrie die Pateinspenden bringen? Schmunzel.

    „Für die Zukunftstechnologie 3D-Druck…“

    Und diese Zukunftstechnologie soll in einem Mischgebiet beheimatet sein ohne vernünftige Infrastuktur/Verkehranbindung? Oder rollen die Lastwagen Und Autos später über den Gralwall um die Autobahn zu erreichen? Aber es wird ja noch Platz gelassen für eine spätere Westumgehung??!