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Lizzy (links) und Rebekka schaffen es, das kleine Lämpchen, das Lien Niebuhr in den Händen hält, per Wasserkraft zum Leuchten zu bringen. Mit ihnen freuen sich Frank Corleis und Mareike Sachmielewski. (Foto: t&w)

Die Kraft des Wassers und des Windes

Lüneburg. Da staunte selbst Klassenlehrerin Jeannine Gatzert nicht schlecht: Munter plauderten ihre Schüler über erneuerbare und nichterneuerbare Energieträger, tauschten Wissenswertes über Vor- und Nachteile der Windenergie aus und zogen Bilanz über den CO₂-Ausstoß von Braunkohle- und Atomkraftwerken. Ihre Kenntnisse hatten sie am Vormittag spielerisch und in vielen Einzelexperimenten im „Energielabor“ erworben.

„An dieser Station geht es den Schülern wie dem Umweltminister“, sagt Frank Corleis, und das meint der Leiter des Lüneburger Umweltbildungszentrums Schubz sogar ernst. „Es geht hier um Risikoabwägung, und das lernen sie anschaulich und durch eigenes Ausprobieren.“

Experimente an fünf Stationen

Die Experimentierstation, von der Corleis spricht, ist eine von insgesamt fünf, an denen der Energie-Mix von Wasser, Sonne und Wind ausprobiert und erfahren werden kann. Besonders beliebt dabei ist der große Plexiglaskasten mit dem aus Esslöffeln gebauten Wasserrad. Darüber lässt Rebekka, eine der Schülerinnen der Klasse 4a der Grundschule Im Roten Felde, die an diesem Tag auf Experimentierreise gegangen sind, mit einem Becher einen ordentlichen Schwung Wasser fließen, wo­raufhin sich das Rad in Bewegung setzt und eine kleine Lampe zum Leuchten bringt. „Aber nur, wenn man auf die richtige Löffelseite gießt“, hat Mitschüler Jarne bei dem Experiment gelernt, „sonst dreht sich nichts.“

An einer anderen Station geht‘s lautstark rockig zu. Dort macht ein Ventilator reichlich Wind, so viel, dass damit ein Generator angetrieben wird, dessen Strom ein kleines Kofferradio zum Dröhnen bringt – den Kids gefällt‘s.

Das Konzept für das „Energielabor“ hat das Schubz entwickelt, „zum Teil ist es auch in Eigenbau entstanden“, erläutert Corleis. Ziel sei es, Schülern den Sinn von erneuerbaren Energien zu vermitteln. Dazu kommt Corleis in die Schulen, ein ganzer Projekttag steht dann den dritten bis fünften Klassen fürs Experimentieren und Lernen zur Verfügung. Pro Schüler fallen dabei zehn Euro Kostenbeitrag an, Geld, das aus Sicht von Jeannine Gatzert sinnvoll angelegt ist. „Das ist absolut lohnenswert und besser als erzählen oder einfach nur einen Film anschauen“, sagt die Klassenlehrerin.

Der nächsten Generation die Angst nehmen

Unterstützt wird das mobile Energielabor vom Energieversorger Lünestrom. Neben den Materialkosten unterstützt das Unternehmen jährlich bis zu 50 Projekttage bis zum Juli 2020, insgesamt hat es dafür 10 000 Euro bereitgestellt. „Klimaschutz muss durch Bildung gelöst werden“, sagt Lünestrom-Projektleiterin Lien Niebuhr. Auch soll der nächsten Generation die „Angst vor den Erneuerbaren“ genommen werden, erläutert sie mit Blick auf die häufig diskutierten Probleme mit Standorten für Windenergie-Parks.

Angst vor erneuerbarer Energie war an diesem Projekttag in der Grundschule im Roten Felde jedenfalls nicht festzustellen. „Das macht total Spaß“, war das Fazit von Lilith, und auch Ariana war begeistert: „Es ist toll, weil man die Zusammenhänge besser versteht.“

Anmeldungen und weitere Informationen auf der Seite www.schubz.org im Internet

Ausgezeichnet

Vorbild für Nachhaltigkeit

Das Lüneburger Umweltbildungszentrum Schubz hat jetzt bundesweite Anerkennung erfahren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Unesco-Kommission (DUK) haben die Bildungseinrichtung als „herausragende Bildungsinitiative für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Es setze Bildung für Nachhaltige Entwicklung „mustergültig“ ein, um Innovation und Wandel in der Bildung in Niedersachsen und darüber hinaus voranzubringen.

Unter dem Motto „Ausgezeichnet“ prämierten BMBF-Staatssekretär Christian Luft und DUK-Präsidentin Maria Böhmer insgesamt 81 Bildungsinitiativen für herausragendes Engagement: 32 Lernorte, 43 Netzwerke und 6 Kommunen – so auch das Schubz. Verliehen wurden die Auszeichnungen am Mittwoch in Bonn.

Von Ulf Stüwe