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Im Logistikzentrum der Firma Deerberg im Lüneburger Hafen stapeln sich Tausend Kartons mit Ware. Besonders gefragt sind Eigenmarken, die man unter anderem in Dänemark und in der Türkei nach hohen Standards herstellen lässt. Foto: t&w

19 Beschäftigte müssen gehen

Lüneburg. Die Lage ist schon länger nicht mehr rosig, nun muss der Versandhändler Stefan Deerberg reagieren: Das Unternehmen schickt 19 betriebsbedingte Kündigu ngen raus, zwölf weitere Mitarbeiter sollen innerhalb der Abteilungen umgesetzt werden. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Dessen Vorsitzende, Gertrud Brunotte, sagt, man gehe den Weg mit, „weil wir die anderen gut 300 Kollegen im Blick haben, für die es weitergeht“. Ein Sozialplan regle Abfindungen, auch Coachings seien vereinbart, um für die ausscheidenden Beschäftigten die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Deerberg ergänzt: Der Sozialplan laufe ein Jahr, das bedeute, dass es zu weiteren Entlassungen kommen könne. Doch er sei optimistisch, dass sich die Lage bessere.

Die LZ hatte bereits vor zwei Monaten über die angespannte Lage des Betriebs berichtet, der seinen Hauptsitz in Velgen hat und zu Spitzenzeiten rund 500 Leute beschäftigte. Ein Logistikzentrum sitzt im Lüneburger Hafen, ein Call-Center in Adendorf.

Klassisches Kataloggeschäft schrumpft dramatisch

Deerberg und die Betriebsrätin hatten im September bereits das Hauptproblem umrissen: Das klassische Kataloggeschäft samt Bestellung über ein Call-Center schrumpfe dramatisch. Und so baut der Betrieb in dieser Sparte eine Handvoll Stellen ab, zudem sollen ebenso viele Kollegen von dort beispielsweise in die Logistik wechseln.

Nach 2014 schreibt Deerberg zum zweiten Mal in seiner Geschichte, die 1986 begann, rote Zahlen. „Es gibt einen Verlust, aber wir sind nicht weit von schwarzen Zahlen entfernt“, sagt der Chef, dem es sichtlich nahegeht, Personal nach Hause schicken zu müssen.

Gleichwohl sei das Unternehmen gesund: „Wir haben eine gute Eigenkapitalquote und haben das volle Vertrauen unserer Bank.“ Betriebsrätin Brunotte kennt die Zahlen, sie nickt und sagt: „Wir sehen das Potenzial für die Zukunft, sonst wären wir den Weg nicht mitgegangen.“

„Der Oktober war sogar besser als der im Vorjahr“

Deerberg bietet vor allem Kleidung und Schuhe aus dem ökologischen Bereich an, auch von anderen Firmen. Die Erfahrung zeige aber, „dass wir vor allem mit unseren Eigenmarken Erfolg haben“. Produkte lasse das Unternehmen in Europa und in der Türkei fertigen. Hier will der Lüneburger nun stärkere Akzente setzen.

Einig sind sich Betriebsrätin und Chef, dass sie ihr Team von Fachleuten ausbauen wollen. In der Kreativ- und in der Online-Abteilung benötige das Unternehmen Verstärkung. „Vor zehn Jahren hatten wir einen Online-Kollegen“, erinnert sich Deerberg. „Heute belegen die eine Etage.“ Rund 15 Mitarbeiter betreuen im Marketing Homepage, Social-Media-Kanäle und E-Mails. Ein weiteres Beispiel für die neuen Verhältnisse: „Wir brauchen immer mehr Fotos.“ Das hängt damit zusammen, dass für den Internetauftritt eben auch mehr Bilder als für einen Katalog benötigt werden. Zudem reagiere man durch das schnelllebigere Internet schneller als vor Jahren.

Deerberg sieht gute Chancen: In den vergangenen beiden Monaten sei das Geschäft wieder angezogen: „Der Oktober war sogar besser als der im Vorjahr.“ Dann könne er langfristig wieder neues Personal für Büros und Hallen suchen – mit viel stärkerer Ausrichtung auf das Geschäft im Netz.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. Doch er sei optimistisch, dass sich die Lage bessere. das pfeifen im walde klingt genau so. man möchte die noch vorhandenen mitarbeiter nicht weiter demotivieren. mit der wahrheit haben arbeitgeber bei schwierigkeiten es noch nie ,,so“ gehabt.