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Medizinerin Dr. Gisela Gille ist Aids-Beraterin beim Lüneburger Gesundheitsamt. Foto: t&w

„An Kondomen führt kein Weg vorbei“

Lüneburg. Aufklärung zum Thema Aids ist nach wie vor wichtig, auch wenn die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland leicht rückläufig ist. Die geschätzte Zahl der Menschen, die sich mit HIV infiziert haben, aber noch nicht diagnostiziert wurden, ist allerdings leicht angestiegen. Das sagt Dr. Gisela Gille, Aids-Beraterin beim Lüneburger Gesundheitsamt.

Der eindringliche Appell der Medizinerin zum Welt-Aids-Tag am Sonnabend, 1. Dezember, lautet daher: „Jeder, der für sich ein Risiko sieht, sich mit HIV infiziert zu haben, sollte sich testen lassen, damit dann gegebenenfalls eine Therapie erfolgen kann. Denn durch frühzeitigen Therapiebeginn kann inzwischen die Vermehrung der Viren so blockiert werden, dass das Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden kann, dass man mit einer normalen Lebenserwartung rechnen kann und vor allem, dass man dann auch selber niemanden mehr über Sex anstecken kann.“

Viele wissen nichts von ihrer Infektion

Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts leben bundesweit rund 86.000 Menschen mit einer HIV-Infektion. „Etwa 15 Prozent wissen nichts von ihrer Infektion, sie nehmen dementsprechend auch keine HIV-Medikamente und zugleich können sie HIV unwissentlich weitergeben.“ Außerdem laufen diese Menschen Gefahr, dass es zu schweren Folgeerkrankungen bis hin zu Aids kommt. Die Aids-Beraterin wünscht sich, dass sich möglichst viele Menschen testen lassen. Der Test erfolgt anonym und kostenlos. „Er kann aber erst frühestens sechs Wochen nach einer Risikosituation gemacht werden. Denn Antikörper gegen das Virus, die mit dem Test sichtbar gemacht werden, bilden sich erst in diesem Zeitraum.“ Bei einer diagnostizierten Infektion werden Betroffene an spezialisierte Praxen überwiesen.

Liberalerer Umgang mit Sexualität

Als positiv bewertet Dr. Gisela Gille, dass sich die moralische Haltung in der Gesellschaft gegenüber Infizierten wie auch die diffuse Angst vor Ansteckung gelegt hat. Das Motto des Welt-Aids-Tages möchte diesen Trend stützen. Gleichzeitig sei aber auch ein sehr liberaler Umgang mit Sexualität zu beobachten. „Positiv ist daran, dass die Chancen erotischer Bedürfnisbefriedigung damit gewachsen sind. Das hat aber leider auch den Nachteil beziehungsweise die Folge, dass sexuell übertragbare Krankheiten boomen. Das betrifft nicht nur HIV, sondern auch Humane Papillomviren (HPV), die bestimmte Tumore, unter anderem Gebärmutterhalskrebs, auslösen, sowie die Infektion mit Chlamydien. Diese können im schlimmsten Fall, besonders bei Frauen, zur Unfruchtbarkeit führen.“

Deshalb ist ein weiterer Appell von Gille: „Es führt kein Weg an Kondomen vorbei.“ Leider sei es bisher nicht gelungen trotz vielfältiger Kampagnen den Nutzen von Kondomen deutlich zu machen, sagt Gille.

Die offene Sprechstunde der Aids-Beratung im Lüneburger Gesundheitsamt findet dienstags von 14 bis 17 Uhr Am Graalwall 4 statt.

Von Antje Schäfer

Hintergrund

Gegen Ausgrenzung

Die Kernbotschaft des Welt-Aids-Tages in diesem Jahr lautet „Stopp die Diskriminierung von Menschen mit HIV“. Denn die Angst vor Ausgrenzung kann bei Betroffenen unter anderem dazu führen, dass HIV-Testangebote und mögliche Therapien nicht genutzt werden.

One comment

  1. Den Hinweis auf andere Methoden wie PrEP zur Prävention einer HIV-Infektion möchte ich hiermit geben.