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Schlieffenkaserne
Auf dem Gelände sortieren und sieben Arbeiter den Schutt, er soll wieder verwendetwerden. Das spart auch Lkw-Fahrten ein. (Foto: be)

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Lüneburg. Sie wirken wie für die Ewigkeit gebaut. Doch zwei gewaltige Bagger haben klargemacht, dass die gefühlte Ewigkeit ein Ende hat. Die Kasernenblöcke 35 und 36, 40 000 Kubikmeter umbauter Raum, sind verschwunden. Berge von Schutt und Holz, abgefahren in Dutzenden Lkw-Ladungen. Mitte der 1930er-Jahre gebaut für die Kriegspläne von Hitler-Deutschland, zerbröselt diese Geschichte jetzt förmlich. Die Unterkünfte machen Platz für drei Blocks der überwiegend kommunalen Lüneburger Wohnungsbaugesellschaft.

108 Wohnungen schafft die Lüwobau, 90 davon als geförderten sozialen Wohnraum. Mieter sollen dort voraussichtlich zwischen 6,10 und 7 Euro pro Qua­dratmeter zahlen. Eine weitere Etappe auf dem Weg in einen neuen Stadtteil.

Das Rathaus hat die Sparkassen Hanse Immobilien GmbH (SHI) als Erschließungsträger eingeschaltet, um das sogenannte Hanseviertel-Ost in die Zukunft zu bringen. Die SHI hat die Flächen vom Bund gekauft und räumt auf: Arbeiter reißen inklusive Werkstätten und Panzergaragen 22 Gebäude ab. Doch nur zwei der alten Blöcke verschwinden, neun andere bleiben erhalten. Baugruppen können sich vorrangig bis Ende 2019 für den Kauf und eine neue Nutzung bewerben. Bei einem Ortstermin erklären Stadtbaurätin Heike Gundermann, SHI-Chef Hermann Struck und sein Projektleiter Henning Meyer sowie Lüwobau-Prokurist Henning Müller-Rost, was passiert.

Die rund 80 Jahre alten Mannschaftsunterkünfte zur Bleckeder Landstraße bleiben erhalten. Was in den 70er-Jahren gebaut wurde und zuletzt unter anderem als Flüchtlingsunterkunft diente, schieben Baumaschinen zusammen. Auf knapp 20 Hektar Fläche sollen in den kommenden Jahren 650 bis 700 Wohneinheiten für 1500 bis 1800 Menschen entstehen.

Auch die Leitungen im Erdreich müssen raus

Der alte Schutt, sofern er nicht mit Schadstoffen belastet ist, bleibt auf dem Gelände. In einer Ecke an der Ostumgehung sieben Maschinen die Brocken durch. Je nach Körnung türmen sich Steine und Sand zu unterschiedlichen Bergen. So weit es geht, soll das Material aufbereitet und wiederverwendet werden, zum Beispiel im Straßenbau.

Doch nicht nur die Häuser sind eine Herausforderung. Im Erdreich liegen auf 13 Kilometer Länge Leitungen für Schmutz- und Regenwasser sowie Fernwärme vergraben. Alles muss raus. Ebenso wie 30 000 Quadratmeter von Asphalt- und Betonflächen. Zermahlen landet der Schutt ebenfalls auf den Abräumbergen. Dort, neben dem „Gebirge“, ist ein Werkstattbau der Soldaten stehengeblieben, nun Hauptquartier und Logistikzentrum der Abbruch-Truppe. Am Ende droht auch ihm der ­Garaus – ein Neubau folgt.

Dieser Bereich, der sich an der Schnellstraße entlangzieht und rund fünf Hektar Fläche ausmacht, soll Platz für ein Gewerbegebiet mit eigener Zufahrt bieten und wie eine weitere Lärmschutzwand zum Verkehr wirken. Noch wird hier nichts verkauft, aber bei der SHI liegen nach deren Aussagen bereits reichlich Anfragen von Interessenten vor.

Zwischen den wuchtigen Garagen, in denen einst Leopard-Panzer für das Gleichgewicht des Schreckens zwischen West und Ost parkten und lauerten, finden sich noch die Überreste zweier Tankstellen. Aus der Erde graben Bagger später große Tanks aus. Die Fachleute gehen nicht davon aus, dass der Boden mit Kraftstoffen verseucht ist. Sie setzen auf Erfahrungen, die sie mit einer schon verschwundenen Tankstelle auf dem Areal gemacht haben – kaum Belastungen.

Platz für Kindergärten in zwei Häusern

Unklar ist, was aus einer quadratisch angelegten Anlage zwischen Horst-Nickel- und Lübecker Straße werden soll. Vielleicht gelingt eine weitere Nutzung, ansonsten gilt auch hier: Tabula rasa.

Die Stadt sichert sich im Gebiet eigene Möglichkeiten: In zwei Gebäuden sollen Kindergärten eine Bleibe finden, die alte Sporthalle der Bundeswehr weicht einer modernen. Straßen und Grünflächen gehen später an die Kommune über.

Wie lange hier noch Bauarbeiter regieren, lässt sich am Beispiel des Pioniers Lüwobau ablesen: Die drei Gebäude, die jeweils rund sechs Millionen Euro kosten sollen, baut das Unternehmen in drei Schritten. Mit dem ersten Haus will man im Sommer 2019 beginnen und nach 15 Monaten im Herbst 2020 fertig sein.

Von Carlo Eggeling

8 Kommentare

  1. Norbert Kasteinecke

    ja was denn nun ?

    >Mitte der 1930er-Jahre gebaut für die Kriegspläne von Hitler-Deutschland, zerbröselt diese Geschichte jetzt förmlich. Die rund 80 Jahre alten Mannschaftsunterkünfte zur Bleckeder Landstraße bleiben erhalten. Was in den 70er-Jahren gebaut wurde und zuletzt unter anderem als Flüchtlingsunterkunft diente, schieben Baumaschinen zusammen. <

  2. Norbert Kasteinecke

    Mein erster Kommentar wurde nicht in Gänze veröffentlicht – warum auch immer.

    Ich hatte gefragt, was denn nun abgerissen wird.
    entweder das :
    >Mitte der 1930er-Jahre gebaut für die Kriegspläne von Hitler-Deutschland, zerbröselt diese Geschichte jetzt förmlich. Die Unterkünfte machen Platz für drei Blocks der überwiegend kommunalen Lüneburger Wohnungsbaugesellschaft.Die rund 80 Jahre alten Mannschaftsunterkünfte zur Bleckeder Landstraße bleiben erhalten. Was in den 70er-Jahren gebaut wurde und zuletzt unter anderem als Flüchtlingsunterkunft diente, schieben Baumaschinen zusammen.<

    Ich gehe mittlerweile davon aus, dass die Unterkünfte, welche Mitte der 30iger Jahre gebaut wurden nicht zerbröseln, sondern geschichtsträchtig stehen bleiben werden.
    Entschuldigen Sie meine etwas träge Auffassungsgabe.

    Dies ist das Rätsel, das Sie nicht lösen konnten.
    Ich hoffe zur Lösung beigetragen zu haben.

    • Wir haben Ihre Kommentare jedenfalls unverändert freigegeben.

      bol/LZonline

      • Norbert Kasteinecke

        Lieber Herr Bohlmann, den Ersten jedenfalls nicht.
        Aber sei es drum – die Angelegenheit scheint ja geklärt.
        Eine schöne „erste Weihnachtswoche“ wünsche ich der Redaktion.

        • Ich wüsste nicht, wann wir zuletzt einen Ihrer Beiträge verändert hätten…

          Danke für die Weihnachtswünsche, Ihnen auch.

          bol/LZonline

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