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Freya Schütze (l.) erklärt Kultusminister Grant Hendrik Tonne, was für Projekte die AG „Schule ohne Rassismus“ schon umgesetzt hat und wofür sie steht. Sie richtet sich an Neunt- bis Zwölftklässler. (Foto: t&w)

„Es gibt daran nichts Kritikwürdiges“

Lüneburg. Das Plakat, das wochenlang in der Aula der Herderschule hing, ist ungefähr drei Meter lang, „Was war los in Chemnitz?“ ist in großen schwarzen Lettern darauf zu lesen. Neun Fotos und vier kurze handgeschriebene Texte klären über die Mahnwache und die gewalttätigen Protestmärsche auf, die darauf folgten. Letztlich waren ein Trennstrich und drei Wörter ausschlaggebend dafür, dass der AfD-Landtagsabgeordnete Stephan Bothe sich beschwerte und juristische Schritte androhte.

Eigenwillige Interpretation eines Landtagsabgeordneten

Auf dem Plakat ist zu lesen: „Doch es wurde ausgenutzt von Nazi-Gruppierungen wie Pro Chemitz und Pegida – sowie der AfD.“ Bothe verstand das „sowie“ als „und“, ignorierte den Trennstrich und wertete es so, dass auf dem Transparent die AfD als Nazigruppe bezeichnet werde, damit missachte die Schulleitung das Neutralitätsgebot.

Direktor Thorsten Schnell schaltete die Landesschulbehörde und das Kultusministerium ein – und erhielt von dort jede Menge Rückendeckung. Dass das Plakat, das die AG „Schule ohne Rassismus“ erstellt und Anfang September aufgehängt hat, das Thema „sehr sauber darstellt“, hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) jetzt erneut bekräftigt. „Es gibt daran nichts Kritikwürdiges. Hier ist nichts passiert, wofür man sich rechtfertigen müsste.“ Er hat dem Lüneburger Gymnasium einen Besuch abgestattet und sich über die Arbeit der Schüler-AG informiert, die inzwischen seit zehn Jahren Aufklärungsarbeit leistet.

Ereignisse sorgten für Furore

„Ich habe noch nie so oft das Wort Neutralitätsgebot gehört, wie in den letzten Wochen“, sagt er. „Hier wird versucht, sich hinter der Überschrift zu verstecken und Unterdrückung hervorzurufen.“ Aufgabe von Schulen und der Politik sei es, „ein kräftiges Signal zu senden und zu verdeutlichen, dass so etwas nicht geduldet wird“. Lehrer seien zwar in der Verantwortung, nicht eine Meinung als absolut richtig darzustellen, dürften aber natürlich ihren Standpunkt vertreten und ihn auch äußern. „Alles andere wäre ja hanebüchen.“

An der Herderschule haben die jüngsten Ereignisse für „viel Furore“ gesorgt. So umschreibt es David Wieblitz, er leitet die achtköpfige Arbeitsgemeinschaft gemeinsam mit Hochschulpastor Renald Morié. Auch Thorsten Schnell spricht von Entwicklungen, „die uns zu denken geben sollten und und herausfordern“. Er erwähnt in dem Zusammenhang auch die Beschwerdeplattformen, die die AfD eingerichtet hat, damit Schüler ihre Lehrer melden können, wenn die sich kritisch gegenüber der Partei äußern.

Dazu sagt der Minister: „Es gibt keinen Grund, eine solche Beschwerdeplattform außerhalb der Schulen einzurichten.“ Ein entsprechendes Management sei schon über die Landesschulbehörde gegeben.

Tonne unterstützt Lüneburger Initiative

Wieblitz hat in Lüneburg eine Initiative gestartet und einen offenen Brief an die AfD Niedersachsen formuliert, in dem er darlegt, „wie wir unsere Arbeit in den allgemeinbildenden Schulen im Einzelnen verstehen“. Er stellt sich damit an die Seite von Lehrern in Hamburg und Berlin, die das Einrichten solcher Internetseiten als Einschüchterungsversuch verstehen. Sein Schreiben hat etliche Befürworter gefunden: Kollegen aus den Landkreisen Lüneburg, Soltau, Uelzen, Harburg und Lüchow-Dannenberg haben unterschrieben.

Auch der Kultusminister hat jetzt seinen Namen auf die Liste gesetzt. Er findet dazu klare Worte: „Wir reden hier über eine Partei, die stets und ständig provoziert, jede Woche probiert, das Gesagte nach rechts zu verschieben. Wenn sie sich von rassistischen Äußerungen, Hetze und Gewalt freimachen könnte, dann wäre eine ganz andere Debatte möglich.“

Von Anna Paarmann

40 Kommentare

  1. Norbert Kasteinecke

    „Was war los in Chemnitz?“

    Wie lautet denn nun die Antwort?

    • Norbert Kasteinecke
      Wie lautet denn nun die Antwort?
      nazis raus wäre eine. ich hätte keinen trennungsstrich gebraucht. wer ,wehret den anfängen, nicht verinnerlicht, ist in meinen augen ein nazi. die sich mit ,,aber,, rausreden, hatten es bei adolf auch getan. und keiner wollte es gewesen sein und gewusst hat von denen angeblich auch keiner etwas. ist wie bei der afd, oder?

  2. Nach dem Muster der Denunziationsplattformen der AfD, von deren Betreibern (prominente AfD-Mitglieder) Schüler aufgefordert werden, ihre Lehrer anzuschwärzen (wenn diese sich nicht nach AfD-Maßstäben politisch korrekt verhalten), gibt es jetzt ein interessantes Gegenstück. Drei Monate nach den rechten Ausschreitungen in Chemnitz, berichtet heute die FAZ, haben die Politaktivisten der Künstlergruppe „Zentrum für politische Schönheit“ eine neue Aktion in der sächsischen Stadt gestartet. Unter dem Stichwort „Soko Chemnitz“ wollen die Künstler Teilnehmer der rechten Aufmärsche entlarven und suchen „nach den Arbeitgebern des braunen Mobs“, wie die Gruppe am Montag auf Twitter mitteilte.

    „Während normale Menschen arbeiten, treiben tausende Arbeitnehmer oder Staatsdiener Ausländer durch Chemnitz, attackieren Presse und Polizeibeamte und grüßen Hitler“, schreiben die Aktivisten auf der Webseite https://soko-chemnitz.de. Nach eigenen Angaben werteten sie eine Unmenge von Bildern von „Verdächtigen“ aus und wollen damit „den Rechtsextremismus 2018 systematisch erfassen, identifizieren und unschädlich machen“.

    Um den AfD-Machenschaften den Eulenspiegel vorzuhalten, fordert das Künstlerkollektiv in provokanter Weise dazu auf, Arbeitskollegen, Nachbarn oder Bekannte zu „denunzieren“ und „Sofortbargeld“ dafür zu kassieren. In Chemnitz richtete das Zentrum ein sogenanntes Recherchebüro Ost ein. „Helfen Sie uns, die entsprechenden Problemdeutschen aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst zu entfernen“, heißt es auf der Internetseite der Aktivisten.

    • Norbert Kasteinecke

      Beantworten Sie meine Frage oben und suchen Sie keine Entschuldigungen für diese Schweinerei.
      Das zu relativieren zeigt überdeutlich Ihre Einstellung zur derzeitigen politschen Situation in Deutschland.

      Möchten Sie, dass es zur Eskalation kommt?
      Die Antifa ist Ihnen noch nicht aggressiv und radikal genug?

      Soll ich morgen mit Ihrer Begründung eine Seite ins Netz stellen, auf der ich eine Belohnung für die Denunziation von Linken Demoteilnehmern oder Antifa-Mitgliedern auslobe?

      Ihre Meinung dazu würde mich schon interessieren, Herr Schnell.
      Sie sind Pädagoge?

      Nun denn.

      • Herr Kasteinecke, sind Sie der Roland Freisler der Lüneburger Rechtsextremen? Wer hat Sie bestellt, sich hier als inquisitorischen Wichtigtuer aufzuspielen? Besitzen Sie denn gar keine Selbstdistanz, die Sie davor bewahrt, sich vor den Augen der Lüneburger und der Harburger Landkreisbewohner dermaßen lächerlich zu machen?

        Mit Satire können kleinkarierte Prediger wie Sie nicht umgehen, nicht wahr, Herr Kasteinecke? Erkennen Sie Ihre eigene Niedertracht in dem Spiegel, der Ihnen vom „Zentrum für politische Schönheit“ hingehalten wird“?

        „Schweinerei“? Bezieht sich das auf das Betreiben von Denunziationsplattformen durch die AfD, auf welchen Kinder von verantwortungslosen Lumpen dazu aufgefordert werden, „ideologisch“ angeblich unbotmäßige Erwachsene an den Pranger zu stellen? Ist DAS nicht ein AfD-Bekenntnis zur “Spitzelkultur“ totalitärer Systeme à la DDR, dem China der “Kulturrevolution“, Nordkorea und den NS-Sondergerichten, von denen Eltern, die von ihren Kindern als „politisch unzuverlässig“ angezeigt worden waren, ins KZ geschickt wurden?

        Sind SIE es nicht, Herr Kasteinecke, der JEDE Gelegenheit nutzt, um Hass zu schüren und auf widerwärtigste Weise zu hetzen und den Stab über fremde Menschen in Bausch und Bogen zu brechen, von denen er nicht einen persönlich kennt?

        Und sind es nicht Sie und Ihre AfD-Kumpels, die „das Eskalieren“ zum – einzigen – Programmpunkt ihres „politischen“ Krawallpopulismus gemacht haben, indem sie jedes Verbrechen, das nicht durch einen „Biodeutschen“ („früher“: „Arier“) begangen wurde dazu benutzen, um menschenverachtend pauschalisierenden Krach gegen Minderheiten zu schlagen und Schulter an Schulter mit dem dunkelbraunen Mob zu „demonstrieren“ und rassistische Parolen zu brüllen?

        Was war los in Chemnitz?

        Ich sag’s mal mit den Worten unseres Bundespräsidenten: Nach der Bluttat, die mutmaßlich von Asylbewerbern begangen wurde, hatte es in der sächsischen Stadt tagelang fremdenfeindliche Übergriffe gegeben. Eine Grenze sei „überschritten worden, als die aufgewühlte Stimmung missbraucht wurde, um Hass auf Ausländer zu schüren, verfassungsfeindliche Symbole zu zeigen und Gewalt auf die Straßen zu tragen“, sagte Steinmeier.

        Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einem Besuch in Chemnitz die ausländerfeindlichen Übergriffe vom August dieses Jahres erneut verurteilt. „Natürlich hat mich bewegt, was in den letzten Wochen in Chemnitz passiert ist“, sagte das Staatsoberhaupt am Donnerstag. Die tödliche Messerattacke auf einen 35-Jährigen müsse geahndet werden, gleichgültig von wem sie begangen worden sei. „Aber eins ist klar: Der Staat, UND NUR der Staat, ist für Sicherheit und Strafverfolgung zuständig“, betonte Steinmeier.

        P. S.:
        Und, Herr Kasteinecke, um Ihrer kleinen hinterfotzig verleumderischen Andeutung gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Herr Oberstudiendirektor Thorsten Schnell und ich sind nicht verwandt. Wir sind uns nie begegnet und haben nie auch nur ein einziges Wort miteinander gewechselt!

  3. Selbstverständlich verstösst das Plakat gegen das Neutralitätsgebot,wenn man DGB und SPD mit Kommunisten und Antifa mit oder ohne Bindestrich gleichgesetzt hätte möchte ich nicht wissen,was da los gewesen wäre.
    Die Reaktion der Schulbehörde setzt 15 Prozent der Niedersächsischen Bevölkerung mit Nazis gleich,die eine demokratisch legitime Partei gewählt haben.Ein ungeheuerlicher Vorgang.
    Immer wieder die Nazikeule rausholen,dann wird das schon!

    • Torsten Gent
      was meinen sie, wie hoch der anteil der nazis in niedersachsen wirklich ist? übrigens adolf hitler wurde auch am anfang sowas von demokratisch gewählt.

    • Demokratisch gewählt, heist nicht das die AFD demokratisch ist. Ich frage mich warum die AFD nicht ein Gericht bemüht?……………weil sie wissen das sie im Unrecht sind. Bildung ist alles und ohne Bildung ist alles AFD.

  4. Norbert Kasteinecke

    Aktualisierung/Nachtrag :

    „Auf dem Rosenhof hatten die Aktivisten ein Ladengeschäft angemietet. In den Schaufenstern hingen bis Montagnachmittag einige der Bilder, auf denen Demo-Teilnehmer zu sehen sind. Da der Laden direkt am Weihnachtsmarkt liegt, zogen die Fotos viele neugierige Blicke auf sich. Die Polizei sperrte den Bereich vor dem Laden ab. Weil der Mieter nicht vor Ort war, wurde die Tür schließlich gewaltsam geöffnet, die Plakate wurden entfernt.

    Die GGG als Vermieter reagierte am Nachmittag und kündigte umgehend das Mietverhältnis.“

    „Weil auf der Seite auch das Logo der Kampagne „So geht sächsisch“ verwendet wurde, hat auch die sächsische Staatsregierung reagiert. Es wird eine Abmahnung geben, sagte ein Sprecher. Das Logo sollte entfernt werden. „Das ist kein Teil der Kampagne und wird auch nicht darüber gefördert.“

    Die entsprechende Internetseite ist derzeit nicht erreichbar.

    Error 522 Ray ID: 483a91c82aa0c4d3 • 2018-12-04 01:41:44 UTC
    Connection timed out

    • Zu dieser künstlerisch entlarvenden Satire-Aktion, welche der AfD den Eulenspiegel zur Selbsterkenntnis (sehr erfolgreich) vorhält (indem es die Parallelität des zugrundeliegenden Denkens aufzeigt und damit demonstriert, dass es nur EINE Art des Denunzierens gibt, nämlich die moralisch abstoßende und verwerfliche), zitiere ich die Süddeutsche Zeitung von heute:

      Die neue Aktion des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) ist – ein Denunziationsportal. Zu Wochenbeginn wurde soko-chemnitz.de freigeschaltet. Philipp Ruch, der künstlerische Leiter des ZPS, bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Beantwortung folgender Fragen: „Wo arbeiten diese Gesinnungskranken? Wer beschäftigt sie? Warum haben Sie die Zeit, ihren Hass auf Minderheiten zu verbreiten, die Presse zu attackieren und die Kunst mit Gewalt zu bedrohen?“

      Die Aktionskünstler haben aufwendig recherchiert, Filmaufnahmen und Bilder von den Ausschreitungen in Chemnitz Ende August ausgewertet. Nach der Tötung von Daniel H. hatten Pro Chemnitz, die AfD, Hooligans, „Reichsbürger“, rechtsextreme Aktivisten zu Demonstrationen gegen „Ausländerkriminalität“ aufgerufen. Hitlergrüße wurden gezeigt, Bürger auf der Straße bedroht, Journalisten attackiert. Auf einer Pressekonferenz in Berlin sprach Philipp Ruch nun, ohne auf den Anlass, die heftigen Debatten über Videos, die Intervention des Verfassungsschutzpräsidenten Maaßen und dessen Entlassung näher einzugehen, von „dem Fanal 2018“. Die Rechtsextremisten hätten eine „Atmosphäre der Einschüchterung“ erzeugt, die Gesellschaft verharre gegenwärtig im „Stadium der Leugnung“.
      (…)
      Soko-chemnitz.de erinnert an das Ich-verpetze-meinen-Lehrer-Projekt der AfD und wäre [genau wie dieses] leicht auch in eine Anzeigeplattform gegen Ausländer oder Linke oder Schwule in der Nachbarschaft zu verwandeln. Sprachlich müsste man nicht viel ändern, das ZPS spricht von: „Volksverrätern“, „Gesinnungskranken“, „Vaterlandsverrätern“, „rechten Deutschlandhassern“, „Drückebergern“ und setzt diese in Gegensatz zu den „Normalen“.

  5. Gastbeitrag von Jagoda Marinić
    Es ist Zeit, sich einen Begriff zurückzuerobern. Und eine damit verbundene gesellschaftliche Haltung, die derzeit billig aus der Geschichte herauskopiert und deformiert wieder eingefügt wird. Radikalität. Radikal zu sein, darf man nicht Extremisten überlassen. Radikal zu sein, bedeutete in Europa einst, das Wahlrecht für alle zu fordern. Mehr Rechte für alle – und nicht weniger Rechte für „andere“. Radikal waren jene, die progressiv eine Weltordnung erdachten, die nicht herrschte. Im Mittelpunkt dieses Denkens stand der Wunsch, die Leben der Menschen zu verbessern, und nicht der Versuch, Gruppen zu definieren, deren Leben sich getrost verschlechtern darf. Radikal zu denken, heißt einzusehen, wie menschengemacht Unrecht ist – und somit veränderbar.

    (Anmerkung der Redaktion: Gemeint ist ein Beitrag auf http://www.sueddeutsche.de)

  6. Ich möchte den SchülerInnen und LehrerInnen der Herderschule meinen Dank und meine Hochachtung für die gelungene Photoausstellung aussprechen.
    Als damaliger Schüler war ich in den 70er Jahren selber an der Erstellung einer wohl vergleichbaren Ausstellung über die Ereignisse der damals noch so genannten „Reichskristallnacht“ und der Geschichte der Synagoge in Lüneburg beteiligt.
    Diese Ausstellung stand am gleichen Ort im Foyer der Aula der Herderschuile. .
    Anhand von Dokumenten aus Archiven konnten wir belegen, dass der sog. „Volkszorn“ in der Progromnacht in Lüneburg, wie im ganzen Deutschen Reich, ganz überwiegend von der NSDAP organissiert und von von SA-Männern in „Räuber-Zivil“ angefeuert wurde.
    Es ist schon beklemmend zu erleben, wie dreist die extremen Rechten jetzt in die Öffentlichkeit drängen.
    Andererseits ist es auch sehr schön zu sehen, dass es in der Herderschule offenbar eine echte Tradition der Aufklärung gibt.
    Und zu erfahren, dass sich SchülerInnen vieler Schulen deren Treiben entschieden entgegenstellen.

  7. Es ist schon erstaunlich: Da wollen Leute unsere deutsche Kultur verteidigen, die nicht einmal richtig unsere Sprache beherrschen. Offensichtlich brauchen wir mehr Kurse „Deutsch für Deutsche“.

  8. Kleine Frage am Rande, für alle, die sich um die Stimmung im Lande sorgen:
    Wo sind eigentlich die Mörder abgeblieben?

    Wird irgendwie von links nach rechts nie thematisiert.
    Nur mal so am Rande.

    Ein wenig mehr Respekt vor den Opfern in Chemnitz wäre längst angebracht, wenn ich die Beiträge hier so lese.

    PS: Ja, schuld sind immer die Anderen. Und daher nehme ich es gleich selbst vorweg, was die Einäugigen sicherlich wieder zu meinem Kommentar bringen: Ja, ich bin jetzt ja auch wieder schuld, weil nicht politisch korrekt, weil ich nicht die NKWD 4.0-Aktion von super-satirischen Mobbing-Aktivisten verteidige, sondern „ablenke“. Ja ja. Bleibt die Eingangsfrage nur unbeantwortet.

    • Nein, Herr Recha, Sie sind nicht „schuld“.

      Sie sind perfide!

      Die mutmaßlichen Täter sind da, wo sie hingehören: in Polizeigewahrsam oder auf der Fandungsliste. Ob es „Mörder“ sind oder nicht, wird ein ordentliches Gericht feststellen. Das entscheiden – dem Himmel sei Dank – noch lange nicht Sie, Herr Recha!

      Ein wenig Respekt vor den Opfern wäre vor allem von der Seite angebracht, welche diese Opfer auf widerliche Weise instrumentalisiert, um Angst zu schüren, um Hass zu verbreiten und um große Gruppen von Menschen pauschal zu diskreditieren, zu stigmatisieren und zu kriminalisieren!

      Warum sind Sie perfide, Herr Recha?

      Sie sind perfide, weil Sie mit Ihrer infamen Leserzuschrift nur einen Zweck verfolgen: Sie möchten das Opferli schauspielern und Ursache und Wirkung wie ein Taschenspieler verkehren. Nicht die Lumpen, welche die AfD-Denunziationsplattformen einrichten und bewerben und Kinder zum Diffamieren andersmeinender Erwachsener anstiften, ja, missbrauchen, sind verantwortungslos, sondern diejenigen, die diesen degoutanten Aufwieglern den Spiegel vorhalten und sie die hässliche Fratze ihrer moralischen Verworfenheit sehen lassen. DAS möchten Sie Ihren Lesern einreden, Herr Recha. Denn „NKWD 4.0“ ist genau das, was die AfD mit ihren Denunziationsplattformen betreibt.

      Was soll Ihre „Eingangsfrage“ in diesem Zusammenhang, Herr Recha. Unser Bundespräsident hatte sie beantwortet. Ich hatte diesen oben zitiert: “Die tödliche Messerattacke auf einen 35-Jährigen muss geahndet werden, gleichgültig von wem sie begangen worden ist. Aber eins ist klar: Der Staat, UND NUR der Staat, ist für Sicherheit und Strafverfolgung zuständig“, betonte Frank-Walter Steinmeier.

      Erklären Sie mir und Ihren Lesern bitte, Herr Recha: WELCHE Beiträge exakt meinen Sie, wenn Sie – ohne Nachweis – behaupten:„Ein wenig mehr Respekt vor den Opfern in Chemnitz wäre längst angebracht, wenn ich die Beiträge hier so lese“. WER genau sind „die Einäugigen“ in WELCHEN „Beiträgen“ und WO, denen Sie einen Mangel an Respekt vor den Opfern von Gewaltverbrechen nachweisen können?

      Ist es nicht so, Herr Recha, dass der einzige Kommentator in diesem Thread, der diesen Respekt überdeutlich vermissen lässt, SIE SELBST sind, Herr Recha? SIE SELBST, weil sie diese Opfer so unspezifisch, wie Sie es tun, NUR darum nennen, um sie für Ihre jämmerliche agitatorische Inversionsrhetorik BENUTZEN zu können? Um die vorurteilsbeladenen Hassprediger eines „neuen“ nationalautoritären Willkürprimitivismus à la AfD zu rechtfertigen und deren Kritiker als „super-satirische Mobbing-Aktivisten“ zu verunglimpfen? Bettelt der grobe, von Rücksichten der Pietät freie Klotz der AfD-Krawallpropaganda nicht geradezu darum, dass ein grober Keil satirischer Aufklärung darauf gesetzt wird? [Und selbst wenn ich zugebe, dass die Kunstaktion des „Zentrums für Politische Schönheit“ meinen eigenen Sinn für Geschmack (und „Kommunikationskultur“) ziemlich strapaziert, kann ich noch lange nicht erkennen, warum jemand wie SIE, Herr Recha, lügenhaft verbogen mit Verbrechensopfern daher geritten kommen muss, um pharisäerhaft über Anstand zu schwadronieren, wenn er doch bloß seine eigenen, aggressiv und mit Beschimpfungen vorgetragenen Voreingenommenheiten für der Wahrheit letzten Schluss verkaufen möchte.]

  9. Norbert Kasteinecke

    Es heißt da zum Ziel der Aktion: „den Rechtsextremismus 2018 systematisch erfassen, identifizieren und unschädlich machen. Denunzieren Sie noch heute Ihren Arbeitskollegen, Nachbarn oder Bekannten und kassieren Sie Sofort-Bargeld. Helfen Sie uns, die entsprechenden Problemdeutschen aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst zu entfernen.“

    Satire ? Kunst ?

    Wer immer auch diese Aktion vergleicht, relativiert oder schönredet, verkennt die aktuelle Lage in Deutschland.
    Die geopolitische Entwicklung der letzten 10-15 Jahre hat nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa im satten Gefühl der Überheblichkeit verschlafen – wachen wir jetzt wenigstens auf, bevor es dunkel wird.

    Boris Palmer:

    In der Hauptstadt hält Palmer es nicht lange aus. „Wenn ich dort ankomme, denke ich immer: Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands.“ Es klappe einfach gar nichts in Berlin. „Ich komme mit dieser Mischung aus Kriminalität, Drogenhandel und bitterer Armut auf der Straße als spießbürgerliche, baden-württembergische Grünen-Pflanze schlicht nicht klar. Ich will diese Verhältnisse in Tübingen nicht.“

    Antwort der Berliner Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop :

    Lieber Boris Palmer, niemand zwingt Dich, nach Berlin zu kommen. Wenn Du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst Du woanders die Kehrwoche zelebrieren und Dich als Hilfssheriff blamieren.

    So geht Politik heute.

    Zu den Aktivisten der politischen Schönheit
    Ralf Fuecks schreibt :

    Haben sich nicht grade die gleichen Leute über den Lehrerpranger der AfD aufgeregt, die den Pranger „gegen Rechte“ gut finden? „Eskalation der Polarisierung“ = vorwärts in die Weimarer Republik!

    Die FAZ

    Das Zentrum klingt jetzt wie eine Gruppe am Übergang zum Extremismus, in dem das Vokabular der Kritik, in diesem Fall der Satire, in ein totalitäres Vokabular der Selbstbehauptung kippt.

    Meine Meinung:

    Faschismus als „Kunst“bezeichnen?
    Wie krank muss eine Gesellschaft eigentlich schon sein, um derartiges zu tolerieren?
    Der Zweck heiligt wieder einmal – wie unter Stalin,Hitler und Honecker, also in
    jedem totalitären Regime – die Mittel……
    Die Auswirkungen dieser Kunst jedoch sind real und wir alle müssen diese Auswirkungen ggfls. ertragen, erdulden.
    Frankreich macht uns gerade vor, wie es nicht gehen sollte.
    Eskalieren wir weiter, wird die Situation in Deutschland kein bisschen anders sein.
    Dies scheint aber im Interesse einiger Politiker und Aktivisten zu sein – um dann im Trüben fischen zu können ?
    Diese Ideologie hatten wir auch schon mal.

    Berlin (dpa) – Die SPD ist in einer Umfrage des Insa-Instituts zurück auf ihr Allzeit-Tief von 13,5 Prozent gefallen. Damit verlor sie im für die «Bild»-Zeitung ermittelten «Meinungstrend» 0,5 Prozentpunkte gegenüber der vorangegangenen Umfrage aus der Vorwoche, wie die Zeitung berichtete.

    Soviel dazu.

    „Was bedeutet ‚Islam für Deutschland?“, fragte der Verbündete von Präsident Recep Tayyip Erdogan und betonte, der Islam könne keinem einzelnen Land gehören. Auch in Erdogans AKP stieß die Forderung auf Kritik. Die „Forderung nach einem deutschen Islam ist weder theologisch noch soziologisch vertretbar und widerspricht dem Geist der Verfassung“, schrieb der AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu im Kurzbotschaftendienst Twitter.

    Soviel dazu.

    Nun denn, es ist alles gesagt.
    Strafanzeigen gibt es mittlerweile ausreichend um auch diese Position zu klären.

    • »Wir«?

      Das SCHNABELTIER, das SCHNABELTIER vollzieht den Schritt vom Ich zum Wir.
      Es spricht nicht mehr nur noch von sich,
      es sagt nicht mehr: »Dies Bier will ich!«
      Es sagt: »Dies Bier,
      das wollen wir!
      Wir wollen es, das SCHNABELTIER!«

      Robert Gernhardt, »Hau-Gedichte«, 1966
      In: ders.: »Gesammelte Gedichte 1954 – 2006«,
      S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2008, Seite 18

  10. Norbert Kasteinecke

    Keiner der so großspurig auftretenden Jäger der Rechtspopulisten, Rechtsradikalen und wie Klaus Bruns sogar meinte „Nazi“s hat diese Frage ehrlich beantwortet:

    https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/2124382-es-gibt-daran-nichts-kritikwuerdiges#comment-215132

    Was war los in Chemnitz ?
    Kevin Schnell hat sich hinter dem Bundespräsidenten versteckt.

    Das jedoch Herr Schnell war nicht die Frage!

    Versuchen Sie mal eine andere Antwort, versuchen Sie es mal mit der Wahrheit.

    Wir können daraus ja ein Ratespiel machen.
    Oh, jetzt hab ich doch wieder „wir“ geschrieben – Entschuldigung bitte dafür.

    Na los Herr Schnell – geben Sie sich einen Ruck – sagen Sie einmal die Wahrheit – auch wenn sie weh tut.

    Ach, noch etwas.

    Da Sie ja so intensiv die „Künstler“ der der Moderne und deren Strategie verteidigt haben – was sagen Sie denn zu der Broschüre – nein, ich meine nicht „Körper, Liebe, Doktorspiele“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – sondern die von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey geförderte Broschüre zum Umgang mit Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit in Kitas, unter Beteiligung der (zensiert) Frau Kahane?
    Zu DDR-Zeiten wurde nach der Gestaltung der Fernsehuhr gefragt – aber das wissen Sie sicherlich.
    Heute forscht man genau so subtil nach der politischen Meinung der Eltern.

    Aber sicherlich haben Sie auch dafür die richtige Erklärung für die Schüler mit der Frage

    Was war los in Chemnitz?

    Nun denn.

    Nachtrag:
    In­dok­t­ri­na­ti­on, die
    Wortart: Substantiv, feminin

    [massive] psychologische Mittel nutzende Beeinflussung von Einzelnen oder ganzen Gruppen der Gesellschaft im Hinblick auf die Bildung einer bestimmten Meinung oder Einstellung.
    Beispiele:
    politische, ideologische Indoktrination
    Indoktrination betreiben
    SYNONYME ZU INDOKTRINATION
    Beeinflussung, Manipulation, Propaganda, Verführung, Werbung
    (Duden)

    • Norbert Kasteinecke
      sie wissen , was großspurig ist? warum verhalten sie sich dann so? sie meinen, wenn sie hier fragen stellen und die antworten nicht nach ihrer ,,mütze,, sind, sind diese großspurig? ihre witze werden tatsächlich immer komischer.

      • Norbert Kasteinecke

        Weil ich Recht habe Klaus und weil ich über den Tellerrand hinaus denken kann.
        „Die geopolitische Entwicklung der letzten 10-15 Jahre hat nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa im satten Gefühl der Überheblichkeit verschlafen“
        So sieht es aus – und kaum jemand in der Politik will es wahrhaben.

        • Lieber Herr Bruns,

          Sie haben zwar das fesche Zierbrünnlein mit dem rotierenden Marmorglobus am neugestalteten Landwehrplatz Ihres sanierungsbedürftigen Ortskerns stehen, aber die geopolitische Entwicklung der letzten 10-15 Jahre haben nicht nur Peter Bergen und Prof. Dr. Hinrich Bonin sowie Reppenstedt und Restdeutschland, sondern die hat ganz Europa im satten Gefühl der Überheblichkeit verschlafen.

          Nur Norbert Kasteinecke nicht! Der geschmeidige Asket hat nämlich die ganze Zeit aufgepasst wie ein Luchs, hat seine medienkritischen Krallen und Instrumente gewetzt, das Dreisatzrechnen trainiert — und hat währenddessen immerzu fleißig über den Tellerrand hinausgedacht. Also reißen Sie sich bitte zusammen!

          Nun denn!

          • Lieber Kevin Schnell
            tellerränder sind bekanntlich tückisch, sie gauckeln eine sicherheit vor, die es so nicht gibt. es hängt eben von der größe des tellers ab, wann etwas runterfällt. denken allein reicht eben nicht. nachdenken ist besser. und genau damit hat unser gemeinsamer freund ein problem. schmunzeln. p.s. was das brünnlein angeht, mit geld kann eben nicht jeder umgehen. aber am sande soll es ja demnächst auch plätschern. politiker eben.

        • Das ist jetzt wirklich trollig…äh….drollig..
          schmunzel

  11. https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/politik/2134042-kuenstler-schalten-online-pranger-gegen-rechtsextreme-ab
    sehr gelungen. es soll ja afd`ler geben, die dieses nicht gut fanden. warum wohl? gegen denunzieren haben sie doch sonst auch nichts. und alle, die sich den schuh angezogen haben, haben bewiesen, wie schlau sie wirklich sind. schmunzeln.

  12. Denunzianten empört über Denunziation.

    Lachhaft.

    Ihr seid nicht das Volk! Das wart ihr auch nicht, als ihr in der DDR-Zeit Randale an Führers Geburtstag gemacht habt und das werdet ihr auch nicht, wenn ihr die Trolle mit illegalen Wahlspenden für die Klicks in den asozialen Medien bezahlt.

    Der Eulenspiegel hat prima funktioniert.

    Das ZPS muß nur so tun, als wollten sie denunzieren, schon heulen die wahren Denunzianten auf. Da stellen sich „die einzig verbliebenen Demokraten“ wieder fröhlich den Opfern gleich und schrecken auch nicht vor den abgeschmacktesten und abstrusesten Vergleichen zurück.

    Es war gar kein Online Pranger sondern ein Honey-Pot wie vor zwei Stunden vom MDR vermeldet wurde. Tausende Rechte sind in die Falle gegangen und „die Künstler“ laden den Innenminister jetzt zum Café ein. Wenn er an den Daten interessiert ist. Das wird ein Gang nach Canossa. Wird aber im Interesse der öffentlichen Sicherheit wohl nicht zu vermeinden sein. Herr Minister, in Chemnitz bittet das „Zentrum für politische Schönheit“ zum Tee oder wahlweise eben auch zum Kaffee. Sahne nach Wunsch.

  13. Der Tagesspiegel, die auflagenstärkste überregionale Tageszeitung aus Berlin, bietet folgende Überlegungen an:

    Die jüngste Eulenspiegelei des Zentrums für politische Schönheit, der Internetpranger, war ein Ausweis der Kunstfertigkeit, mit der die Gruppe um Philipp Ruch gesellschaftliche Fäulnisprodukte zu sozialen Plastiken recycelt. In diesem Fall ging es um Rechtsextreme, die in Chemnitz aufmarschiert waren, um den Boden der demokratischen Verfassung mit Springerstiefeln zu treten und Jagd zu machen auf Missliebige aller Couleur. Wie immer wurde der Trigger für die Darf-man-das?-Reflexe angeboten, für die Beleuchtung ihrer Aktionen aus rechtlicher und moralischer Warte. Das Eigentliche ist in den Gegenfragen zu suchen, die auf die vermeintlichen Provokationen notwendigerweise folgen müssen. [Zum Beispiel: Darf ein bis zum Platzen selbstgerechter LZ-Kommentator jeden Tag pauschal ganze Menschengruppen denunzieren, kriminalisieren, brandmarken und ausgrenzen?]
    (…)
    Mit der Chemnitz-Aktion reagiert das Zentrum für politische Schönheit einmal mehr auf die ausbleibende Empörung dort, wo sie geboten wäre. AfD-Politiker rufen Schüler dazu auf, ihre Lehrer im Internet zu denunzieren, falls die sich mal nicht „politisch korrekt“ über diese Partei äußern. Ist der nächste Schritt, Kinder anzustiften, den rechten Blockwarten die eigenen Eltern auszuliefern? Der Satiriker Schlecky Silberstein und seine Mitstreiter erhalten nach einem Satire-Video über den Wahnsinn von Chemnitz Hausbesuch von einem AfD-Abgeordneten, der ihr Klingelschild abfilmt. Das Video mit den Adress-Details kursiert kurz darauf im Netz, Morddrohungen sind die Folge.

    Der Internetpranger des ZPS reflektierte diese Hetz-Methoden mit Schlingensief’scher Wucht auf die Rechten zurück. Überall in der Republik haben die Spießer des autoritären Denkens sich in ihrer Empörung selbst geoutet [und im Grunde schimpfend und schamfudernd dabei zugesehen, was sie selber sind und treiben]. Die Aktion stellt sich auf die Seite der besorgten Bürger. Und damit sind hier diejenigen gemeint, die Grund zur Sorge haben, Opfer von rechtsextremistischer Verfolgung, Diskriminierung und tätlichen Angriffen zu werden.

  14. Norbert Kasteinecke

    So, so – ein Honey-Pot.

    Das hätte ich natürlich auch gesagt, wenn mich die Polizei des Nachts mit einem Brecheisen an der Hintertür des Supermarktes erwischt.

    Geht es gut, dann lobe ich es.

    Wie war Eingangs die Frage ?

    https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/2124382-es-gibt-daran-nichts-kritikwuerdiges#comment-215132

    Was war los in Chemnitz ?

  15. In „Cicero“, einem deutlich rechtslastigen „Magazin für politische Kultur“ lese ich in einem vor wenigen Minuten online gestellten Gespräch über die Satire-Aktion vom „ Zentrum für politische Schönheit“:

    „Die Aktion ‚Soko Chemnitz’ bezieht sich auf die Demonstrationen nach dem Mord an einem Deutsch-Kubaner im September. Die liefen aus dem Ruder, als Rechte aus der gesamten Bundesrepublik anreisten und in ihren Thor-Steinar-Pullovern demonstrativ Reichskriegsflaggen schwenkten oder den Hitlergruß zeigten.“

    So die Interviewerin Antje Hildebrandt, die Publizistik und Politikwissenschaften studiert hat und als freie Reporterin und Autorin arbeitet.

    „Es ist ein Kennzeichen der Rechten, dass sie wenig Sinn für Humor und noch weniger Sinne für Satire haben. Sie bevorzugen schlichte Botschaften.“

    So der Interviewte, der Soziologe Dieter Rucht. Er ist Protestforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und Honorarprofessor der Freien Universität Berlin. Er gilt als einer der besten Kenner sozialer Bewegungen, von der 68er-Bewegung bis Pegida. Er war bis Anfang 2018 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac.

    • Norbert Kasteinecke

      Mit Cicero, hier und gerade Antje Hildebrandt und Dieter Rucht zitieren Sie die typischen linken (zensiert) Experten.
      Es hilf nix – diese Aktion ist nicht schön zu reden – sie war und ist dumm.
      Wer in diesen Zeiten noch Öl ins Feuer gießt, darf sich nicht über eine Stichflamme wundern.
      Frankreich zeigt es überdeutlich.
      Sollten Sie die dortigen Aktionen bevorzugen – dann weiter so.

      • Norbert Kasteinecke
        bei ihnen kann man schön erkennen, welche probleme der rechte rand mit der kausalität hat. es wird von ihnen gern verwechselt. wer öl ins freuer gießt, dürfte doch wohl offensichtlich sein. wenn die satte bequeme mittelschicht mal schneller aus dem eimer kommen würde, hätten wir erheblich weniger probleme und die afd würde es gar nicht erst geben. die afd ist das fleisch der cdu, was als anhängsel immer nur mitgeschleppt wurde. jetzt sind die zombies allein unterwegs und sie werden es auch bleiben. zurück zur cdu werden diese jedenfalls nicht mehr finden, egal was ein möglicher merz veranstalten wird. auch die cdu wird es irgendwann begreifen.

  16. Allen, die die Frage „Was war los in Chemnitz?“ umtreibt, empfehle ich zur ersten Orientierung die Wikipedia-Seite mit dem Titel:

    „Ausschreitungen in Chemnitz 2018 / Fremdenfeindliche, gewaltvolle Ausschreitungen Ende August bis Anfang September 2018“

    Allen, die Leuten wie Norbert Kasteinecke und Michael Recha NICHT auf den Leim gehen möchten, empfehle ich die Internetseite neusprech.org, die der Linguist und Romanist Professor Dr. Martin Hase von der Universität Bamberg gemeinsam mit dem Journalisten und Sprachkritiker Kai Biermann von „Die Zeit“ betreibt.

    • Norbert Kasteinecke

      Allen, die noch etwas selbstständig denken können und Leuten wie Kevin Schnell nicht auf den Leim gehen wollen, empfehle ich bei tichys einblick zu stöbern und sich über Chemnitz ein eigenes Bild zu machen.
      Auch die Achse des Guten, achgut , liefert für Selbstdenker noch akzeptablen Journalismus.

      Also, Herr Schnell, Sie sind den Schülern noch eine Antwort schuldig.

      Was war los in Chemnitz?

      Fakten bitte, keine Zitate, keine weitere Abschweifung und keine Links.

      • • Der Journalist Daniel Bax bezeichnet Tichys Einblick als „von der Tendenz her eher rechtspopulistisch und nationalkonservativ“ und rechnet das Medium zum Vorfeld der Alternative für Deutschland (AfD). Die AfD will nach Meinung von Tichy die „ererbte und erarbeitete Kultur“ der Bundesrepublik schützen und ihren „hoch entwickelten Lebensstil bewahren.“ Das Magazin wird von anderen Medien meist als rechtspopulistisch bis extrem rechts eingestuft. (Wikipedia)

        • Im Rahmen seines Sammelbandkapitels über Gegenöffentlichkeit im Wirtschaftsjournalismus verortete der Autor Lutz Frühbrodt „Die Achse des Guten“ 2017 „aufseiten der politischen Rechten“. Das Blog übe „vor allem Kritik am Islam, an der Linken und an (ebenfalls vermeintlich linken) Medien“. Wirtschaftspolitik spiele nur eine untergeordnete Rolle, „wiewohl in den Artikeln meist eine marktwirtschaftliche, mitunter marktradikale Attitüde“ mitschwinge. (Wikipedia)

        • Ein verstörendes Exempel ins Zwanghafte abgespaceden megalomanen Verschwörungswahns, wie er in mehr oder weniger gemilderter Form den meisten gescheiterten alten Maulern und Miesepetern auf den beiden oben genannten Medienplattformen zu eigen ist, stellt sich in diesem Kommentar vom 6. Dezember 17:48 Uhr selbst zur Schau: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/2124382-es-gibt-daran-nichts-kritikwuerdiges#comment-215862

  17. Wer von der AfD redet, redet „über eine Partei, die stets und ständig provoziert, jede Woche probiert, das Gesagte nach rechts zu verschieben. Wenn Sie sich von rassistischen Äußerungen, Hetze und Gewalt freimachen könnte, dann wäre eine ganz andere Debatte möglich“, hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) unterstrichen (siehe LZ-Artikel oben).

    Wer von Kunst redet, der redet über ein Phänomen, bei dem er „es mit ereignishaften Singularitäten sowie dem Inkommensurablen (nicht Übersetzbaren) zu tun“ hat, sagen Dr. Kerstin Hallmann und Professor Pierangelo Maset von der Universität Leuphana. „Kunst sei also im konkreten Einzelfall zu betrachten, lasse sich schwer vergleichen, einordnen und verallgemeinern“. Und: Wer nur nach den Absichten des Künslers, aber nicht nach den Implikationen und nach dem Potential seines Werks frage „verfehlt das, was Kunst und Bildung als zentrale Impulse für menschliche Existenz auszeichnen.“ Siehe: https://www.landeszeitung.de/blog/kultur-lokales/888142-leistung-kann-nicht-alles-sein

    Kunst soll also, so wird oft gesagt, hinterfragen, irritieren, zu Diskussionen anregen, Sehgewohnheiten brechen, provozieren. Gemessen daran muss man nüchtern feststellen: Die Kunst-Performances des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) sind ein voller Erfolg. So erbittert, leidenschaftlich und kontrovers wurde schon lange nicht mehr über Kunst debattiert wie angesichts der Aktionen der Politkünstler, die sich selbst als Vertreter eines „radikalen Humanismus“ sehen.

    Im Folgenden zitiere ich kurz aus einem langen Essay, den der deutsche Reptilienforscher, Schriftsteller und Liedermache Heiko Werning gestern in der „taz“ veröffentlicht hat:

    Das jüngste ZPS-Projekt mit dem Namen „Soko Chemnitz“ löste einigen Aufruhr aus. „Wer kennt diese Idioten?“, fragten sie auf einer Internetseite und zeigten dazu Fotos von über 1.500 Personen, von denen das ZPS behauptete, sie seien bei den rechtsradikalen Aufmärschen in Chemnitz vor drei Monaten dabei gewesen. Neben bekannten Szene-Aktivisten fanden sich dort zahlreiche bisher der Öffentlichkeit Unbekannte.
    (…)
    Die Reaktionen waren kontrovers, es hagelte teils erbitterte Kritik und schließlich auch Abmahnungen und Strafanzeigen. Dass die Aktion auch mit satirischen Mitteln arbeitete, war jedoch unübersehbar: „Denunzieren Sie noch heute Ihren Arbeitskollegen, Nachbarn oder Bekannten“ hieß es etwa auf der Seite, erkennbar eine Spiegelung der vieldiskutierten AfD-Lehrer-Denunziationsforen.
    (…)
    Auch der Sprachgebrauch („Gesinnungskranke“) war teils ein direkter Aufgriff von Nazi-Jargon. Das Vorgehen erinnerte zudem an die immer wieder kursierenden Steckbriefe von Nazis, mit denen diese Linke öffentlich zum Abschuss freigeben, oder an die Personenfahndung durch Polizei und Bild-Zeitung nach den G20-Krawallen in Hamburg.
    (…)
    Alles nur ein Fake also? Tatsächlich Zuarbeit für Ermittler? Investigativ-Kunst? Satire und Aufklärung? Oder doch eher Wichtigmacherei von ein paar durchgeknallten Geltungssüchtigen, die damit die Spaltung der Gesellschaft noch vertiefen und den Rechtsstaat aufweichen?
    (…)
    Denn natürlich bleibt auch die Frage, inwieweit nicht auch „Unschuldige“ hätten betroffen gewesen sein können. Und was, wenn auf diese Weise öffentlich angeprangerte Menschen tätlich angegriffen worden wären? Auch dazu gibt es schließlich spiegelbildliche Vorlagen – man denke nur an den Lynchmob, der nach einem öffentlichen Fahndungsaufruf kürzlich einen mutmaßlichen Kinderschänder überfallen hat.

    Und ja, die Vertuschungs- und Bagatellisierungsversuche höchster Stellen bis hin zum Verschwörungstheoretiker Maaßen samt der wenig enthusiastisch wirkenden Aufklärungsarbeit der zuständigen Behörden sind erbärmlich – aber selbstverständlich darf keine Bürgerwehr von der anderen Seite eigenmächtig staatliches Handeln ersetzen wollen, selbst wenn es der vermeintlich noch so gerechten Sache dient! Strafverfolgung ist allein Sache von Polizei und Gerichten!
    (…)
    Immerhin aber ist sicher, dass das ZPS ein Schlaglicht auf eine ganze Reihe an Problemen geworfen hat, von der Mobilisierung rechter Gruppen über den Umgang mit Internet-Prangern bis zu Datenschutz und dem staatlichen Handeln rund um Chemnitz. Wollte man am Donnerstagvormittag zur weiteren Recherche die vom ZPS angegebene Seite soko-chemnitz.de aufrufen, erhielt man über Stunden nur die Meldung: „Error establishing a database connection“ – womöglich die sinnfälligste Zusammenfassung dieser Kunstaktion.

  18. Norbert Kasteinecke

    Sie wollen oder können nicht .

    „Also, Herr Schnell, Sie sind den Schülern noch eine Antwort schuldig.

    Was war los in Chemnitz?

    Fakten bitte, keine Zitate, keine weitere Abschweifung und keine Links“

    Lassen Sie uns das hier beenden.

    Ein „Gedicht“ habe ich dann aber auch noch.

    Kennst du den Ort,
    wo keiner lacht,
    wo man aus Menschen Idioten macht,
    wo man verliert die Lust und Tugend:
    die Schule, Grab der Jugend.

    Nun denn, warten wir das nächste Jahr ab – es wird „interessant“.

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