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Viertes Gleis
Auch Staatssekretär Enak Ferlemann (3.v.r.) stand bei einer Podiumsdiskussion beim Statustreffen des Dialogforums Schiene Nord in Celle Rede und Antwort. Peter Dörsam (2.vl.) vom Projektbeirat Alpha-E hört aufmerksam zu. (Foto: dth)

Getrennte Rechnungen, bitte

Celle/Lüneburg. Die Forderung aus den Kreisen Lüneburg und Harburg nach mehr Nahverkehrszügen nach Hamburg unterstützt Enak Ferlemann (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Aber unabhängig vom Schienenausbau für den Güterverkehr. Ferlemann macht dafür getrennte Rechnungen auf: Auf der einen Seite sieht er den Güterverkehr, für den nach der Ausbauvariante „optimiertes Alpha-E“ ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen im Gespräch ist. Auf der anderen Seite sieht er den Nahverkehr: „Wenn da mehr Nahverkehrszüge fahren sollen als heute, müssen wir über ein viertes Gleis zwischen Lüneburg und Hamburg sprechen“, sagte Ferlemann in Celle beim Statustreffen des „Dialogforums Schiene Nord“. Ferlemann sprach auch die Möglichkeiten eines übergesetzlichen Lärmschutzes an Ausbaustrecken an.

„Lüneburg ist die am schnellsten wachsende Stadt Niedersachsens und hat einen hohen Nahverkehrsbedarf“, sagte Ferlemann vor mehr als 100 Zuhörern im Europasaal des „Congress Union Celle“. Er sei ein großer Anhänger des Nahverkehrs, vor allem wenn es darum gehe, mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen.

Fahrstrecke bereits jetzt überlastet

Mit Blick auf die Strecke Lüneburg-Hamburg sagte er: „Wenn da noch mehr Züge fahren sollen – wofür ich bin – , brauchen wir in diesem Abschnitt ein viertes Gleis.“ Denn bereits jetzt sei der Fahrweg dort überlastet, neue Verbindungen zu realisieren sei schwierig.

Ferlemann weiter: „Wir machen das aber nicht, um uns vom Alpha-E zu verabschieden.“ Sondern: Wenn die Niedersachsen Bedarf anmeldeten, dass sie mehr Personenzüge von und nach Hamburg einsetzen wollen, „dann müssen wir uns darüber unterhalten, wie wir die Kapazitäten dafür schaffen, um das machen zu können“. Und er betonte: „Das ist nicht eine Frage des Alpha-E, sondern eine Frage des Nahverkehrs im Hamburger Umland.“

„Dann müssen wir über ein viertes Gleis zwischen Lüneburg und Hamburg sprechen.“ – Enak Ferlemann, Staatssekretär

Das könnte man als eine Antwort auf die Lüneburger Erklärung vom Freitag werten. Unter Federführung von Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt hatten sich Vertreter von Kreis, Kommunen und Bürgerinitiativen gegen einen Ausbau der Bestandsstrecke für den Güterverkehr über Lüneburg-Uelzen ausgesprochen. Anstelle für den Güterverkehr müssten mehr Kapazitäten für den Nahverkehr vorgehalten werden, hieß es. So erneuerte Mädge auch die Forderung, dass für den Güterverkehr eine alternative Trasse entlang der Autobahn 7 geprüft werden solle (LZ berichtete).

Geprüft werden solle das auch im Verfahren, das hatte Frank Limprecht von der DB Netz AG zugesagt. Sollte die Wahl dennoch auf den Ausbau der Bestandsstrecke Lüneburg-Uelzen fallen, müsste man nach Ansicht Ferlemanns also beides auf dem Zettel haben: den Ausbau südlich und nördlich von Lüneburg.

Perspektive für mehr Lärmschutz an Bahnstrecken

Bereits zwischen 2009 und 2014 war die rund 27 Kilometer lange Strecke zwischen Stelle und Lüneburg dreigleisig ausgebaut worden sowie viergleisig zwischen Stelle und Ashausen. Wo ein mögliches viertes Gleis zwischen Stelle und Lüneburg entstehen könnte, bleibt ein Rätsel. Denn auf der einen Seite wären Teile der A39 im Weg und auf der anderen beispielsweise das Winsener Bahnhofsgebäude oder auch Häuserzeilen in Bardowick.

Indes warnte Joachim Partzsch vom Projektbeirat Alpha-E davor, sich gegenseitig in der Region zu zerfleischen. Er reagierte damit auf die Erklärung der Lüneburger Vertreter, die dem Projektbeirat jegliche Legitimation absprechen. Partzsch: „Meinetwegen können sie eine Trasse an der A7 fordern.“ Aber im Kampf um erhöhten Lärmschutz, egal an welcher Strecke, müsse man in der Region zusammenstehen. Dazu hatte Ferlemann eine Perspektive beschrieben. Betroffene Kommunen könnten Wünsche, die über das gesetzliche Maß hinausgehen, anmelden. Das Verkehrsministerium würde prüfen, ob sie vertretbar seien und dem Bundestag zur Entscheidung vorlegen.

Von Dennis Thomas

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