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Die Grundschule in Deutsch Evern soll nicht saniert werden, stattdessen ist ein Neubau politischer Wille. Foto: t&w

Streit um richtigen Schulbau

Melbeck. Es geht um die Zukunft der Grundschule Deutsch Evern, da werden schnell Superlative bemüht. Vom „größten und teuersten Projekt in dieser Legislaturperiode“ sprach Ulrich Müller-Menzel (CDU) – und eröffnete damit eine lebhafte Debatte im Samtgemeinderat Ilmenau. Die Überlegungen, den Um- und Ausbau des alten Schulgebäudes ad acta zu legen und grünes Licht für einen Neubau zu geben, ist für Müller-Menzel keine Option. Jedenfalls nicht, ohne zuvor eine Wirtschaftlichkeitsprüfung in Auftrag gegeben zu haben, die die Umwandlung zur Ganztagsschule am alten sowie an einem neuen Standort vergleicht. „Wir brauchen Planungssicherheit“, beschwor der Christdemokrat seine Ratskollegen – am Ende vergebens.

Vergleichsberechnung eines Architekturbüros liegt vor

Was der CDU-Politiker, zugleich Schulausschussvorsitzender, einfordert, ist aus Sicht von Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (SPD) und großen Teilen des Rates längst geschehen, Müller-Menzels Vorstoß sei überflüssig. „Die Vergleichsberechnung eines Architekturbüros liegt seit Dezember 2017 vor“, konterte Rowohlt. Es gebe keinen Anlass, die Daten in Frage zu stellen oder ihre Aktualität zu bezweifeln. „Die erneute Prüfung durch ein anderes Büro bedeutet nur weiteren Zeitverlust und zusätzliche Kosten.“

Ähnlich argumentierte CDU-Fraktionschef Hubert Ringe, der eine Erklärung verlas, die neben seiner auch die Unterschriften von Hans-Georg Kramer (Grüne), Karsten Fuhrhop (BLI) und Stefan Mues (UWI) trägt. „Wir halten die vorgelegten Kostenermittlungen mit den Vergleichen für ausreichend“, betonte Ringe. „Eine weitere Untersuchung würde den Beginn der Maßnahme weiter verzögern und die Baukosten erhöhen.“

Viele Argumente gegen alten Standort

Für die Unterzeichner der Erklärung sprechen nicht nur fiskalische, sondern auch pädagogische Gründe gegen die Sanierung des alten Gebäudes: Der Schulhof sei zu klein und verwinkelt, die Pausenaufsicht werde dadurch erschwert. Die Barrierefreiheit sei nicht gegeben, Unterrichts- und Fachräume seien größtenteils zu klein. „Gegen den Verbleib auf dem vorhandenen Grundstück sprechen auch die Erfahrungen eines Umbaus der Grundschule ‚Hasenburger Berg’“, erinnerte Ringe.

Ein großer Umbau des vorhandenen Gebäudes während des laufenden Schulbetriebes wäre für die Schüler in Deutsch Evern „die Hölle“, warnte Peter Rowohlt. Die Neubau-Variante habe den Charme, dass die Kinder nach Fertigstellung nur umziehen müssten.

Flammendes Plädoyer für den Neubau

„Seit Jahren wird in Deutsch Evern und in der Samtgemeinde um die Zukunft der Grundschule Deutsch Evern als Ganztagsschule gerungen“, erinnerte Schulelternratsvorsitzender Michael Hansen. Er hielt ein flammendes Plädoyer für den Neubau, Tenor: „Kein Geld für weitere Gutachten, nicht noch länger warten.“

Nicht überzeugt war dagegen Günter Preikschas. „Ulrich Müller-Menzel hat Recht, wir sollten das noch einmal genau durchrechnen lassen“, sagte der Sozialdemokrat. Auch Stefan Koch (UWI) mahnte: „Wir wollen den Kindern nichts Böses“, aber angesichts mehrerer Millionen Euro, die ein Neubau koste, sei es verständlich, dass Abgeordnete kalte Füße bekämen.

Klar für einen Neubau positionierte sich Hans-Joachim Danzenbächer (Grüne). Beim Um- und Ausbau des Altbestandes müsse man ständig damit rechnen, auf neue kostspielige Probleme zu stoßen. „Wir sollten das Ganze nicht mehr länger aufhalten und auch gleich die Dreizügigkeit planen.“

Noch eine Anmeldung fehlt für Dreizügigkeit

„Für den Sommer liegen schon 52 Anmeldungen vor“, erinnerte Ulrike Walter (CDU), „noch ein Kind mehr, und wir müssen mit drei ersten Klassen starten.“ Das aber könnte bedeuten, dass ein Container auf dem Pausenhof aufgestellt werden müsse. „Das will keiner.“ Ihr Appell: „Wir müssen endlich mit der Entwurfsplanung für den Neubau beginnen. Dann findet auch die Kaffeesatzleserei über die Höhe der Kosten ein Ende.“

Die Neubau-Befürworter setzten sich durch: Beschlossen wurde die Planung eines bis zu dreizügigen Neubaus auf dem Sportplatz. Alternative Standorte sollen nicht mehr untersucht werden.

Von Klaus Reschke

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