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Illegal am Fußball mitverdient

Lüneburg. 363 Seiten umfasst die Anklageschrift gegen ein Quartett. Ihm wirft Oberstaatsanwalt Frank Lange unter anderem vor, dem Pay-TV-Sender Sky einen Schaden in Höhe von 3,125 Millionen Euro zugefügt zu haben. Am Landgericht Lüneburg trug er eine komprimierte Fassung vor. Hätte er jeden einzelnen Fall erwähnt, hätte er dafür nach einer Rechnung des Vorsitzenden Richters Axel Knaack zehn Tage benötigt.

Angeklagt sind vier Männer im Alter im Alter von 22 bis 26 Jahren, einer kommt aus Eyendorf im Kreis Harburg, einer aus dem bayerischen Zwiesel und zwei aus dem Ruhrgebiet. Verhandelt wird vor der Jugendkammer, da sich die Taten zwischen Oktober 2011 und Februar 2016 abgespielt haben sollen und die Angeklagten da noch nicht volljährig waren. Vorgeworfen wird ihnen Computerbetrug in schwerem Fall und das Ausspähen von Daten in 20.854 Fällen.

Abos im Wert von 3,125 Millionen Euro entgangen

Laut Anklage bot das Quartett über das selbsterrichtete kostenpflichtige Internetportal iStreams.to illegale Streamingdienste an. Die Angeklagten entschlüsselten laut Oberstaatsanwalt unter anderem das Sky-Signal und boten den Nutzern ihrer Seite das Programm zu einem geringeren Preis an als den, den Sky in Rechnung gestellt hätte. 7401 Nutzer hätten die Dienste in Anspruch genommen und beispielsweise Spielfilme oder Live-Übertragungen von Fußballspielen geschaut. Da sich die Nutzer für Abos bei diesem Dienst entschieden hätten, seien Sky dadurch Abos im Wert von 3,125 Millionen Euro entgangen.

Laut Lange haben die Angeklagten unterschiedliche kriminelle Gewinne errungen: Bei zwei von ihnen geht er von zusammen 252.745 Euro aus, bei einem von 1000 und bei dem vierten von nur 125 Euro. Dabei hätten die Angeklagten arbeitsteilig gewirkt: Von den beiden Haupttätern sei einer für die technische Administration zuständig gewesen, der zweite habe als „Manager“ die verschlüsselten Signale abgefangen. Die beiden anderen hätten sich um Fehlermeldungen gekümmert.

Zeugen aus ihrem sozialen Umfeld werden gehört

Wird strittig verhandelt, könnte es ein langer, sich über Monate hinziehender Prozess werden. Zunächst geht es an den nächsten Verhandlungstagen am 11. und 12. Dezember um die Lebensläufe der Angeklagten, es werden auch Zeugen aus ihrem sozialen Umfeld gehört. Die Jugendkammer will sich so ein Bild von der Entwicklung der jungen Männer machen. Dabei sein wird auch ein Vertreter von Sky, denn es könnte zu einem sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich kommen, wobei laut Richter Knaack klar ist: „Da geht es nicht um Millionen. Er wird sich im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Angeklagten abspielen.“

Am 13. Dezember könnte die Kammer den Angeklagten dann ein Angebot unterbreiten, welche Urteile sie erwarten können, wenn sie umfassende Geständnisse ablegen. Lässt sich das Quartett darauf ein, wird‘s doch noch ein kurzer Prozess.

Von Rainer Schubert

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