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Hanseviertel Grundschule
Der Ratsvorsitzende Wolf von Nordheim (Grüne, rechts) ist der Ansicht, dass die Streichung des Standortes für eine Grundschule im Hanseviertel von Oberbürgermeister Ulrich Mädge und dessen Verwaltung nicht hinreichend deutlich kommuniziert worden ist. (Foto: t&w)

Seltsames Verschwinden oder gepennt?

Lüneburg. Das Hanseviertel ist der am stärksten wachsende Stadtteil Lüneburgs. Mehr als 1500 Menschen wohnen schon im Quartier. Im dritten Bauabschnitt, der weiteren rund 1800 Menschen Wohnraum bieten soll, hatte die Stadt Lüneburg ursprünglich auch eine Fläche für eine Grundschule vorgesehen. Doch inzwischen ist diese Fläche gestrichen, die Verwaltung setzt auf den Ausbau benachbarter Grundschulen statt auf einen Neubau. Das stößt nicht nur bei Eltern auf Kritik (LZ berichtete), nun meldet sich auch der Ratsvorsitzende Wolf von Nordheim zu Wort: „Es liegt doch auf der Hand, dass das Hanseviertel eine eigene Grundschule braucht.“

Der Zeitpunkt der Kritik überrascht, denn das Aus der Schulbaupläne war bereits im August nahezu geräuschlos vom Rat mit dem entsprechenden Bebauungsplan beschlossen worden – eben dort, wo von Nordheim den Vorsitz innehat. 29 Ratsmitglieder stimmten dafür, nur vier dagegen – bei drei Enthaltungen. Der Grünen-Politiker will das übersehen haben, gibt zu, erst von Eltern auf die Thematik aufmerksam gemacht worden zu sein.

Zu viel Papier in zu kurzer Zeit

Ein Erklärungsversuch: Es war eine lange Sitzung an jenem Augusttag über mehr als viereinhalb Stunden mit 30 Tagesordnungspunkten. Allein der Punkt, in dem es um das besagte Areal im Hanseviertel ging, hatte zwölf Anhänge. Eine Menge Lesestoff, den die ehrenamtlichen Politiker binnen weniger Tage durchackern müssen, ehe sie entscheiden. Angesichts dieser schieren Masse sei es ihm nicht aufgefallen, dass der Beschluss eine redaktionelle Änderung beinhaltete, die Textfassung eben anders war als zuvor im Bauausschuss im April und auch im Verwaltungsausschuss, moniert von Nordheim. Die Schule war nun gestrichen, er habe das Gefühl, dass dem Rat diese Änderung quasi klammheimlich untergeschoben wurde. Er hat deshalb eine „Chronologie des seltsamen Verschwindens der Grundschule Hanseviertel“ verfasst.

„Man hätte schon sehr genau hingucken müssen, um das zu merken.“ – Wolf von Nordheim , Grünen-Ratsherr

Wolf von Nordheim, der selbst im Hanseviertel wohnt, wollte sich nach eigenen Angaben auch im jüngsten Verwaltungsausschuss zum Thema äußern. Der Oberbürgermeister aber habe ihm nicht das Wort erteilt, für ihn ein weiterer Beleg für seine Einschätzung: „Hier stimmt etwas nicht.“

Im Rathaus wird der Vorwurf mindestens mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Zum einen wird in der Vorlage zu jener Ratssitzung explizit auf diese Streichung des Schulstandortes inklusive Begründung hingewiesen. Zum anderen belegten Sitzungsprotokolle, dass die Schulfrage zuvor auch im Bauausschuss am 14. März Thema war, damals sei auch von Nordheim anwesend gewesen. Die Verwaltung habe darüber hi­naus im April einen Fragenkatalog der Grünen beantwortet, auch darin wird auf die Streichung des Schulstandortes hingewiesen. „Von klammheimlich kann also nicht die Rede sein“, macht Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck deutlich.

Schulfrage war mehrmals in Ausschüssen Thema

Wolf von Nordheim aber beharrt darauf: Im Bauausschuss am 23. April habe es keinen Beschluss zur Schule gegeben, die Änderung sei nachträglich eingearbeitet worden, sodass „man schon sehr genau hätte hingucken müssen, um das zu merken“. Er will dafür kämpfen, dass noch eine Grundschule im Hanseviertel gebaut werde. Die Schülerzahlen würden das hergeben, auch wenn die Verwaltung anders wertet, der Aufwand sei nicht größer, als andere Schule auszubauen. „Wenn das neue Schulgebäude in zehn Jahren nicht mehr gebraucht wird, kann man es ja anders nutzen, für Senioren zum Beispiel“, schlägt er vor.

Wie er das Ziel erreichen möchte, ob er den Beschluss vom August womöglich anfechten will, sagt er noch nicht. Er wolle sich erst innerhalb der Jamaika-Gruppe darüber austauschen.

Info-Veranstaltung

Was plant die Verwaltung?

Die Bildungsangebote im Einzugsgebiet des Hanseviertels sind Thema einer Veranstaltung am Mittwoch, 5. Dezember: Welche Betreuungsangebote werden im Osten der Stadt ausgebaut und wie schreiten die einzelnen Vorhaben in den Bereichen Kita, Krippe und Schule voran? Darüber informiert die Verwaltung interessierte Eltern ab 19 Uhr im Saal des ehemaligen Casinos, Hans-Heinrich-Stelljes-Straße 57.

In der Ratssitzung am Donnerstag ist dann der Schulweg vom Hanseviertel zur Lüner Schule ein Thema. Die CDU-Fraktion bittet die Verwaltung darum, insbesondere die Beleuchtung und die sichere Querung zu prüfen.

Von Alexander Hempelmann

8 Kommentare

  1. „Man hätte schon sehr genau hingucken müssen, um das zu merken.“ – Wolf von Nordheim , Grünen-Ratsherr
    tja, wenn es doch ums geld geht, sollte man immer genau hinschauen. was sagt uns das? es wird abgestimmt, ohne genau hinzuschauen? es sieht wohl nicht nur so aus.

  2. Was wollen wir in dieser zusehens zur Rentnerschlafstadt umgestalteten Stadt mit Schulen? Die Soldaten sind weg und die Studenten sind auch nur zum Studieren hier und gehen nach Vollendung des Studiums. Hier bleiben langfristig nur saturierte Altbürger wie ich. Ach ja, wer hier etwas Sarkasmus findet darf ihn behalten.

  3. Als meine Eltern 1957, mit mir als neugeborenem Säugling im Gepäck, in ein Bauernkaff im Schwäbischen mit ca. 500 Einwohner gezogen sind, gab es da:

    – 1 Grund- und Hauptschule
    – 1 Schwimmbad an der Schule für den Sportunterricht (abends und an einigen Tagen auch nachmittags für die Allgemeinheit)
    – 2 Kindergärten an verschiedenen Standorten, mit jeweils 2 bzw 3 Gruppen
    – 3 Kaufläden
    – 4 Metzger
    – 3 Bäcker mit Cafe
    – 1 Backhaus
    – 2 Gaststätten mit Festsaal und Fremdenzimmer
    – 1 Molkerei
    – 1 Wäscherei mit Badeanstalt
    – 3 Fillialen verschiedener Banken

    60 Jahre später entsteht in Lüneburg ein Stadtteil mit >3000 Einwohner. Als Nahversorgung gibt es:

    – nach ca 7 Jahren endlich 1 Supermarkt (bei dem man sich fragt was der Innenarchitekt hauptberuflich macht)
    – und ganz wichtig natürlich 1 Markt für die Bipnade-Bourgeoisie
    – dann noch 1 Backwarenverkaufstation (um das Wort „Bräunungsstudio mit Plörreverkauf“ zu vermeiden)
    – und nicht zu vergessen 1 Filiale der Sparkasse

    Das ganze könnte man jetzt euphemistisch als Stadtplanung bezeichnen.
    Ich verkneife mir jetzt mal jede Form der Bewertung, mir müsste sonst die Sprache ausrutschen und ich würde gegen die Netiquette verstossen.

    Wenn Herr W. von N. jetzt mit „Mimimi“ kommt, weil ihm etliche Mitbürger aus der Nachbarschaft jetzt unbequeme Frage stellen – möglicherweise nicht ganz unberechtigt – tja, dann ist nur zu sagen: „You had one job“…

    • Nachdem ich ihren Beitraag gelesen habe war mein erster Gedanke dass sie wohl irgendwie in der Vergangenheit hängen geblieben sind. 1957 mit 2018 zu vergleichen ist schon sehr schräg. Wie sieht es denn Heute in dem Bauernkaff im Schwäbischen aus? Wer von denen die Sie aufgelistet haben ist noch vorhanden? Beziehungsweise haben sie sich bei der Auflistung nicht vielleicht etwas vertan? Mir erscheint das übertrieben viel für einen 500 Seelenort.

      Doch abgesehen davon versuchen Sie doch Heute z.B. mal einen Bäcker oder Metzger zu finden der wirklich noch wie 1957 im wahrsten Sinne des Wortes handwerklich arbeitet und davon leben kann. Das ist fast wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Lediglich in einigen wenigen kleineren Orten in der Heide findet man noch solche Betriebe. Die sind teilweise schon fast ein Geheimtipp. Aber damit genug zum Thema Handwerk.

      Wo ich jedoch wie Sie auch ein Manko im Hanseviertel sehe ist das fehlende schulische Angebot in der Nähe und Kindergartenplätze.

      • Schreibfehler/mein Fehler: bei den 500 fehlt eine 1 davor. Verzeihen Sie mir.

        Was von der Liste noch vorhanden ist vermag ich nicht zu sagen, wir sind Ende der 70er dort weggezogen.
        Wie es da heute aussieht ebenfalls nicht, aber die damals aufkommende individuelle Mobilität hat dort ebenfalls zur Zwangsmobilität geführt, vermute ich mal.

  4. Als ich damals Grundschüler gewesen,wohnhaft am Ebensberg,mit Freunden in Moorfeld,der Henningstr. und Rabensteinstr.,da musste wir doch tatsächlich alle,zur Grundschule Lüne gehen bzw. fahren und das hat wunderbar geklappt,man glaubt es kaum!
    Ja liebe,ach so überfürsorglichen Eltern aus dem Hanseviertel,nicht immer bekommt man,was man will.Auch euren Kindern ist der Weg zur Grundschule Lüne zumutbar.Warum sollte die vorhandene Schule,denn nicht einfach ausgebaut werden,statt eine ganz neue zu errichten?!Bisschen frische Luft,tut jedem Kind gut!Wenn ein Politiker,die ihm vorgelegten Unterlagen,nicht genau liest,weil es ihm scheinbar zu viel ist.Dann würde ich sagen Augen auf bei der Berufswahl.Mein Chef würde mir was erzählen,wenn ich so arbeiten würde!

  5. Ach ja, die armen, armen, Hanseviertler…
    Die nächsten Aldi-Märkte sind jeweils mehr als 1000 METER Luftlinie entfernt, ein Edeka-Markt genauso weit weg.
    Der nächste Penny-Supermarkt ist sogar 1500 METER Luftlinie entfernt, und die Grundschule Lüne genauso.
    Für die dicken Protz-SUV- und Firmenschlitten gibt es doch gar nicht genug Parkplätze dort überall,
    vielleicht sollte die Stadt endlich einmal einlenken und die überflüssigen Altbauten an den Erbstorfer-, Bleckeder- und Dahlenburger Landstraßen durch sinnvollen Parkraum ersetzen damit die wertvollen, finanziell potenten Neu-Lüneburger sich wirklich einleben können.

  6. Zu loben ist wieder einmal das kompositorisch gelungene Lichtbild der beiden Lüneburger Fotografen Andreas Tamme und Hans-Jürgen Wege über dem durch es herrlich ergänzten Slapstick-Artikel von LZ-Redakteur Alexander Hempelmann. Die schöne Aufnahme zeigt, dass auch in den innigsten hanseatischen Männerfreundschaften neben der aufrichtigen und tief wurzelnden Bereitschaft zu aufmerksam unvoreingenommener gegenseitiger Herzlichkeit der wohlwollende Wille zur nachdenklichen Aufnahme und Würdigung in Nuancen voneinander abweichender Meinungen nicht fehlen darf. Die in den beiden unteren Bildecken angeschnittenen Häupter subalterner Lauscher unterstreicht die Erhabenheit der einander in kritischer Liebe zugetanen Zentralgestalten sachwalterischer Pflichtenlust.

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