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Christopher Bohlens möchte die Rahmenbedingungen für Prüfungen auf dem Campus verbessern. Weil der Senat als höchstes universitäres Gremium am Ende darüber abstimmt, kandidiert er. Foto: t&w

Die Forderung nach einer Reform

Lüneburg. Knapp 400 Unterschriften hat Christopher Bohlens schon zusammen, 900 sind sein Ziel. Dann wüsste er rund zehn Prozent der Lüneburger Studenten hinter sich. Der 29-Jährige kämpft zurzeit für Verbesserungen der Rahmenprüfungsordnung, kurz RPO. Sie legt beispielsweise fest, wie oft eine Klausur wiederholt werden darf oder wie lange sich Studenten für eine Prüfungsleistung an- und abmelden können.

Vor drei Jahren wurde das Regelwerk das letzte Mal geändert. Dass sich die Rahmenbedingungen seitdem deutlich verschlechtert haben, bekommt Bohlens immer wieder mit. Nicht nur weil er selbst an der Leuphana Universität studiert. Er hat sich intensiv mit dem Prüfungsrecht auseinandergesetzt und bietet Kommilitonen in seiner Freizeit Beratungen zu dem Thema an.

Die Wahlen laufen gerade

Um wirklich Änderungen herbeiführen zu können, hat er vor Kurzem entschieden, für den Hochschulsenat zu kandidieren. Die Wahlen laufen gerade: Bis Mittwoch können Studenten noch ihre Stimme abgeben. Drei Sitze gilt es, zu vergeben. Insgesamt gehören 19 Personen dem höchsten Uni-Gremium an: Während jedoch Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Personal aus Technik und Verwaltung zwei Jahre im Amt sind und 2019 das nächste Mal gewählt werden, üben Studenten ihre Funktion nur ein Jahr lang aus. Bohlens hat Konkurrenz: Zum 5. Mal kämpft auch das „Demokratische Bündnis“ um Sitze (siehe Infobox).

Ein umfängliches Wahlprogramm hat der gebürtige Hamburger nicht aufgestellt. Ihm ist nur ein Thema wichtig: die RPO-Reform. Um zu verdeutlichen, wie wichtig ein flexibleres Regelwerk ist, hat er die Petition gestartet. Auf der Internetseite www.rpo-reform.de listet er seine vier Hauptanliegen.

„Ein Eingriff in die Privatsphäre“

Kritisch sieht Bohlens das Krankmeldeformular, das an der Uni zur Praxis gehört. Im Gegensatz zu vielen anderen Hochschulen, denen es reicht, wenn ein Arzt bescheinigt, dass ein Student prüfungsunfähig ist, will die Leuphana auch die Symptome erfahren. Das Thema hat in der Vergangenheit bereits für viel Diskussionsstoff gesorgt. „Die Uni argumentiert damit, Missbrauch vorbeugen zu wollen. Tatsächlich ist das aber ein Eingriff in die Privatsphäre“, sagt Bohlens und verweist auf die neue Datenschutz-Grundverordnung.

Er merkt aber auch an, dass es sich bei dem von der Uni geforderten Attest um eine privatärztliche Leistung handelt, für die die Mediziner Gebühren in Höhe von bis zu 30 Euro verlangen. „Warum langt kein gelber Schein wie ihn Arbeitgeber von ihren Angestellten verlangen? Das ist eine Kassenleistung.“ Auch müssten darauf keine Diagnosen oder gesundheitliche Beeinträchtigungen genannt werden.

Studienzeiten verlängern sich

Dass Studenten exmatrikuliert werden und das Fach, durch das sie dreimal durchgefallen sind, deutschlandweit nicht mehr studieren dürfen, hält er auch nicht für zeitgemäß. So haben Universitäten in Kiel, Köln, Flensburg oder Koblenz inzwischen nicht nur einen vierten Versuch, sondern auch eine andere Prüfungsform eingeführt. Das wünscht sich Bohlens auch in Lüneburg. „Manch einer hat vielleicht starke Prüfungsangst. Wer also eine Klausur auch beim dritten Mal nicht bestanden hat, sollte eine Hausarbeit schreiben oder eine mündliche Prüfung ablegen dürfen.“

Neben dem Umstand, dass Studenten sich unmittelbar nach Semesterbeginn für Prüfungen anmelden müssen und die Entscheidung nicht mehr, wie früher einmal, fünf Tage vor der Klausur fällen können, kritisiert der Lüneburger auch die Flexibilität bei Lehrveranstaltungen. So werden manche nur einmal im Jahr angeboten. Bedeutet: Studenten, die ein Modul nicht bestanden haben, müssen zwei Semester warten. „Das ist nicht nur unökonomisch, es führt auch zu erheblichen Studienzeitverlängerungen.“

Von Anna Paarmann

Senatswahlen

Demokratisches Bündnis

50 Personen treten als Zusammenschluss verschiedener Hochschulgruppen zur Senatswahl an. Das 16-seitige Wahlprogramm beschäftigt sich unter anderem mit der Qualität des Studiums, Freiheiten, der Startwoche und der Öffnung der Hochschule für Geflüchtete. Auch eine Reform der Rahmenprüfungsordnung zählt zu den Anliegen des Bündnisses.

One comment

  1. Die Uni argumentiert damit, Missbrauch vorbeugen zu wollen. Tatsächlich ist das aber ein Eingriff in die Privatsphäre“, sagt Bohlens
    stimmt. nicht mal ein arbeitgeber hat ein anrecht , die genaue krankheit zu erfahren.

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