Aktuell
Home | Lokales | Wurden Gelder veruntreut?
Das gelbe Haus Auf dem Kauf und die dortigen Zustände haben für reichlich Schlagzeilen gesorgt. Vor allem ein Unternehmer, der die Zimmer untervermietet hat, steht in der Kritik. (Foto: A/t&w)

Wurden Gelder veruntreut?

Lüneburg. 600 Euro haben sie inzwischen abgestottert und damit knapp zwei Drittel des Betrags, den sie als Darlehen beim Fachbereich Soziales und Bildung der Stadt aufgenommen haben. Es ist die Kaution, die die fünf jungen Männer aus Afghanistan seit Juni 2016 in monatlichen Raten à 20 Euro abzahlen – ohne Aussicht darauf, dass sie das Geld in absehbarer Zeit zurückbekommen. Dabei ist es fast eineinhalb Jahre her, dass sie ihre Mietverträge gekündigt und aus ihren Zimmern im Haus Auf dem Kauf 12 ausgezogen sind.

Die Geflüchteten haben jetzt einen Anwalt eingeschaltet. Der hat fünf Klagen beim Amtsgericht eingereicht und fordert die Kautionen seiner Mandanten auf diesem Weg von deren ehemaligem Vermieter zurück. Doch das ist nicht alles: Der Fachmann für Mietrecht hat in den Verträgen mehrere Angriffspunkte entdeckt und kündigt eine Strafanzeige dagegen an. Der Vorwurf: Untreue.

Mietkaution bis heute nicht zurückbekommen

Wie berichtet, handelt es sich bei dem Gebäude im Wasserviertel um eine problematische Adresse, die wochenlang als „Horrorhaus“ für Schlagzeilen gesorgt hat – wegen einer Müll- und Rattenproblematik, einigen aggressiven Bewohnern, Lärmbelästigungen, vor allem aber wegen unzumutbarer Wohnumstände. Es geht dabei auch um den Vorwurf des Betrugs: Die Polizei hat infolge der Berichterstattung in der LZ Anzeige gegen den Lüneburger Unternehmer erstattet, der in dem Haus als Zimmervermittler fungiert hat, und in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet.

Sie gehen jetzt gegen den Lüneburger Unternehmer vor, der die Zimmer in dem Problemhaus im Wasserviertel vermietet hat: Azemerei Ahmadi (v.l.), Najeeb Fazli, Jawad Issai, Mohammad Yassin Sediqi und Emal Ghiyasi.
.
Den Kontakt zu einem Anwalt hat für die Geflüchteten Monika Bösmann gesucht, sie hat von allen fünf Afghanen eine Vollmacht erhalten. Sie erzählt von den vergeblichen Versuchen, den Vermieter zu kontaktieren. Selbst auf Einschreiben habe er nicht reagiert. Bis heute lägen keine Endabrechnungen vor. Sicher ist: Die Männer sind nicht die einzigen Betroffenen, viele ehemalige Bewohner warten bis heute auf ihre Kaution.

Zimmergröße falsch angegeben

Gegenüber der LZ hatte der Vermieter im August argumentiert, dass er Gegenansprüche mit den Kautionen verrechnen müsse. Mobiliar sei beschädigt worden. Bösmann: „Die Zimmer wurden nicht abgenommen. Es gibt kein Übergabeprotokoll. Deshalb kann er auch nicht im Nachhinein behaupten, dass etwas kaputt war.“ Auch der Anwalt weist daraufhin, dass Schadenersatzansprüche inzwischen ohnehin verjährt seien.

Der LZ liegen die Miet- und Darlehensverträge der fünf Männer vor. Daraus geht hervor, dass der Vermieter, der ähnlich auch im Haus Stöteroggestraße 2 verfährt (LZ berichtete), stets Untermietverträge über die Laufzeit von zwei Jahren geschlossen hat. Manche Schriftstücke weisen Zimmer mit einer Fläche von 40 Quadratmetern aus, tatsächlich war aber keines auch nur annähernd so groß. In einem Vertrag ist das Feld, in das die Wohnfläche eingetragen werden soll, gar nicht ausgefüllt.

Anwalt bewertet Verträge als mangelhaft

Bislang ist es so, dass das Sozialamt anhand des Mietvertrags überprüft, ob Kosten und Zimmergröße angemessen sind. Ist beides im Rahmen, werden die Anträge in der Regel bewilligt und die Kosten übernommen. Das Wohnraumschutzgesetz, das von Behörden und dem Niedersächsischen Städtetag, aufgrund der aktuellen Ereignisse in Lüneburg aber auch von Landtagspolitikern gefordert wird, soll für mehr Handhabe sorgen. Die SPD-Abgeordnete Andrea Schröder-Ehlers sagt, dass ein erster Entwurf zurzeit zwischen den Koalitionsfraktionen im Landtag besprochen wird. „Der Beschluss darüber verzögert sich, soll aber Anfang 2019 verabschiedet werden.“

In den Mietverträgen heißt es auch: „Der Untermieter zahlt an den Hauptmieter eine Kaution in Höhe von 990 Euro.“ Da die Geflüchteten die Summe nicht selbst auftreiben konnten, hat das Sozialamt die Überweisung an ein türkisches Kreditinstitut getätigt. Das Geld zahlen sie zurzeit ab. Da der Verdacht besteht, dass der Vermieter die Mietsicherheiten nicht getrennt vom übrigen Vermögen angelegt hat, sieht der Anwalt den Straftatbestand von Untreue erfüllt. „Die Kaution muss auf einem Sparbuch oder Treuhandkonto angelegt werden, damit der Mieter darauf zugreifen kann, wenn der Vermieter pleitegeht.“

Dieser reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf Anfragen. Schon im August blieben Anrufe und E-Mails unbeantwortet.

Von Anna Paarmann

Unseriöse Immobiliengeschäfte

Zwangsversteigerung droht

Ohne Genehmigung geht nichts

Aus für das Horrorhaus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.