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Die neue Tafel mit neuem Begleittext. (Foto: Stadt Lüneburg)

Neue Tafel vor Gedenkstein: Größer und näher

Lüneburg. Der Kulturausschuss hatte es am 24. August beschlossen: Das Denkmal für die 110. Infanterie-Division soll eine eigene Informations-Tafel erhalten, die auch näher zum Denkmal platziert wird. Inzwischen ist die neue Tafel, größer als die bisherige und in etwa fünf Metern Abstand zum Stein oben auf dem Wall aufgestellt worden. Es handelt sich um eine gemeinsame Tafel der Friedensstiftung Günter Manzke und der Stadt Lüneburg.

Die ursprüngliche Doppeltafel am Aufgang zum Wall wurde entsprechend verändert. So ist dort mit Blickrichtung zum Graalwall wie bisher der Informationstext zum Standort des früheren Springintgut-Turmes zu lesen. In Blickrichtung zum 110er-Gedenkstein ist jetzt eine Blanko-Tafel zu sehen.

Gedenkstein verletzend für die Nachfahren der Opfer

Der Kulturausschuss hatte sich mit großer Einmütigkeit für einen neuen Begleittext zum Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division Am Springintgut entschieden, zuvor hatte es Kritik an der alten Version gegeben.

Der neue Text im Wortlaut: „Ein Veteranenverband errichtete am Wallaufgang 1960 das Denkmal für die 110. Infanterie-Division (I.D.) der deutschen Wehrmacht. Die Einheit wurde 1940/41 im Raum Lüneburg für den Überfall auf die Sowjetunion aufgestellt, der als Angriffs- und Vernichtungskrieg geplant und geführt wurde.

Erinnerungskultur ist zeit- und kontextgebunden. 1960 versprach die Stadt, das Denkmal als „Ehrenmal“ zu bewahren und zu pflegen. Der Gedenkstein ist ein Dokument für den unreflektierten Umgang mit der NS-Vergangenheit, der in den 1960er Jahren noch in vielen Städten und Einrichtungen präsent war. Heute ist er umstritten und ein Stein des Anstoßes – schmerzhaft in seiner Aussage, verletzend für die Nachfahren der Opfer, unverständlich für die nachfolgenden Generationen.

Soldaten begingen Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Die 110. Infanterie-Divsion hat sich neben Kampfhandlungen im Frühjahr 1944 mit anderen Einheiten der Wehrmacht an grausamsten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit u.a. bei Osaritchi (Weißrussland) beteiligt.

Sie verschleppte rund 50 000 Zivilisten und zwar Kinder, Frauen, alte und kranke Menschen nach vorangegangener Deportation in drei Todeslager. Dort wurden mindestens 9.000 Lagerinsassen unmittelbar ermordet oder durch Kälte, Hunger, Krankheit, Durst und Erschöpfung planvoll getötet. Im weißrussischen Osaritschi erinnert seit 2002 eine Denkmalanlage an die zivilen Opfer, die in Lagern der deutschen Wehrmacht in der Umgebung von Osaritschi zu Tode gekommen sind.

„Es hat in Deutschland lange, viel zu lange gedauert, sich an diese Verbrechen zu erinnern. Lange, zu lange haben wir gebraucht, uns zur Verantwortung zu bekennen. Heute besteht die Verantwortung darin, das Wissen um das, was hier geschah, lebendig zu halten.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 29. Juni 2018 in Malyi Trostenez, Weißrussland.“ lz

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