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Der Anbau des Johanneums: Warum wurde auf die technische Belüftung verzichtet? (Foto: t&w)

Lehrer sind mit der Geduld am Ende

Lüneburg. Die schlechte Luft sorgt durchaus für dicke Luft am Johanneum. Das wurde jetzt im Schulausschuss des Rates deutlich, wo die Stadtverwaltung in ihrer Funktion als Schulträger noch einmal die Situation erläuterte, über die die LZ bereits zweimal berichtet hatte: Im Anbau, der im Sommer 2017 bezogen wurde, waren erhöhte Werte von CO₂ und anderen kohlenstoffhaltigen Substanzen festgestellt worden, einigen Schülern wurde daraufhin schwindelig.

Stimmung unter Eltern ist „explosiv“

Manfred Koplin von der Gebäudewirtschaft skizzierte im Ausschuss, wie es nun weitergehen soll. Klar wurde dabei: Es ist Eile geboten, denn während Schulleiterin Ulrike Lindemann jüngst noch davon sprach, keine große Verunsicherung an ihrer Schule ausmachen zu können, scheint die Unzufriedenheit über die Situation unter Lehrern und Eltern groß.

„Die Kollegen sind sehr verunsichert. Es ist eine ganz gefährliche Situation“, sagte Rüdiger Schmidt, Lehrer für Englisch und Politik am traditionsreichen Gymnasium und Vorsitzender des dortigen Personalrats. Ähnlich äußerte sich Elternvertreter Stephan Seeger für die Elternschaft, unter denen sei die Stimmung „fast noch explosiver“.

Schmidt übte auch Kritik am Krisenmanagement: „Das Ganze läuft seit über einem Jahr, schon damals haben Lehrer auf eigene Faust gemessen.“ Die Lehrer fragten sich, warum es in den Klassenräumen des Anbaus keine technische Belüftung gebe. „Die Geduld vieler ist an der Grenze des Verantwortbaren angekommen. Sollte sich die Situation nicht bald bessern, werden einige sich wohl rechtliche Schritte vorbehalten.“ Auch Seeger ist sicher: „Wenn wir weiter Zeit verlieren, bringt das das Fass zum Überlaufen.“

Architekt hatte Anlage vorgesehen

Koplin räumte ein: „Der Architekt hatte eine technische Lüftungsanlage vorgesehen, wir haben uns dagegen entschieden. Dann hat der Planer beim beauftragten Ingenieurbüro gewechselt. Unserer Auffassung nach hat der die Fensterflächen, die geöffnet werden können, nicht entsprechend angepasst. Wir prüfen deshalb, ob wir einen Regressanspruch geltend machen können.“
Für Michèl Pauly (Linke) liegt die Schuld aber wohl eher bei der Stadt: „Es ist schockierend, dass die technische Belüftung nicht eingebaut wurde.“ Das müsse unverzüglich nachgeholt werden. Sein dahingehend formulierter Prüfauftrag für die Verwaltung fand im Ausschuss eine Mehrheit. Frank Soldan (FDP) etwa findet: „Die Situation ist so nicht tragbar. Eine Verbesserung muss so schnell wie möglich her.“

Nicht in drei, vier Monaten umsetzbar

Koplin gab dennoch zu bedenken: „Eine solche Anlage ist nicht in drei, vier Monaten eingebaut, noch dazu bei laufendem Unterrichtsbetrieb.“ Er warb um Geduld: „Wir sind mitten in der Planung für den 13. Jahrgang, der bald zusätzlich untergebracht werden muss. Der dafür zuständige Planer könnte auch die Anlage einbeziehen.“

Am 9. Januar soll es in der Schule einen Ortstermin geben, Koplin will dann Dr. Norbert Weis vom Bremer Umweltinstitut mitbringen. Bis dahin setzen Stadtverwaltung und Schule weiterhin auf intensives Lüften. Zudem sollen bekanntlich Fenster ausgetauscht werden, um mehr und intensiver lüften zu können. Doch auch das dürfte angesichts des erforderlichen Ausschreibeverfahrens noch einige Monate dauern. Ulrike Lindemann bat schließlich darum: „Im März haben wir die Vorstellung für die künftigen Fünftklässler. Bis dahin hätten wir schon gern einen genauen Zeitplan.“

Behörde bereitet Gründung vor

IGS soll im Sommer starten

Die Christianischule auf dem Kreideberg wird bekanntlich zur Integrierten Gesamtschule (IGS). Die Oberschule läuft nach und nach aus, sodass alle aktuellen Schüler dort ihren Abschluss machen können. Die neue IGS, deren Bedarf bei einer Elternbefragung jüngst nochmal deutlich wurde, soll im Sommer kommenden Jahres mit einem 5. Jahrgang starten. „Ein sehr sportlicher Zeitplan“, findet Frank Soldan (FDP).

Zumal eine Planungsgruppe, die eine solche Schulgründung vorbereitet, noch gar nicht existiert. Doch Susan Kletzin von der Landesschulbehörde machte deutlich: „Wir leisten ja jetzt schon Vorarbeit. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: In NRW haben wir mal ein Konzept für eine achtzügige IGS innerhalb von drei Wochen erstellt.“ Gegen die Stimme der AfD empfahl der Schulausschuss, die Planungen weiter voranzutreiben.

Von Alexander Hempelmann

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