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Auf der freien Fläche an der Lüner Rennbahn soll die Arena Lüneburger Land gebaut werden, direkt gegenüber vom Elektronik-Discounter Media Markt. Rechts ist die neue Winterhalle der Straßenmeisterei. Foto: Michael Behns

Am Anfang war der Ball – kommt jetzt die Arena?

Lüneburg. Die entscheidende Sitzung hat es im Fall der „Arena Lüneburger Land“ schon oft gegeben. Doch immer, wenn der Bau beschlossen und der Fahrplan festzustehen schien, ging irgendetwas schief. So titelte die LZ am 7. Dezember 2016 „Zurück auf Start beim Arena-Bau“ oder „Kann der Kreis Betreiber?“ am 25. April 2018. Hinter den Schlagzeilen verbergen sich tiefe Einschnitte, die die Planer ein ums andere Mal zurückgeworfen haben. Sie ließen auch die Fragen keimen, ob es überhaupt etwas wird mit der „Premium-Veranstaltungshalle“, die bis zu 3500 Zuschauern Platz bieten soll – und die viele Menschen als ein Muss im wachsenden Oberzentrum Lüneburg sehen.

Nun richten sich die Blicke gespannt auf den Lüneburger Kreistag. Am Montag beginnt um 16 Uhr in der Ritterakademie wieder einmal „die entscheidende Sitzung“. Das Ja des Gremiums ist die Voraussetzung dafür, dass der Bau noch in diesem Jahr beginnen kann. Doch das haben viele Abgeordnete und Befürworter schon vor zwei Jahren gehofft.

Wie alles begann

Am Anfang war ein Traum. Geträumt hat Andreas Bahlburg bereits Ende 2012 von einer Veranstaltungshalle für Sport und Kultur im Landkreis Lüneburg. Damals saß der Chef der Bundesliga-Volleyballer der SVG Lüneburg noch als CDU-Abgeordneter im Kreistag. Als solcher hat er der Einrichtung einer Projektgruppe zugestimmt, die zunächst den Bedarf für eine Halle prüfen sollte. Als Optionen nannte Landrat Manfred Nahrstedt 2012 die Sanierung der MTV-Halle am Sportpark Kreideberg oder einen Neubau an den Berufsbildenden Schulen (BBS). In der Folge wurden noch viele weitere Optionen und Standorte geprüft. Die Halle an den BBS steht inzwischen, nur die Arena lässt auf sich warten.

Der aktuelle Stand

Im April dieses Jahres hat der Lüneburger Kreistag das Heft des Handelns wieder an sich gerissen. Vorausgegangen waren monatelange Verhandlungen der Kreisverwaltung mit dem potenziellen Betreiber FKP Scorpio. Der Hamburger Konzertveranstalter, der auch das „A Summer’s Tale“-Festival in Luhmühlen organisiert, hatte in der ersten Ausschreibungsrunde den Zuschlag erhalten. Doch unterschrieben wurde der Betreibervertrag nicht. Stattdessen stellten die Hamburger Nachforderungen. Deshalb beschloss der Kreistag, den Betreibervertrag neu auszuschreiben und gleichzeitig das Vergabeverfahren für die Bauarbeiten zu starten.

Inzwischen ist mit der Campus Management GmbH ein örtlicher Akteur als Betreiber gefunden und Ende September vom Kreistag bestätigt worden. Geschäftsführer Klaus Hoppe hatte in der zweiten Ausschreibungsrunde als einziger Bewerber ein Angebot abgegeben, ist nun in die Planungen voll integriert (Interview rechts). Aufgenommen worden ist in den Betreibervertrag eine Ausstiegsklausel für den Fall, dass der Kreistag am Montag mit Nein stimmt und bis Ende November nicht feststeht, ob die Halle gebaut wird. In diesem Fall erhält Hoppe eine Entschädigung von 100.000 Euro.

Mitte Oktober sind die letzten Ergebnisse der laufenden Ausschreibungen für die einzelnen Gewerke eingetrudelt. Damit stehen die Kosten für 70 Prozent des Arena-Baus fest. Das Investitionsvolumen beläuft sich nach derzeitigem Stand auf rund 14,4 Millionen Euro, von denen 4,4 Millionen Euro die Stadt Lüneburg übernimmt. Das liegt knapp unterhalb der 15-Millionen-Euro-Schmerzgrenze, die viele Kreistagsfraktionen intern für sich gezogen haben. Gleichzeitig übersteigt das Ergebnis die Berechnungen der Planer um knapp 200.000 Euro. „Vertretbar“ finden das Kreisverwaltung und Politik.

Allerdings hatte die Kreisverwaltung wegen der Kostenentwicklung in der Baubranche und der Erfahrungen bei anderen Großprojekten erst Anfang September die geschätzten Kosten von rund 11,3 auf 14 Millionen Euro angehoben. Anfangs lagen die Prognosen noch bei unter zehn Millionen Euro, später knapp darüber.

Grundlage der jüngsten Berechnungen ist die DIN 276, die im Bauwesen zur Ermittlung der Projektkosten sowie zur Ermittlung der Honorare für Architekten und Ingenieure dient. In den vom Kreis genannten Kosten von 14,4 Millionen Euro sind jedoch nicht alle Kostengruppen der DIN 276 enthalten. Nicht berücksichtigt ist die Kostengruppe 100 „Grundstück“. Das Areal an der Lüner Rennbahn hat der Landkreis von dem Investor Jürgen Sallier gekauft, der anfangs an den Planungen der Arena beteiligt war (siehe unten). Über den Preis ist zwar Stillschweigen vereinbart worden, doch beläuft sich die Kaufsumme nach LZ-Informationen auf rund 1,5 Millionen Euro. Damit lägen die tatsächlichen Kosten für die Realisierung der Arena bei 15,9 Millionen Euro.

Zudem gibt es in der Kostenfrage noch eine Unsicherheit. Die Berechnungen setzen voraus, dass das Finanzamt Lüneburg dem vom Landkreis angestrebten Vorsteuerabzug wegen des gewählten Betreibermodells zustimmt. Sagt die Behörde jedoch Nein zum Vorsteuerabzug, stiegen die Baukosten auf 17 Millionen Euro – plus Grundstückspreis. Für viele Abgeordnete wäre die Realisierung dann nicht mehr tragbar. Zur Sitzung des Kreistags soll eine „belastbare Aussage“ des Finanzamts vorliegen, wenn nicht sogar eine „verbindliche Auskunft“. Die klärenden Gespräche mit der Behörde nahmen zuletzt deutlich weniger Zeit in Anspruch als geplant. Das lässt die Beteiligten auf einen positiven Bescheid hoffen.

Warum es so lange dauert

Ursprünglich sollte die Arena im Zuge eines sogenannten PPP-Konzeptes umgesetzt werden – einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Demnach hätte der Lüneburger Investor Jürgen Sallier die Halle bauen sollen. Doch fand dieses Konzept letztlich in den Reihen der Stadtrats- und Kreistagsmitglieder keine Mehrheit. Vor allem, dass Stadt und Landkreis fast das gesamte Risiko tragen sollten, stieß bei vielen Abgeordneten auf Kritik. Im Dezember 2016 wurde der PPP-Ansatz zu den Akten gelegt, übernahm der Landkreis als Bauherr das Ruder.

Erfahren im Sanieren, Modernisieren und Bauen von Schulen musste die Kreisverwaltung jedoch nach einigen Monaten eingestehen: „Wir können Schule, aber nicht Arena.“ Auch deshalb zogen sich letztlich die Verhandlungen mit dem Konzertveranstalter FKP Skorpio über Monate hin. Die Hamburger Profis deckten etliche Schwachpunkte in der bis dato vorliegenden Hallenplanung auf. Stetig musste nachgebessert werden. Gleichzeitig hat auch der Konzertveranstalter neu gerechnet. Unter dem Strich stand für den Kreis plötzlich ein Minus, als Differenz zwischen Betriebskostenzuschuss und Pachtzahlungen. Den Zuschlag hatte FKP aber vor allem deshalb erhalten, weil im ersten Angebot die zugesagte Pacht den Zuschuss überstiegen hatte.

Der aktuelle Betreibervertrag mit der Campus Management GmbH sieht nicht mehr vor, dass die Pachtzahlungen höher sind als die Betriebskostenzuschüsse. Letztere liegen bei bis zu 460.000 Euro im Jahr. Die Pachtzahlungen sind gestaffelt und steigen im Laufe der Jahre auf bis zu 70.000 Euro jährlich. Auch ist der Kreis zu 50 Prozent am Gewinn beteiligt, wenn dieser die 100.000-Euro-Marke nach Steuern übersteigt.

Kritische Stimmen

Für Kritik haben zuletzt vor allem die hohen Kosten und die fehlende Verkehrsplanung gesorgt – und zwar über Fraktionsgrenzen hinweg. Geschlossen wird allenfalls die SPD für den Bau des Millionenprojektes stimmen (Stellungennahmen der Fraktionen links). Zusätzlich zu den Baukosten fallen außerdem hohe Nebenkosten an. Allein 150.000 Euro Betriebskostenzuschuss jährlich zahlt die Stadt, der Kreisanteil soll zwischen 300.000 und 360.000 Euro liegen. Mögliche Mehrkosten zahlt ausschließlich der Kreis.

Auch das fehlende Verkehrskonzept liegt einigen Abgeordneten schwer im Magen. Betriebe am Standort Lüner Rennbahn und Anwohner im benachbarten Adendorf fürchten, dass die Arena-Planungen in ein Verkehrschaos münden werden.

Schwachstellen sind der Kreuzungsbereich an der Bundesstraße 209 sowie der unzureichende Parkraum an der geplanten Halle. Laut Baugenehmigung müssen für die Arena 700 Parkplätze nachgewiesen werden. An der Arena und in deren Umfeld kommen die Planer bislang jedoch nur auf 500. Die Differenz soll über einen Shuttle-Service geregelt werden, der auch im Betreibervertrag verankert ist. Details zur Durchführung fehlen jedoch noch. Die Ergebnisse eines vom Landkreis in Auftrag gegebenen Verkehrsgutachtens werden zur Kreistagssitzung am Montag noch nicht vorliegen.

Die Alternative in Bardowick

Dabei hätte es durchaus eine Alternative zum häufig kritisierten Standort an der Lüner Rennbahn gegeben. Bereits im Mai 2015 stellten Bardowicks Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor Heiner Luhmann, Hohnstorfs ehemaliger Bürgermeister Jens Kaidas und der damalige Sportvorstand des LSK, Gerald Kayser, die Projektskizze für ein Sportleistungszentrum einschließlich Hotel vor. Herzstück der Pläne waren eine Sporthalle für 2600 bis 3300 Zuschauer sowie ein Stadion für 5000 Fans mit Kunstrasenplatz. Allein das Investitionsvolumen für die Sportanlagen belief sich auf rund 15 Millionen. Als möglichen Standort hatten die Planer eine rund zehn Hektar große Ackerfläche nördlich des Naturbades „Bardowicker Strand“ ins Auge gefasst.

Erste Gespräche mit Landessportbund, Niedersächsischem Fußballverband und der Klosterkammer als Flächeneigentümerin und möglicher Investorin waren bereits gelaufen, auch gab es den Planern zufolge Interessenten für die Hotel- und Gastronomiepläne. Doch setzten Stadt und Kreis bei der Standortsuche für die Veranstaltungshalle andere Schwerpunkte. Areale außerhalb des Lüneburger Stadtgebiets wurden im Rückblick kaum ernsthaft geprüft. Heute sagt Luhmann: „Die Planungen sind nicht weggeworfen, sondern ruhen. Damals waren sie allerdings nicht gewollt.“

Wie geht es weiter

Ziel der Lüneburger Kreisverwaltung ist „eine Bauentscheidung auf jeden Fall am 5. November“. Stimmt der Kreistag zu, ist noch am selben Tag ein erstes Abstimmungsgespräch mit dem Unternehmen geplant, das das günstigste Angebot für die Rohbau-Arbeiten abgegeben hat. Laut Landkreissprecherin Katrin Holzmann könnte auch das Erdbau-Unternehmen noch in diesem Monat loslegen. Spielt das Wetter mit, könnte der Grundstein also noch in diesem Jahr gelegt werden.

Lehnen die Abgeordneten des Lüneburger Kreistags den Bau der Arena zum jetzigen Zeitpunkt ab, kommen zwei Szenarien infrage. Beim einem grundsätzlichen Nein ohne Option auf Nachbesserungen wäre das Projekt gestorben. Muss die Kreisverwaltung nachbessern, verschiebt sich das Vorhaben erneut um mehrere Monate. Im Blick behalten müssen die Abgeordneten dann vor allem die Ausstiegsklausel im Betreibervertrag. Sie greift Ende November.

Von Malte Lühr