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Das Hanseviertel wächst weiter und damit bei einigen Familien auch der Wunsch nach einer eigenen Grundschule. Foto: be

Diskussion um Grundschule hält an

Lüneburg. Ist die Kinderbetreuung im Hanseviertel gesichert? Was, wenn Lüneburg weiter wächst? Welche Grundschulen stehen für das Quartier zur Verfügung? Sozialdezernentin Pia Steinrücke und ihr Mitarbeiter Thomas Wiebe hatten eine Menge Themen im Gepäck für den Informationsabend, zu dem die Stadt ins ehemalige Casino der Schlieffenkaserne eingeladen hatte. Im Mittelpunkt des Interesses stand aber eine andere Frage – die nach einer eigenen Grundschule im Hanseviertel.

Kritik an optimistischer Fußweg-Berechnung

„Warum baut man keine Grundschule im Hanseviertel?“, fragte einer der rund 30 Teilnehmer und entfachte damit eine zum Teil heftige Diskussion, die schon im Vorfeld des Abends die Gemüter von Eltern und Politikern erhitzt hatte (LZ berichtete). Ausgelöst hatte diese Frage eine Präsentation von Thomas Wiebe, in der er die Entfernungen vom Hanseviertel zu den Grundschulen Lüne und Igelschule dargestellt hatte und dabei die Wegezeiten aus Sicht vieler Teilnehmer mit 15 Fußminuten als deutlich zu niedrig angesetzt hatte. Zwar räumte Wiebe daraufhin ein, es vielleicht etwas zu optimistisch dargestellt zu haben, zog sich zugleich aber auf die rechtliche Position zurück: „Eine Entfernung von bis zu zwei Kilometern gilt als quartiersnah“ – aus Sicht der Stadt Grund genug, keine Grundschule im Hanseviertel errichten zu müssen.

Das rettete die Stimmung nicht. Pia Steinrücke versuchte mit einer Chronologie, wer wann was beschlossen hat, den „derzeit kursierenden Verwörungstheorien“ entgegenzutreten, wie sie sagte. Aber auch dies fachte die Diskussion nur erneut an, in die sich schließlich auch die anwesenden Ratspolitiker Wolf von Nordheim (Grüne) und Philipp Meyn (SPD) einbrachten – und dabei selbst aneinandergerieten, indem sie sich gegenseitig vorwarfen, von „Vertuschung“ zu sprechen.

Thomas Wiebe stellte die Ausbaupläne für die Grundschule Lüne vor

Steinrücke selbst zog sich letztlich auf die Position zurück, als Verwaltung nur Beschlüsse der Politik umzusetzen. Wenn jetzt anderes gefordert werden sollte, müsse dies umgehend geschehen. Eine eigene Grundschule werde es dann aber frühestens in vier Jahren geben. Die Haltung der Stadt zu dem Thema verhehlte sie dennoch nicht: „Wir streben eine gute Durchmischung der Quartiere an.“ Ziel sei es, das Hanseviertel in die gesamte Stadtstruktur zu integrieren.

Thomas Wiebe stellte die Ausbaupläne für die Grundschule Lüne vor. Im Zuge der erforderlichen Erweiterung von der Drei- auf die künftige Fünfzügigkeit würden auch das Brandschutzkonzept und die Schadstoffbelastung der Schule in den Blick genommen. Seine Ankündigung „Gehen Sie davon aus, dass Sie eine moderne Schule bekommen“, rief bei einigen Teilnehmern die Berichte über die Schadstoffsituation am Johanneum in Erinnerung. Eine besorgte Mutter wollte wissen: „Es geht um mein Kind, muss ich mir Sorgen machen?“ „Wir werden keine Schulen übergeben, die mit Schadstoffen belastet sind oder diese freisetzen“, versicherte Pia Steinrücke. Und sie kündigte an, überall sogenannte CO₂-Ampeln zu installieren und die Lüftungssituation in den Schulen anzupassen.

Wunsch nach einer Lärmschutzwand

Auch die von Teilnehmern kritisierte Situation für Schulkinder am Meisterweg werde die Stadt in den Blick nehmen, ebenso den Wunsch nach einer Lärmschutzwand für den Pausenhof der Grundschule Lüne zum Schutz gegen den Verkehrslärm auf der Bockelmannstraße prüfen.

Zum Thema eigene Schule fürs neue Hanseviertel Ost machte schließlich eine Teilnehmerin den Anwesenden noch Hoffnung. Dort solle eine demokratische Schule gegründet werden, man suche nur noch ein geeignetes Gebäude. Pia Steinrücke kündigte an, dieses Thema im nächsten Schulausschuss vorstellen zu wollen.

Von Ulf Stüwe

Die Standortfrage

Für Ausbau bedeutet gegen Neubau

Auch im Schulausschuss des Rates war die „Grundschule im Hanseviertel“ in dieser Woche Thema. Während Michèl Pauly (Linke) dort festgestellt wissen wollte, dass er stets gesagt habe, dass für ihn die Entscheidung für einen Ausbau in Lüne keine Entscheidung gegen eine Schule im Hanseviertel sei, entgegnete Holger Nowak (SPD): „Es kann doch nicht sein, dass wir beschließen, Lüne von drei- auf fünfzügig auszubauen und dann so tun, als ob damit nicht klar ist, was das für einen Standort Hanseviertel bedeutet.“ Frank Soldan (FDP) pflichtete ihm bei: „Wenn wir Lüne vergrößern, ist das eine Entscheidung gegen den Standort Hanseviertel – ist doch klar.“

One comment

  1. Als erstes fiel mir natürlich das Foto über dem Artikel auf. Das ist auch nicht verwunderlich weil es wohl als eyecatcher zu dem Artikel führen soll. Aber ich bin zuerst an dem Foto hängen geblieben und habe spontan gedacht: Wie furchtbar. Denn wie sehe ich das Bild.

    Klar. Natürlich mit den Augen. Aber die übermitteln das Bild an das Gehirn das sich bei mir dann manchmal auch Gedanken macht. Die haben mir gesagt im Hintergrund sehe ich meine Geburts- und Heimatstadt auf die ich stolz bin und die ich liebe. Mit Ausnahme der Politik die dort betrieben wird. Im Vordergrund sehe ich aber eine rechteckige und quadratische, einfallslose Architektur die mich an modernere Kasernen denken lässt. Somit ist an der ursprünglichen Nutzuung des Geländes eigentlich festgehalten worden. Einfach nur grauenvoll. Abstossend steril und kalt. Keine Ausstrahlung von Wärme und/oder Geborgenheit in einem Viertel dass doch ein Wohnviertel sein soll(te). Dafür aber bekanntlich kein preisgünstiges Wohnviertel. Ich kenne zufällig zwei Investoren die dort und auch anderswo Immobilien gebaut und dann verkauft haben. Dadurch ist mir auch die Gewinnspanne bekannt die damit erzielt wird. Und die ist schon beeindruckend. Dieses Viertel (und andere) ist eine Geldmaschine für Investoren. Aber das ist nunmal unser Wirtschaftssystem und somit legitim. Die Vermarktung der Grundstücke hat m.W. übrigens ausschließlich eine Tochtergesellschaft der Sparkasse in der Hand. Im Prinzip doch dann ein Monopol. Ob auch das legitim ist weiß ich nicht. Die Nähe (nicht geographisch gemeint) zur Hansestadt Lüneburg ist bekannt.

    Wohnraum in Lüneburg fehlt eindeutig. Besonders bezahlbarer Wohnraum. Aber wie viel Wohnraum insgesamt und vorallem wie viel „bezahlbarer“ Wohnraum ist im Hanse-Viertel und auch im Ilmenaupark denn geschaffen worden? – Nebenbei. Der Charakter beider Baugebiete ähnelt sich. Nur im Ilmenaupark ist es mit den Kasernen noch unbeschreibbar schlimmer. Einfach grausig. – Doch zurück zu dem Foto und dem Hanse-Viertel. Ganz im Vordergrund sehe ich da noch großzügig asphaltierte, versiegelte Flächen mit einem wenig fantasievollen Streifenmuster. (Eigenheimbesitzer zahlen übrigens zusätzliche Abwassergebühren für versiegelte Flächen).
    Mir ist der Sinn und Zweck und das System dieser gestreiften Flächen nicht klar. Hat man sich dabei etwas gedacht? Oder wurde nur so großzügig asphaltiert damit die rechteckige Struktur des Viertels erhalten bleibt.

    Nun schreibe ich schon so viel wie bislang noch nie. Aber zum Artikel selbst will ich auch noch einige Anmerkungen machen. Zum Thema Grundschule hatte ich bereits geschrieben. Dabei hatte ich jedoch nicht an die Grundschule Lüne gedacht. Die hatte ich nicht im Sinn. Deshalb will ich das etwas korrigieren. Meine Klassenkameraden (-innen) und ich lebten damals überwiegend am äußersten Ende des Bockelsberges. Unsere Grundschule war die Hasenburger-Grundschule. Die ganzen vier Jahre der Grundschulzeit mussten wir bei jedem Wetter anfangs zu Fuß und später mit dem Fahrrad dorthin. Das hat uns sicher nicht immer Spaß gemacht aber auch nicht geschadet. Helikoptereltern gab es damals zum Glück noch nicht. Später habe ich auch meinen Kindern den Weg zur Schule zu Fuß, per Fahrrad und/oder Bus zugemutet. Alles gut gegangen und sie (längst mehr als erwachsen) kommen auch Heute noch ohne ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor bestens durchs Leben und die Welt. Finde ich toll und bewundere es.
    Dann gibt es aktuell das Problem mit einer fehlenden Belüftungsanlage im Neubau des Johanneums. Ist natürlich absolut nicht in Ordnung und muss schnellstens behoben werden. Doch sofort wird dieses Probem praktisch verallgemeinert und es kam die Frage einer „besorgten Mutter“ ob sie sich um ihr Kind Sorgen machen müsse. Natürlich bezugnehmend auf die Problematik am Johanneum. Was ich da zuerst gedacht habe behalte ich lieber für mich. Doch der zweite Gedanke war. Die Zeit, der Zeitgeist hat sich geändert und damit auch die Menschen und ihre Denkweisen. Ob das der Menschheit letztlich dient oder ich vielleicht zu sehr „von Gestern“ bin? Spontan schwer zu beantworten, aber ich denke auch darüber nach. Es muss ja nicht zwingend alles gut sein was Heute anders ist oder anders gesehen und gedacht wird. Oder doch?
    Dann werden in dem Artikel aber auch noch zwei kleine highlights angesprochen. Das ist erstens eine Lärmschutzwand für den Pausenhof der Grundschule Lüne gegen den Verkehrslärm auf der Bockelmannstrasse. Da hab ich spontan gedacht hoffentlich liegen keine neuen „in ear Kopfhörer“ von JBL, Samsung, Sony, Bose und wie sie alle heißen unterm Tannenbaum am Heiligen Abend.
    Und zweitens die Ankündigung einer Teilnehmerin eine „demokratische Schule“ gründen zu wollen. Da hat sie noch viele Hürden vor sich. Das geht nicht eben mal so. Aber sind unsere staatlichen Schulen undemokratisch?

    Alles in allem somit ein Bild und ein Artikel der mich doch unerwartet intensiv beschäftigt hat. Spannend irgendwie ;-).

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