Dienstag , 17. September 2019
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App Wendisch Evern
Mit Hilfe der App „Future History“ können Interessierte eine Zeitreise durch Wendisch Evern machen. (Foto: kre)

Wie sah es früher aus?

Wendisch Evern. Orte verändern sich. Gebäude werden errichtet, umgebaut oder müssen im Lauf der Jahrzehnte anderen Vorhaben weichen. Auch Wendisch Evern ist dem steten Wandel ausgesetzt. Das weiß kaum jemand besser als Johann Leupold. Der pensionierte Lehrer mit dem besonderen Faible für Geschichte war unter anderem mehr als 30 Jahre lang als Ortschronist in Wendisch Evern unterwegs und verfügt über einen großen Fundus an alten, teils historischen Aufnahmen. Jetzt hat er einen Weg gefunden, sein Wissen über die Sehenswürdigkeiten an andere weiterzugeben – mit Hilfe der App „Future History“ können Interessierte eine Zeitreise in die Wendisch Everner Geschichte erleben.

Und so funktioniert es: Für den Spaziergang durch Wendisch Evern muss zuerst die App auf das eigene Smartphone oder Tablet geladen werden. Die entsprechende App findet man im Netz, wenn man die Adresse 21403-wendisch-evern.de in sein Gerät eingibt und dann auf den Button Spaziergang klickt.

Spaziergang ist gut eineinhalb Kilometer lang

18 Sehenswürdigkeiten hat Leupold dort hinterlegt. „Der Spaziergang ist gut eineinhalb Kilometer lang und in einer Stunde leicht zu schaffen“, verspricht der Wendisch Everner. Die App, einmal auf das Smartphone geladen, navigiert die Besucher dann punktgenau: „Im Portal sind die Bilder mit exaktem Standort, Blickwinkel, Beschreibung sowie Text, Audio und Video hinterlegt“, berichtet Leupold.

Am jeweiligen Ziel angekommen, können die Besucher direkt das Heute mit der Vergangenheit abgleichen. Dazu muss man nur mit dem Finger über das Smartphone streichen, dann zeigen sich die alten Motive und geben einen Eindruck darüber, wie es genau an diesem Standort früher ausgesehen hat.

So erfahren Geschichts-Interessierte zum Beispiel, dass es in der 1800 Einwohner zählenden Gemeinde Wendisch Evern lange Zeit sogar zwei Gasthäuser gegeben hatte. Eines an der Dorf-, das andere an der Lüneburger Straße. Beide verfügten über einen kleinen Saal. Zum Gasthaus Schmidt in der Lüneburger Straße gehörte sogar noch bis in die 1960er Jahre eine Bäckerei. Doch die ist mittlerweile ebenso Geschichte wie die das alte Gasthaus, das 2003 abgerissen wurde.

Viele Anekdoten

Wissenswertes erfahren Geschichtsinteressierte auch über die Bahnbrücke, die 1874 errichtet wurde. Jahrzehntelang fuhren nur Dampflokomotiven unter ihr durch. Ihr rußiger Rauch färbte die Steine schwarz. Nach dem zweiten Weltkrieg nutzen viele britische Panzer die Brücke als Übergang. Ein Tank habe während der Überfahrt über das Bauwerk sogar eine Schramme in die Steinbrüstung gefahren.

Diese und viele andere Anekdoten hat Leupold zusammengetragen – und er hat Ideen für noch mehr. „Es gibt immer etwas zu entdecken“, sagt er. Und das soll dann natürlich ebenfalls in der App hinterlegt und somit für jedermann zugänglich gemacht werden. Vor allem für Schulen, glaubt der pensionierte Pädagoge, eigne sich die Nutzung dieser App: „Die Schüler laden sich die Basis-App herunter und gestalten nach eigener Recherche dann eine Tour durch ihren Ort, regt er an.“ So funktioniert moderner Geschichtsunterricht.

Von Klaus Reschke