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Torben Altreiter geht an die Öffentlichkeit, um für die Stammzellspende zu werben. Denn das Leben von an Blutkrebs Erkrankten hängt oft von einer Spende ab. (Foto: t&w)

Sein Ziel: Leben retten

Deutsch Evern. Täglich erhalten Menschen die Diagnose Blutkrebs. Die einzige Chance auf Heilung ist für viele Patienten eine Stammzellspende. Einen passenden Spender weltweit zu finden, das hat sich die DKMS, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Tübingen, seit 1991 zur Aufgabe gemacht. Lassen Sie sich registrieren und werden Sie mit Ihrer Stammzellspende ein Lebensretter, appelliert die Organisation. Torben Altreiter aus Deutsch Evern, Vater von drei Kindern, hat diesen Schritt getan.

„Wenn man gespendet hat, spürt man, dass man etwas Richtiges getan hat.“
Torben Altreiter

Gut zwei Wochen ist es her, dass dem 39-Jährigen Stammzellen aus dem Beckenkamm unter Vollnarkose entnommen wurden. „Ich merke nur noch eine leichte Spannung im Rücken. Das ist unangenehm beim Bücken oder wenn ich etwas Schweres hebe, aber nicht schlimm“, erzählt er im Wohnzimmer sitzend. Auf der Couch tobt sein Sohn Jonas, fünf Jahre alt. Vielleicht genauso alt, wie das Kleinkind in Rumänien, das Empfänger seiner Stammzellspende ist, wie Altreiter inzwischen erfahren hat. „Ich würde verrückt werden, wenn eines meiner Kinder an Leukämie erkranken würde“, begründet er seine Motivation, Spender geworden zu sein. „Aber auch jeder andere Empfänger, egal in welchem Alter, wäre okay gewesen. Denn es geht darum, Leben zu retten. Und man darf nicht vergessen, dass jeder von einer solchen Erkrankung betroffen sein kann.“

Beim Eishockey-Spiel registriert

Um möglichst viele Menschen zu animieren, sich typisieren zu lassen, um so eventuell Stammzellspender zu werden, geht Torben Altreiter an die Öffentlichkeit. Denn er habe immer wieder festgestellt, „dass das Thema bei vielen Menschen mit Angst und Unwissenheit besetzt ist.“

Ende 2009 habe er sich registrieren lassen. „Bei einem Eishockey-Spiel in Wolfsburg, zu dem ich mit meiner Frau gegangen war. Dort fand eine Typisierungsaktion für ein erkranktes Kind statt.“ Mit einem Wattestäbchen sei ein Abstrich von der Wangenschleimhaut genommen worden, das Untersuchungsergebnis sei dann an die DKMS-Datei gegangen für einen anonymen weltweiten Patientensuchlauf. Altreiter bekam einen Spenderausweis. Dann passierte jahrelang nichts.

Doch in diesem Sommer während des Spanien-Urlaubs floppte in seinem Mail-Account eine Mail der DKMS auf. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass es in der Datenbank eine Übereinstimmung mit einem Empfänger gegeben habe und dass nun eine Fein-Typisierung erfolgen solle. „Das war ein positiver Schock. Ich habe sofort mit der DKMS telefoniert.“ Zu Hause angekommen, lag ein Entnahme-Set vor. Altreiter schildert: Beim Hausarzt erfolgte eine Blutabnahme, die dann ans Labor der DKMS geschickt wurde. Kurz darauf erhielt er einen Anruf, dass die Gewebemerkmale mit denen eines Patienten passen würden. Danach habe es eine weitere Blutprobe gegeben, ein Set sei ans DKMS-Labor, eins an die Transplantationsklinik gegangen.

„Nach 45 Minuten war alles überstanden“

Danach wurde es ernst, wie Altreiter formuliert. Mitte September fanden umfangreiche Untersuchungen in einem Spezial-Institut in Köln statt. Ein ungutes Gefühl habe er zu keinem Zeitpunkt gehabt, denn er sei umfangreich unter anderem auch zu den Entnahmemöglichkeiten sowie Risiken informiert worden. „Im Rahmen dieser Untersuchungen, deren Ergebnisse Seiten füllten, wurde auch Bluthochdruck bei mir festgestellt, der erst einmal eingestellt werden musste.“ Nach einer Woche stand fest: Die Entnahme konnte erfolgen. „Doch der Empfänger war zu diesem Zeitpunkt nicht stabil.“

Dann stand der endgültige Termin fest: 27. November. Laut DKMS werden in 80 Prozent der Fälle Stammzellen aus der Blutbahn entnommen, das nennt sich periphere Stammzellspende. Bei Altreiter erfolgte auf Wunsch der Klinik eine Knochenmarkspende unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem Beckenkamm. „Ich habe nichts mitbekommen, nach 45 Minuten war alles überstanden. Alles, was noch zu sehen ist, sind zwei kleine Einschnitte im Bereich des hinteren Beckenknochens“, sagt er auf ein Foto zeigend. Per Kurier sei die Entnahme in eine Transplantationsklinik nach Rumänien gebracht worden, wo ein Kleinkind die Spende benötigte.

„Nun müssen die neuen Stammzellen bei dem Kind nur noch anwachsen“, sagt Altreiter mit Nachdruck. Ob das geklappt hat, erfährt er nach drei Monaten automatisch. Dabei bleibt der Empfänger für ihn anonym. „Aber ich darf über die DKMS anonym Briefkontakt mit der Familie aufnehmen.“ Natürlich möchte er wissen, wie es dem Kind geht und ob es eine Chance hat auf ein Leben. Rumänien erlaubt allerdings dauerhaft nur anonymen Kontakt, während in anderen Ländern die Anonymitätphase nach einer gewissen Zeit aufgehoben wird. Und wenn die Familie nicht antworten sollte? „Mir geht es nur um eines: Wenn man gespendet hat, spürt man, dass man etwas Richtiges getan hat.“

Jeder kann spenden

Blutkrebs ist der Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Knochenmarks oder des blutbildenden Systems, wie zum Beispiel Leukämie. Dabei wird die normale Blutbildung durch die unkontrollierte Vermehrung von entarteten weißen Blutzellen gestört. Wegen dieser Krebszellen kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr ausführen, zum Beispiel den Transport von Blutzellen zur Infektions-Bekämpfung oder den Sauerstoff-Transport. Stammzelltransplantationen sind häufig die einzige Aussicht auf Heilung bei Blutkrebserkrankungen.

Bei der Blutstammzelltransplantation ist es wichtig, dass die HLA-Merkmale zwischen Spender und Patienten identisch sind. HLA steht für Humane Leukozyten-Antigene. Diese werden von den Eltern vererbt. Dennoch findet nur ein Drittel, die eine Stammzellspende benötigen, in der Familie einen geeigneten Spender. Stammzellspender kann jeder im Alter von 17 bis 55 Jahren werden.

Weitere Infos finden Sie hier

Von Antje Schäfer

One comment

  1. Ein kleines Mädchen benötigt unsere Hilfe! Es wäre schön, wenn sich zu Weihnachten ein Spender finden würde!
    Stäbchen rein, Spender sein!