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Stadtführung
Jens Bußmann will künftig auch mal vom Sattel aus über die Historie der Stadt berichten. (Foto: t&w)

Der Weg des Reitenden Dieners

Lüneburg. Es wirkt wie eine Linie von Reihenhäusern, dunkler Backstein, runde Türbögen, weiße Fenster. Die Häuser sind eine Gabe des Bürgermeisters Hinrik Garlop gewesen, als Inschrift findet sich in einem Spruchband die Jahreszahl 1544.

Zu Hause waren hier die Reitenden Diener, ebenso heißt auch die Straße. An die Geschichte der städtischen Diener wollen jetzt Jens Bußmann und Elisabeth Rühle anknüpfen, die mit ihren Kutschen Stadtführungen anbieten.

Die Idee: Jens Bußmann reitet als Wache vorweg und erzählt aus der Historie der Stadt, seine Partnerin sitzt auf dem Kutschbock des Planwagens und steuert ihn.

Noch sind einige Fragen mit dem Ordnungsamt der Stadt zu klären. Im Kern geht es darum, ob ein Reiter im Trott über die Straßen ziehen darf. Dabei geht es laut Bußmann auch um Details der Straßenverkehrsordnung. Doch die Verwaltung hat nach eigener Aussage auch um eine Einschätzung des Veterinäramtes gebeten: „Wir sind noch in der Prüfung.“

Erste Erwähnung bereits 1388

Bekanntlich bietet neben Bußmann seit langen Jahren auch Andreas Gensch Kutschrundfahrten an. Bußmann möchte nun mit dem Reitenden Diener einen neuen Akzent setzen.

Die Geschichte der Reitenden Diener reicht weit zurück. Sehr weit. Der Stadtchronist Wilhelm Reinecke berichtet, dass die unter Befehl eines Hauptmanns stehende Elitetruppe im Jahr 1388 erstmals namentlich erwähnt wird. Die seit 1494 einheitlich gekleidete Einheit war eine Schutztruppe des Rates. Sie begleiteten Sendboten oder waren selber als Boten unterwegs. Ihre Zahl habe je nach „Unruhe der Zeit“ geschwankt. Der Sodmeister, also ein Salinenherr, zahlte ihnen den Sold und die Pferde.

Sie ritten mit als „Bodyguards“

Doch die Männer waren gefragt, wenn es galt, die Stadt zu verteidigen oder Bürgermeister und Ratsmitglieder zu auswärtigen Terminen sicher und standesgemäß zu begleiten. Als „Bodyguards“ ritten sie mit, wenn hiesige Unternehmer mit wertvoller Fracht über Land ritten. Sie achteten darauf, dass Händler keinen Bogen um Lüneburg machten: Auswärtige Kaufleute waren gezwungen, ihre Waren in Lüneburg auszustellen.

Bußmann erzählt bei seiner eineinhalbstündigen Fahrt Bekanntes aus der Stadtgeschichte, wie etwa die Erstürmung der herzoglichen Burg 1371. Ein bisschen lyrisch mag es der 48-Jährige auch: Er will Strophen aus Goethes Erlkönig in seine Erzählung einweben.

Von Carlo Eggeling