Donnerstag , 17. Oktober 2019
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Nutrias bei Barförde auf Nahrungssuche. Hans Röhr hat die Tiere an seinem Hof an der Elbe fotografiert. Foto: Röhr

Hobby-Jäger reichen nicht mehr

Lüneburg. Diese Linie zeigt seit Jahren steil nach oben: die Anzahl der erlegten Nutrias im Landkreis Lüneburg. Und sie wird im nächsten Jahr aller Erwartung no ch weiter steigen. Denn Anfang 2019 werden voraussichtlich drei Berufsjäger bei der Landwirtschaftskammer ihre Arbeit beginnen. Ihre einzige Aufgabe ist die Nutriabekämpfung. Schon jetzt stehen im Landkreis Lüneburg mehr als 100 Fallen.

„Wir haben die Bejagung noch einmal forciert“, sagt Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs. „Die Gefahr war zu groß, dass die Nutrias uns aus dem Ruder laufen. Von früher 300 auf jetzt fast 1 300: Mittlerweile bejagen wir die Nutrias nicht mehr, sondern wir bekämpfen sie.“

Dass die Landesregierung im Herbst dieses Jahres den Elterntierschutz aufgehoben hat, bewertet der Kreisjägermeister als sehr positiv, denn Nutrias vermehren sich das ganze Jahr über. „Es gibt keine Schonzeiten mehr, und das ist gut so“, sagt Cohrs. „Die vergangenen Winter haben zu der starken Population beigetragen. Wird es sehr kalt, sterben sie. Bleibt es mild, überleben sie den Winter und vermehren sich weiter.“

Zuchttiere für den Pelzhandel

Nutrias beschädigen nicht nur geschützte Unterwasser- und Ufervegatation, sondern durch ihre Grab- und Wühltätigkeit vor allem Gewässerböschungen und Deiche.

Nutrias sind seit Ende des 19. Jahrhunderts als Zuchttiere für den Pelzhandel nach Niedersachsen gekommen, sie stammen ursprünglich aus Südamerika. Gezüchtet wurden sie wegen der Qualität ihres Pelzes, in der DDR wurde das Fleisch der Tiere auch verzehrt. Aus einem einzigen Nutria-Paar können binnen drei Jahren mehrere Tausend Nachkommen entstehen.

Zu den bisherigen Abwehr-Maßnahmen gehört eine Fangprämie von sechs Euro pro vorgelegtem Nutria-Schwanz. Zudem dürfen die mehr als 850 ehrenamtlichen Bisamfänger sich an der Nutriabekämpfung beteiligen, sofern sie einen Jagdschein besitzen.

„Die Population darf nicht noch weiter ansteigen“

Das Landwirtschaftsministerium plant außerdem, bei der Landwirtschaftskammer drei Berufsjäger zur Koordinierung und für das Monitoring der Nutriabekämpfung einzustellen – zunächst befristet auf drei Jahre.

„Wir wollen die Nutriabekämpfung professionalisieren“, sagt Heiko Fritz von der Landwirtschaftskammer. Geplant sei, hauptberufliche Jäger für die Bekämpfung der Nutria einzustellen. Sie sollen nicht nur selbst jagen und fangen, sondern auch Hobby-Jäger beraten, was Köder und Fallen angeht. Die Niederlande gäben jährlich 34 Millionen Euro für 450 hauptamtliche Bisam- und Nutriajäger aus.

Der Wasserverbandstag in Hannover führt derweil seine Gewässerschauen an seinen Anlagen, Ufern und Deichen durch. „Wie hoch die Schäden durch Nutria in diesem Jahr sind, wissen wir noch nicht“, sagt Geschäftsführer Godehard Hennies. „Wir rechnen aber mit einer siebenstelligen Summe.“ Und: „Die Population darf nicht noch weiter ansteigen. Wenn wir die 30.000 erreichen, haben wir ein echtes Problem.“

Von Carolin George

Ausbreitung entlang der Elbe

Die Population steigt rasant

1949 wurde das erste Exemplar des Sumpfbibers in Niedersachsen nachgewiesen, Schwerpunkt der Population ist die Region Emsland, Cloppenburg und Osnabrück. Kannte man Nutrias vor zehn Jahren vor allem im Westen Niedersachsens, hat sich die Population auch auf den Osten ausgedehnt, vor allem entlang der Elbe.

Seit 2001 unterliegt die Nutria dem Jagdrecht. Seither hat sich die Population mehr als verzwanzigfacht. Galt das Jagdjahr 2015-2016 mit mehr als 10 000 erlegten Nutrias in Niedersachsen bereits als Rekordjahr, hat sich die Strecke im Jagdjahr 2017-2018 noch einmal mehr als verdoppelt: auf 24.320. Von den niedersächsischen Kreisen steht Lüneburg an sechster Stelle: 1216 Nutrias wurden zwischen dem 1. April 2017 und dem 31. März 2018 erlegt, so viele wie noch nie.