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Sprit aus Holz
Christoph Eusterbrock (l.) liefert das Konzept für den Bau einer Pilotanlage zur Gewinnung nicht-fossiler Kraftstoffe, die von der kalifornischen Regierung in Auftrag gegeben wurde. Ralf Brügmann ist sein Experte für Stromgewinnung aus Sonnenenergie. (Foto: t&w)

Know-how für Kalifornien

Deutsch Evern. Die Bilder des flammenden Infernos im US-Bundesstaat Kalifornien berührten Christoph Eusterbrock besonders, kennt er die Situation dort doch sehr genau. „Kalifornien ist anders als Deutschland schon seit rund acht Jahren massiv mit der Klimaveränderung konfrontiert“, sagt er. Auch deshalb liefert der Deutsch Everner das Wissen für den Bau einer Pilotanlage zur Gewinnung nicht-fossiler Kraftstoffe. Sie wurde von der kalifornischen Regierung in Auftrag gegeben. Das Ziel ist, eine Klima schützende Methode für die Kraftstoffproduktion aus Holzabfällen zu entwickeln.

„Als Vater dem Klimaschutz verpflichtet“

Sein Konzept für das bereits in Bau befindliche Kraftwerk sieht vor, Restholz mit dem technischen Verfahren der sogenannten Schnell-Pyrolyse in Flüssigkraftstoff zu verwandeln. „Kurzfristig kann mit dem Produkt Dampf für Fabriken und Industrieprozesse erzeugt werden, mittelfristig synthetischer Kraftstoff für Schwerlaster oder Flugzeuge“, erklärt Eusterbrock.

Dürren in den vergangenen Jahren haben den Staat Kalifornien zum Handeln gezwungen. Der Grundwasserspiegel ist dramatisch abgesunken, was extrem viele Bäume sterben ließ, so dass massenhaft Totholz in den Wäldern steht. Der Sonnenstaat ist aber Vorreiter im Klimaschutz in den USA. Aus einem seiner Programme heraus hat der US-Partner des Lüneburger Unternehmens Bioenergy Concept, das Eusterbrock 2007 gegründet hat und als geschäftsführender Gesellschafter leitet, den Zuschlag für den Bau der Pilotanlage erhalten. „Seit zwölf Jahren arbeiten wir an verschiedenen Pyrolyseverfahren, unter anderem daran, aus Holzresten flüssige Kraftstoffe herzustellen.“

Tischler mit Leidenschaft für Technik

Diese Idee bietet einen zukunftsweisenden Lösungsansatz für die Problematik in den kalifornischen Wäldern. „Wir haben das nötige Wissen und das ist in den USA bekannt, weil der Geschäftsführer des US-Partnerunternehmens, das die Pilotanlage baut, ein langjähriger Freund von mir ist. Wir haben zusammen für die Ausschreibung Konzept und Planung entwickelt.“

Christoph Eusterbrock ist kein Ingenieur, sondern gelernter Tischler und Diplom-Sozialpädagoge mit dem Schwerpunkt Umweltpädagogik. Er hat eine große Leidenschaft für Technik und verfügt über Weitblick. „Vor 30 Jahren war absehbar, dass der Klimawandel die größte Herausforderung der Menschen im 21. Jahrhundert sein wird“, sagt er. Dieser stellt er sich. „Ich bin Vater und schon deshalb dem Schutz des Klimas verpflichtet.“

Biogasanlage versorgt irisches Dorf

Zehn Jahre bevor die erste Biogasanlage in Deutschland in Betrieb genommen wurde, begann er Anfang der 1990er-Jahre das Konzept für eine Biogasanlage für ein Dorf in Irland zu entwickeln. „Durch die Erzeugung von Biogas wollte ich dieses autark mit Strom und Wärme aus Kuhmist und organischen Reststoffen versorgen, und im Anschluss diese Reststoffe noch zu einem hochwertigen Bodenverbesserer kompostieren.“ Nach dreijähriger Bauzeit ging dann 1999 die erste genossenschaftliche Biogasanlage in Irland unter seiner Leitung in Betrieb. Noch heute profitiert die Camphill Lebensgemeinschaft Ballytobin im Südosten Irlands von dem Projekt. Mehr als 100 Menschen mit und ohne Behinderung leben in dem kleinen Dorf und werden über das lokale Netz mit Strom und Wärme versorgt, die die Biogasanlage seit 20 Jahren klimafreundlich produziert.

In den folgenden Jahren entwickelte er Biogasanlagen und -tankstellen in den USA, Photovoltaikanlagen in Irland und Deutschland sowie eine Holzhackschnitzelheizung mit lokalem Nahwärmenetz in Irland.

Klimaschutz auch daheim

Bei allem globalen Engagement verliert er nicht den Klimaschutz zu Hause aus den Augen. Auf einer Lagerhalle des Holzhändlers Holz Herbst in Lüneburg installierte er mit seinem Unternehmen fast 3000 Photovoltaik-Module, um mehr als 100 Haushalte in Lüneburg mit Strom zu versorgen. Ein energieparendes Blockheizkraftwerk versorgt heute beim MTV Treubund Sporthallen, Tennisplätze, ein Schwimmbad und ein Fitnessstudio mit Strom und Wärme.“

Biomasse wird verflüssigt

Neues Verfahren

Flash-Pyroloye heißt das Verfahren, mit dem in Kalifornien aus Holz flüssiger Kraftstoff werden soll. Eine junge Technologie ist diese Verflüssigung von Biomasse. Sie kann auf unterschiedlichen verfahrenstechnischen Wegen realisiert werden, bis dato konnte sich jedoch noch keines der Verfahren endgültig auf dem Markt durchsetzen. Pionier der Flash-Pyrolyse ist Dr. Dietrich Meier. Er war 37 Jahre an der ehemaligen Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH) und dem Thünen-Institut für Holzforschung tätig. Dr. Meier arbeitet mit Christoph Eusterbrock zusammen.

Von Stefan Bohlmann