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Mit 1,7 Millionen Euro ist der Neubau des Feuerwehrhauses in Erbstorf die größte Investition im Adendorfer Etat für 2019. Ortsbrandmeister Claus Kollrich hatte für die LZ bereits im Februar 2017 demonstriert, wie eng es in den Fahrzeughallen ist. Foto: A/be
foto:Michael Behns Feuerwehrhaus Erbstorf ist zu klein - Erweiterung geplant BM Claus Kollrich

„Solide und ausgeglichen“ mit Luft für Investitionen

Adendorf. Es war die letzte Haushaltsrede von Thomas Maack (SPD) als Bürgermeister in dieser Legislaturperiode – und die fiel durchaus positiv aus: „Adendorf geht es gut“, bilanzierte der Rathauschef, dessen erste Amtszeit offiziell am 31. Oktober nächsten Jahres endet und der bereits angekündigt hat, um weitere sieben Jahre verlängern zu wollen. Das stete Wachstum der Kommune und der Zuzug von Neubürgern seien wichtige Indikatoren, die zeigten: „Wir befinden uns auf dem richtigen Weg.“ Aus Maacks Sicht spiegelt sich die solide Situation der Gemeinde im Haushalt wieder, der ein Volumen von knapp 19 Millionen Euro aufweist. Kämmerer Matthias Gierke betonte: „Es ist ein Haushalt, der dank der außerordentlichen Erträge von rund 1,1 Millionen Euro ausgeglichen werden konnte.“

Bezahlbarer Wohnraum ein Anliegen aller Fraktionen

Als „solide und ausgeglichen“, bewertete SPD-Fraktionchef Jürgen Schreiber den Etat. Die Erschließung des Baugebietes am Papageienweg und der Neubau des Feuerwehrhauses in Erbstorf seien nach Schreibers Worten Investitonen, die im kommenden Jahr ganz oben auf der Agenda der Gemeinde stehen werden. „Bezahlbarer Wohnraum in Adendorf sei ein großes Anliegen aller im Rat vertretenen Fraktionen“, ist sich Schreiber sicher.

Zufrieden mit dem Zahlenwerk zeigten sich auch die Grünen, die mit der SPD gemeinsam eine Gruppe bilden und im Adendorfer Rat die Mehrheit stellen: „Wir konnten an den richtigen Stellschrauben drehen und werden dem Haushalt deshalb zustimmen“, erklärte Bärbel Sasse.

Patenschaften für Spielgeräte übernehmen

Trotzdem. Ein Dorn im Auge bleibt für die Adendorfer Grünen der Zuschussbedarf für die Adendorfer Serenade. „Wir wollen sie nicht einschränken, wünschen uns aber, dass für diese Veranstaltung mehr Sponsoren gefunden werden“, betonte Sasse. Andere Einrichtungen würden es vormachen – die Bibliothek etwa, die Kita bei der Feuerwehr oder auch das Team des Eisstadions.

Bei den Spielplätzen in der Gemeinde sehen Experten einen Investitionsbedarf von rund rund 100.000 Euro in den nächsten Jahren. Nun ist auf Antrag der Gruppe SPD/Grüne der Haushaltsansatz für den Austausch von maroden Spielgeräten von 20.000 auf 40.000 im Etat 2019 erhöht worden. Eine Entscheidung, die auch die ABAE mitträgt, obwohl sie schon 2019 am liebsten alle Spielplätze auf den neuesten Stand bringen wollte. „Wir appellieren an alle Bürger, insbesondere aber an die Kinder, mitzumachen“, so ABAE-Fraktionschef Hans-Dieter Wilhus, der sich gut vorstellen kann, dass Bürger aus Adendorf Patenschaften für Spielgeräte übernehmen.

CDU hält den Etat 2019 für „wenig spektakulär“

Wenig Emotionen weckt das Zahlenwerk bei Gunther Freiherr von Mirbach, Sprecher der Gruppe CDU/FDP: „Der Haushalt ist wenig spektakulär“ urteilte der Christdemokrat, der vor allem ein Projekt im Etat vermisst – die Ausweisung eines Gewerbegebietes an der Kreisstraße 30. Ein Thema, für das die CDU schon lange in Adendorf die Werbetrommel rührt, und das von Mirbach auch mit scherzhaften Bemerkungen nach vorne zu bringen versucht: „Das Gebiet würde auch Platz für 3D-Druck-Unternehmen bieten“, merkte er mit einem Augenzwinkern an – falls das mit dem Digital-Campus in Lüneburg doch nicht so funktioniere, wie man sich das im Lüneburger Rathaus vorstelle.

Dass die Gewerbesteuer in Adendorf gegen den Willen von CDU und FDP bereits 2017 erhöht worden war, kritisierte von Mirbach erneut: „Wir müssen alles dafür tun, Unternehmer im Ort zu halten, Neuansiedlungen zu forcieren.“ Den Ausbau der Straße Im Suren Winkel möglichst noch 2019 weiter voranzutreiben, fordert der Christdemokrat ebenso wie die Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans.

„Da passiere zu wenig“

„Vertreter von SPD und CDU im Adendorfer Rat haben offenbar nicht den Mumm, gegen ihre eigene Landesregierung zu stimmen. Vielmehr verzichtet die Gemeinde jährlich auf mehrere Hunderttausend Euro“, kritisierte Markus Graff (Linke). Der Grund für seinen Ärger: Die rot-schwarze Landesregierung hat die Beitragsfreiheit in den Kindergärten beschlossen, doch nun bleibe die Kommune auf den Mehrausgaben sitzen.

Krititisch setzt sich der Oppositions-Politiker auch mit der Mitarbeitergewinnung der Gemeinde für die Adendorfer Kitas auseinander: „Da passiere zu wenig“, monierte Graff. Am Ende aber stimmte er dem Etat zu. Genauso, wie die anderen Ratsmitglieder. Somit wurde der Haushalt für das Jahr 2019 ohne Gegenstimmen verabschiedet.

Von Klaus Reschke

Fakten und Zahlen

Eine Million Euro für freiwillige Leistungen

Der Ergebnishaushalt weist bei den Erträgen 17.881.420 Euro und bei den Aufwendungen 18.987.265 Euro auf. Ausgeglichen wird das Zahlenwerk durch außerordentliche Erträge in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Die Personalkosten für die 189 Bediensteten schlagen mit rund 8 Millionen Euro zu Buche, die freiwilligen Leistungen der Gemeinde belaufen sich auf circa eine Million Euro – für Freibad, Eisstadion, Bibliothek, Förderung der Sportvereine, der Jugend und der Senioren.

In den Bushaltestellen-Ausbau will die Gemeinde 2019 rund 132.000 Euro investieren, für Kanalbau (Entwässerung Adendorf-Nord) sind 346.000 Euro veranschlagt, der Ausbau der Moorchaussee schlägt mit 150.000 Euro zu Buche, 1,7 Millionen Euro stehen für den Neubau des Feuerwehrhauses in Erbstorf im Etat, die Erschließung des Baugebietes Papageienweg ist mit 1,1 Millionen Euro veranschlagt.

Die Hebesätze für die Grundsteuer A und B sowie für die Gewerbesteuer bleiben unverändert.