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Mosaique Integration
Sahar und die Theatergruppe erzählen, wie es ist, in einem neuen Land anzukommen. Zuwanderer und Einheimische engagieren sich. (Foto: t&w)

Warten auf ein Lächeln

Lüneburg. Fußball funktioniert. Farbod Bahrampour kickt in Rosengarten. „Ein Freund hat mich mitgenommen, wir sind Deutsche und Zugewanderte in der Mannschaft“, erzählt er. Nicht nur auf dem Platz machen die Männer etwas zusammen, auch auf dem Weihnachtsmarkt waren sie gemeinsam und haben einen Glühwein getrunken. Für den Mann mit persischen Wurzeln ist das eine kleine Erfolgsgeschichte für Integration. Er gehört zu einer Gruppe, die sich regelmäßig im Mosaique an der Katzenstraße trifft. Katja Heidmeier vom Lebensraum Diakonie begleitet die Teilnehmer als Ansprechpartnerin.

An diesem Nachmittag sitzen ein halbes Dutzend Männer und eine Frau zusammen, die allerdings gleich los muss. Alle sind Flüchtlinge. Neben der Sozialarbeiterin Heidmeier ist Annette Mücke die einzige Deutsche in dem Kreis. Sie sagt: „Die Gruppe möchte Kontakt aufbauen zu Einheimischen.“ Das ist offenbar nicht so einfach. Katja Heidmeier bilanziert: „Die Stimmung hat sich geändert, weg von der Willkommenskultur.“ Vorherrschend sei eine Mischung aus Ablehnung und „es reicht“.

Informationsblatt in sechs Sprachen

Dabei geben sie sich viel Mühe. Sie haben ein Informationsblatt in sechs Sprachen aufgelegt, am Sonnabend, 15. Dezember, 20 Uhr führen sie im Mosaique mit ihrer Theatergruppe Co-Sol das Theaterstück „Jeden Morgen warte ich auf ein Lächeln“ auf. Es geht ums Fremdsein, ums Kennenlernen und ein Miteinander. Sie wünschen sich viele Gäste, eben um ins Gespräch zu kommen.

Für Adil Yazdanar geht es auch darum, sich und Bräuche der Heimat vorzustellen: „Wir haben zusammen Newroz gefeiert.“ Das ist das kurdische Neujahrsfest. „Woher kommt es? Worum geht es?“, beschreibt er. Miteinander essen und dabei erzählen aus seinem Leben.

„Hier muss man spontaner sein oder einen Witz machen.“ – Ahmad Haydar aus Syrien

Das Leben in der alten Heimat kann im Alltag ganz anders sein, da liegt eine Quelle für Missverständnisse. Ahmad Haydar weiß ein Beispiel: „Bei uns in Syrien redet man mit dem Verkäufer. Als ich das hier im Supermarkt gemacht habe, war es unangenehm.“ Das Personal reagierte irritiert. Haydar lacht: „Hier muss man spontaner sein oder einen Witz machen.“

Dass sie ankommen, merken die Männer in ihrem Alltag. Adil Yazdanar erzählt, er arbeite für einen Bildungsträger. Mit seinen deutschen Kollegen verbringe er beispielsweise Pausen zusammen. Mit den Teilnehmern, da­runter Zuwanderer, die Sprachkurse besuchen, und Deutsche, die sich fortbilden, versuche man, gemeinsame Projekte zu entwickeln. Das Problem: Es gebe zwar einen gewissen Austausch, doch die jeweiligen Nationalitäten finden sich untereinander zusammen, weil sie sich in ihren Sprachen sicherer fühlen. Eben das wolle man aufbrechen.

Praktische Fragen im Mittelpunkt

Annette Mücke, die ebenfalls für einen Bildungsträger arbeitet und Deutsch als Zweitsprache unterrichtet hat, macht gern in dem Kreis mit. Sie weiß um die schwierigen Geschichten der Flucht, die viele mitbringen, doch sie sagt: „Es geht nicht nur darum, sondern um den Mensch dahinter, der als Künstler, Lehrer oder Arzt gearbeitet hat.“ So lese man gemeinsam Bücher und tausche sich aus. Das gefällt auch Saber Danesjoo gut: „Der Austausch macht Spaß.“

Es geht um praktische Fragen. Mohamad Reza Nouri-Mazdarani berichtet, dass seine Schulabschlüsse hier nicht anerkannt werden und er daher keine Ausbildung als Krankenpfleger beginnen kann: „Ich will arbeiten.“ Er bekommt Tipps, dass es in Hamburg eine Stelle gibt, die helfen kann. Er wird dann sehr deutsch: „Der Steuerzahler denkt, das ganze Geld, was fließt, landet in meiner Tasche, aber da ist es nicht.“ So viele bürokratische teure Hemmnisse, das müsse doch anders gehen. Er würde seine Ausbildung beginnen – und Steuern zahlen.

Wer Interesse hat: Die Gruppe trifft sich das nächste Mal am Montag, 17. Dezember, 17.30 Uhr im Mosaique. Katja Heidmeier ist zu erreichen unter (04131) 749225.

Von Carlo Eggeling