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Als die Pläne für eine Außenstelle der Herberge in der Baumstraße bekannt wurden, formierte sich Protest. Foto: be

Kritische Nachbarschaft

Lüneburg. In der Diskussion um die geplante Außen-Unterkunft der Herberge an der Baumstraße zeichnet sich ein Kompromiss ab: Anwohner, der Trägerverein Lebensraum Diakonie und Sozialdezernentin Pia Steinrücke haben in den vergangenen Wochen mehrere Gespräche geführt, um Positionen abzustecken und Fragen zu klären. Am Montagabend trafen sich rund 40 Beteiligte zu einer Versammlung im Gemeindehaus der Nicolaikirche, Pastor Eckhard Oldenburg übernahm die Moderation.

Angst vor einem sozialen Brennpunkt

Wie berichtet, läuft die Herberge bei der Belegung über: Im Auftrag der Stadt bringt sie unter anderem Menschen unter, die akut von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Der Bereich nennt sich Gefahrenabwehr, kurz Gefa. Mit der Verwaltung vereinbart ist die Unterbringung von 35 Personen, doch inzwischen liegt die Zahl regelmäßig bei 50. Laut Geschäftsführer Michael Elsner hat der Verein das Haus an der Baumstraße angemietet, um dort bis zu 15 Personen unterzubringen. Anwohner, die inzwischen eine Bürgerinitiative gegründet haben, protestierten: An der Straße lägen bereits drei Häuser, in den Menschen mit verschiedensten Problemen zu Hause sind, die Polizei rücke öfter an. Damit habe man sich arrangiert, beziehe die Betroffenen etwa bei Straßenfesten ein, aber noch mehr vertrage die Nachbarschaft nicht.

Wohnungslose, aber auch Studenten

Sozialdezernentin Steinrücke wiederholte, was sie bereits bei einer ersten Versammlung gesagt hatte: Sie könne sich vorstellen, drei bis fünf Personen der Gefa dort unterzubringen: „Wenn es passt.“ Das müsse individuell geklärt werden. Das schließe aber nicht aus, dass dort andere Mieter einzögen.

Elsner erklärte, dass man das Haus in Stufen möglicherweise schon von Mitte Januar an belegen wolle. Als Bewohner stelle er sich neben Wohnungslosen auch Studenten und Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen vor. Es gebe angehende Akademiker, die Interesse an dieser Form des Wohnens hätten.

Rufbereitschaft für Problemfälle

Eine Debatte entspannt sich an der Zahl der Mieter. Elsner erklärte, er habe das Gebäude mit 360 Quadratmetern Fläche für 5100 Euro im Monat gemietet, er hoffe aber, die Summe in Verhandlungen mit den Eigentümern drücken zu können. Damit sich das Ganze rechne, wäre eine Belegung mit durchschnittlich 14 Personen nötig.

Die Anwohner und ihr Sprecher Kai Schlak plädierten für zwölf und dafür, dass es keinen ständigen Wechsel gebe. Bei der Zahl zeigte sich Elsner kompromissbereit, doch eine Fluktuation werde es geben, da die Menschen von der Obdachlosigkeit wieder in ein Leben mit Arbeit und einer Wohnung vom regulären Markt zurückkehren sollen. Elsner sagte zu, dass die Herberge ein Büro in dem Haus einrichtet, zudem eine Rufbereitschaft bei Problemen auch nachts zu erreichen ist.

Vereinbart wurde mit Unterstützung der Sozialdezernentin, dass es für das Quartier eine Art Beirat geben solle, um ins Gespräch zu kommen und offene Fragen und Probleme anzusprechen. All das soll in eine schriftliche Vereinbarung gegossen werden, um eine Basis für die Beteiligten zu haben.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. 14€/qm kalt sind ein wahres Schnäppchen, wer hätte da nicht zugeschlagen…