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Mit Bienenwachs pflegt Eckhard Meyer die Zahnräder des Mühlwerks. Bestenfalls halten sie so ein Müller-Leben lang. Foto: t&w

Es klappert die Mühle

Bardowick. Wir alle wissen doch, wie die klappernde Mühle am rauschenden Bach macht: klipp klapp. Und zu „Ich und Du, Müller‘s Kuh“ hat so mancher schon den Spü ldienst ausgeknobelt. Aber kennen Sie auch einen echten Müller? Einen, der nicht nur den Namen trägt, sondern wirklich Müller ist – vielleicht mit Kuh, ganz bestimmt aber mit Mühle?

Eckhard Meyer ist einer von ihnen und damit ein seltenes Gewächs auf dem Berufsmarkt. Doch er liebt sein Handwerk. So sehr, dass er sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern der Müllergilde dafür einsetzt, den Handwerksberuf zu erhalten und zu fördern. Mit Erfolg: Die Unesco hat das Müllerhandwerk jetzt zum bundesweiten immateriellen Kulturerbe erklärt.

„Wir waren sehr erfreut, als wir von der Aufnahme erfahren haben. Ich war mir aber schon sicher, dass es die Zusage gibt“, sagt Eckhard Meyer. Für die Bewerbung hatten die Müller darlegen müssen, dass ihr Handwerk „schon seit Langem besteht, aktuell besteht und auch in die Zukunft getragen werden kann“, erklärt Meyer. 50 Handwerksmühlen und Vereine deutschlandweit unterstützen die Bewerbung aus Bardowick. Nun, ein halbes Jahr später, kam die Antwort der Deutschen Unesco-Komission und der Kultusministerkonferenz, in der es unter anderem heißt: „Das Expertenkomitee würdigt die Handwerksmüllerei in Wind- und Wassermühlen als wichtigen Beitrag zur Erhaltung des traditionellen Müllerhandwerks.“

Industrie hat die Versorgung fast komplett übernommen

Der Beruf des Handwerksmüllers gilt als einer der ältesten der Welt. Inzwischen gibt es jedoch kaum noch Männer und Frauen an mechanischen Mühlsteinen. Von einst rund 50.000 traditionellen Mühlen in Deutschland bestehen derzeit nur noch 50 bis 100. „Die Industrie hat die Versorgung fast komplett übernommen“, sagt Eckhard Meyer ein bisschen traurig, „ich möchte nicht irgendwann der letzte Mohikaner am Mühlstein sein“. Dabei habe auch die Handwerksmüllerei durchaus rosige Aussichten, ist Meyer überzeugt: „In der globalisierten, ­anonymen Welt sehnen sich viele Leute nach so was zurück. Die Müllerwelt ist nicht anonym.“ Reine Folklore ist jedoch fehl am Platz. Es gehe nicht um Müllerromantik oder Mühlenmystik durch Schauführungen oder Inszenierungen. „Der Unesco und uns geht es darum, das Handwerk zu leben und in die Zukunft zu tragen“, sagt der Müller.

Finanzielle Förderungen gibt es dafür nicht, aber die offizielle Anerkennung des Berufs als Kulturerbe, tut den Handwerkern trotzdem gut. „Wir wurden anfangs belächelt. Aber das gibt mir nur noch mehr Ansporn, das Thema weiter nach vorne zu bringen“, sagt der Bardowicker. Er selbst sitzt in sechster Generation am Mühlstein. Lange habe er nicht gewusst, welcher Beruf für ihn der richtige sei. „Der Besuch einer laufenden Windmühle in Ostfriesland war damals ein Schlüsselerlebnis für mich. Die Räder, das Werk, haben mich fasziniert“, erinnert sich Meyer. Die Faszination hat Bestand, bis heute. „Mit der alten Technik zu arbeiten macht mir Spaß. Der Umgang mit der Naturkraft Wind, da ist jeder Tag anders.“

Schützenswerte Tradition

Von der offiziellen Anerkennung der Handwerksmüllerei als traditionellen und schützenswerten Beruf erhofft sich Eckhard Meyer mehr Aufmerksamkeit für diese Tätigkeit und vor allem mehr Menschen, die sich trauen, wieder eigene Mühlen zu betreiben. „Es gibt sehr viele alte Mühlen, die nur museal rumstehen. Es wäre schön, wenn die Auszeichnung animierend wirken kann und wieder mehr Leute in den Mühlen tätig werden“, sagt Eckhard Meyer. Denn sonst kennen die Generationen von morgen den Müller nur noch aus Liedern und Abzählreimen.

Von Anke Dankers

Zur Sache

97 Kulturformen

Mit dem Status „Immaterielles Kulturerbe“ zeichnet die Unesco gelebte Bräuche, Feste oder Handwerkskünste aus, die auf Bundesebene oder weltweit zu schützenswerten Kulturtraditionen zählen. Unter dem Motto „Wissen. Können. Weitergeben.“ soll das Kulturerbe anerkannt, erhalten, gepflegt und gefördert werden. Bundesweit zählen inzwischen 97 Kulturformen und Modellprogramme zum „Immateriellen Kulturerbe“, darunter finden sich auch etliche Berufe wie das Drechslerhandwerk, das Hebammenwesen oder die Falknerei.