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Sabata Ahmetovic im CineStar, er wirbt 2009 für den Film „Ninja Assassin“ in dem er eine kleine Rolle spielt - im CineStar gab er gemeinsam mit Partnern eine eindrucksvolle Kampfsport-Darbietung. Foto: A/t&w

Kino im Kopf

Lüneburg. Sabata hat einen Traum. Seitdem er fünf ist. Da saß er mit seiner Mutter irgendwo in Italien im Kino, sah einen Film mit Sylvester Stallone als Rambo II. „Ich sprang auf und habe geschrien: Das bin ich“, erzählt er. Seitdem arbeitet er daran. Als Kind kommt er 1986 nach Deutschland, nach Hamburg-Billstedt. Das ist kein einfaches Pflaster. Er lernt Kampfsport, er engagiert sich dann gegen Ausländerfeindlichkeit, will bei einem Hungerstreik von Sinti und Roma im KZ-Neuengamme dabeigewesen sein. Sein zweites Schlüsselerlebnis hängt mit dem Action-Schauspieler Jean-Claude Van Damme zusammen. Den hat er getroffen, das zeigen Fotos, danach will er noch viel intensiver ein Held der Leinwand werden.

Die Sehnsucht nach Scheinwerferlicht

Er spricht von „Leidenschaft“. Man kann es auch Sehnsucht nennen. Mehr zu scheinen, als man ist. Mit seinem Traum kam er schon vor bald 20 Jahren in die Redaktion, zeigte gelenkige Kampfsportszenen auf dem Sand. Er kam immer wieder, immer vor dem Durchbruch. Es sind Komparsenrollen. In einem vielleicht selbstkritischen Moment bilanziert er: „Ich habe in sechs, sieben Filmen mitgespielt.“

Er fliegt nach Los Angeles, nach Cannes zu Filmfestspielen. Es gibt Selfies von ihm mit den Klitschko-Brüdern, mit Schauspielern wie Alec Baldwin, angeblich hat Stallone einen Post bei Facebook kommentiert, wahrscheinlich war‘s Slys Management. So sieht es zumindest aus.

Sabata schickt ein Foto mit Matthias Schweighöfer, der gerade die Komödie „100 Dinge“ in die Kinos bringt. „Da habe ich eine wichtige Nebenrolle.“

Zur Premiere in Berlin kommt Sabata leider zu spät. „Es kam etwas dazwischen.“ So konnte er sich noch nicht einmal sehen und weiß nicht, ob er – wie er glaubt – eine lange Minute lang zu sehen ist. Tragisch und traurig wie so oft. Genau so tragisch läuft es mit dem nächsten Projekt. Einem Actionfilm, dessen Dreharbeiten vor Weihnachten in Asien beginnen sollten: „Da bekomme ich eine Hauptrolle. Aber jetzt hat mir der Produzent geschrieben, dass sich alles verschiebt aufs nächste Jahr.“ Im Januar gehe es los, spätestens im Februar oder eher im März.

Biografie mit 38 Jahren

Er ist 38 Jahre alt, und wenn er so vor einem sitzt, möchte man ihn am liebsten in den Arm nehmen und sagen: „Junge, wer soll dich jetzt noch entdecken?“ Er erzählt, dass er als Kellner im Atlantic in Hamburg gearbeitet hat: „Da, wo Udo Lindenberg wohnt.“ Aber offenbar hat auch Udo ihn nicht in einer großen Rolle wahrgenommen. Jetzt arbeite er als „Dienstleister. Wo, möchte ich nicht sagen, ich will nicht, dass Leute dahinkommen“.

Ab und an schafft es Sabata, dass eine Lokalzeitung oder ein Radiosender über sein Schloss in den Wolken berichtet. Für ihn Stufen auf einer Treppe nach oben. Sein neuester Plan ist eine Biografie. Er hat dafür eine Lüneburger Agentur eingeschaltet, sehr freundliche junge Leute, die auf ein Drehbuch von ihm warten, um einen Antrag bei der Filmförderung zu stellen. Im Gespräch mit Sabata schrumpft das Drehbuch auf ein Script von einem Dutzend Seiten, an dem er schreibt. Seit Wochen. Einer der Kollegen sagt: „Wir können nichts einreichen, wenn du uns nichts gibst.“

Es hakt im Detail

Aber er habe schließlich mit „Petra“ bei der Fördergesellschaft gesprochen, sagt Sabata, die habe ihm Fördermittel in Aussicht gestellt: „Ich kenne sie seit Jahren.“ Ein Anruf ergab schon vor Wochen: Ja, Sabata könne gern einen Antrag stellen. Wie andere auch. Dann entscheide man.

Sabata ist sich sicher: „Das wird schon.“ Er sagt: „Du kannst hundertmal scheitern, um dann den einen Schlag zu haben.“ Also macht er weiter. Es ist sein Film. Sein Kino. Immer noch wie damals als Junge in Italien: „Das bin ich.“

Von Carlo Eggeling