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Im August hatte die Aktion Seebrücke am Markt mit einer Aktion auf das Sterben im Mittelmeer aufmerksam gemacht. Symbol der Bewegung sind die Rettungswesten. Foto: kg

Lüneburg als sicherer Hafen

Lüneburg. Hunderte Menschen ertrinken auf ihrer Flucht aus Afrika im Mittelmeer. Private Hilfsorganisationen fühlen sich, gelinde gesagt, behindert, wenn sie Flüchtlingen in Not beistehen wollen. Dagegen macht die „Seebrücke“ mobil, auch in Lüneburg. Städte sollen sich zu „sicheren Häfen“ erklären.

Pablo Rondi und Francis Mayer von der Lüneburger Gruppe erklären, was das meint: Über den sogenannten Königssteiner Schlüssel bekommen Kommunen je nach Größe eine Anzahl von Menschen zugewiesen. Lüneburg sollte darüber hinausgehen und sich bereiterklären, weitere Personen aufzunehmen. Derzeit werben die Aktivisten in den Ratsfraktionen für ihr Anliegen. Im Rathaus sieht man das Ganze kritisch.

„35 Städte haben sich bereits zu sicheren Häfen erklärt“, berichtet Rondi. Wie die Hilfe wirken kann, zeigt er an einem Beispiel: Malta lässt Schiffe mit Schiffbrüchigen dann anlanden, wenn klar ist, dass die Flüchtlinge die Insel wieder verlassen und in europäischen Ländern Aufnahme finden. Mayer sagt: „Es geht auch darum, ein Zeichen zu setzen, dass die Zivilgesellschaft hinter der Hilfe steht.“

Aufnahmequote bereits erfüllt

Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagt: „Das Anliegen ist menschlich nachvollziehbar, obwohl andererseits natürlich überhaupt keine Gewähr besteht, dass durch das Engagement tatsächlich auch die auf dem Mittelmeer geretteten Menschen einen Platz in Lüneburg bekämen. Die Entscheidung, wer kommt, treffen Bund und Land und nicht die Kommunen.“ Zudem habe die Hansestadt die Aufnahmequote bereits seit längerem mehr als erfüllt: „Teilweise lagen wir mit 100 Personen über der Quote. Darin nicht eingerechnet sind nachgezogene Familienmitglieder und der Zuzug von anerkannten Flüchtlingen aus anderen Regionen.“

Auch gehe es darum, für Betroffene „bezahlbare Wohnungen sowie Plätze in Kitas und Schulen zu schaffen sowie sie auch auf dem Arbeitsmarkt und in den verschiedenen Bereichen der Stadtgesellschaft bestmöglich zu integrieren“.

Spenden sollen helfen, um Schiffe zu finanzieren

Rondi und Bayer erkennen an, dass die Stadt beispielsweise durch ihr Konzept der dezentralen Unterbringung viel geleistet habe. Doch die Herausforderung bleibe groß. Die beiden erzählen davon, was man aus den Nachrichten weiß, aber gern verdrängt: Staaten der europäischen Union haben ihre Seenotrettung stark reduziert, gegen Hilfsorganisationen wird vorgegangen mit der Begründung, dass ihr Handeln indirekt Schleuser unterstütze: Schiffe wurden an die Leine gelegt, gegen Crews laufen Gerichtsverfahren. Insgesamt sei die Zahl der Flüchtlinge gesunken, doch die Zahl der Ertrunkenen sei gestiegen.

Die Kampagne der Seebrücke will verschiedene Themen präsent machen: Spenden sollen helfen, um Schiffe zu finanzieren und den Helfern Beistand vor Gericht vermitteln. Zudem sollen Menschen sichere und legale Wege eröffnet werden. Aber es geht auch um das Selbstverständnis Europas. Mayer: „Es kann nicht sein, dass Steuerung von Zuwanderung über unterlassene Hilfeleistung und Tod funktioniert.“ Rondi ergänzt: „Es ist eine Frage der Menschlichkeit.“

Appell an den Rat

Dass die Stadt diese Hilfe Geld kostet, ist beiden bewusst. Ihr Ansatz: Unterkünfte stünden leer, Platz sei da. Zudem hätten Ehrenamtliche in der Vergangenheit geholfen, Ausgaben zu reduzieren, indem sie etwa Sprachunterricht anböten oder bei Behördengängen dolmetschten.

All ihre Argumente stellen sie Ratspolitikern vor. Das Ziel: Das Thema soll Ende Januar der Rat diskutieren. Sie hoffen auf eine Entscheidung in ihrem Sinne.

Am Freitag, 14. Dezember, stellen die rund 20 Aktiven der Lüneburger Seebrücke ihr Anliegen von 19 Uhr an im Café Klatsch am Springintgut vor. Dazu gibt es auch Musik der Band Soundyard.

Von Carlo Eggeling

15 Kommentare

  1. vorsicht ist die mutter der porzellankiste. es gab ähnliche bilder schon mal. da haben flüchtlinge ihr begrüßungsgeld fotografiert und in ihre heimat geschickt. sowas lockt natürlich auch an. die welt retten klingt einfacher , als es ist. einzelne städte sind da überfordert.

    • Herr Bruns, wo haben sie die Lüge aufgeschnappt, Menschen, die nach Deutschland kommen bekämen ein Begrüßungsgeld? Ein Solches Geld gibt es einfach nicht!
      Es sind nicht „Verlockende Angebote“ die der Westen angeblich macht,
      es sind Hunger Armut und Kriege, welche die Menschen in die Flucht treiben.

      • Robert Caic
        versuchen sie nicht, bei mir türen einzurennen, die schon bei mir immer offen gestanden sind. ein asylbewerber ist erstmal auch ein flüchtling, oder? was die fluchtgründe sind, dürfen sie gern afd-anhängern erklären, ich kenne sie. es gibt mehr, als sie und die wahrscheinlich kennen.

      • Hunger, Armut und Kriege waren auch damals die Gründe im Balkan Krieg…. alles weitere kann sich jeder denken wie er möchte.

  2. Finde ich sehr richtig uns wichtig! Es geht denen doch v.a. darum ein Zeichen zu setzen. Wir sind alle Menschen! Einfach so zuzulassen, dass andere Menschen wie du und ich im Meer sterben, ist einfach nur purer Egoismus! Ich höre meine Nachbarn immer sagen „warum muss denn Deutschland immer die Welt retten?!“ – Niemand muss die Welt retten, es geht um ein Umdenken. Deutschland geht es halt verdammt gut auf Kosten anderer Ländern, die wir mit unserem übermäßigem Konsumverhalten ausbeuten. Das ist gestört! Jeder von uns könnte einer von denen sein. Das ist absolut austauschbar. Ich finde es wichtig, wenn Lüneburg Mal ein Zeichen setzten würde. Es geht darum, auf die höheren Politikebenen einen Druck auszuüben. Coole Sache!

    • Kleiner Hinweis auf den Armutsbericht 2018 des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

      Deutschland geht es gut? Es sind einige Wenige, die das Kapital an sich binden. Der normale Arbeitnehmer und Rentner hat hiervon nichts.

      Wichtig ist aus meiner Sicht, dass große Global Player endlich mal in ihrer Macht beschnitten werden. Einer davon ist mit Sicherheit Nestle, der Wasserrechte weltweit kauft, dann unsere Rüstungsindustrie, die Krieg in besonders die Länder exportiert, aus denen dann die zu beobachtenden Fluchtbewegungen resultieren. Hier muss ein Umdenken stattfinden, es muss den Menschen in ihren Ländern eine Perspektive gegeben werden.
      Aber unsere Politik knickt doch immer vor dem Kapital ein, wenn das Totschlagargument auf den Tisch kommt „dann verlieren wir aber Arbeitsplätze in Deutschland, wollt ihr das?“

      Das ganze System ist doch krank und ich kann die sehr gut die verstehen, die in diesem Land am gesellschaftlichen Rand stehen, die den Wohlstand Weniger gemehrt haben, und zusehen, wie öffentliches Geld aus nicht nur deren Sicht zur Bekämpfung der Situation „verbrannt“ wird, die durch die Global Player geschaffen wurde.

  3. Norbert Kasteinecke

    Der Nächste, der sich hier im Forum über den Lüneburger Wohnungsmarkt beschwert, erhält von mir eine Flasche Rotkäpchen Sekt.

    • Norbert Kasteinecke
      ich beschwere mich über den lüneburger wohnungsmarkt. da sie meine adresse kennen, können sie den sekt mir gerne zuschicken. ich werde hier auch dann bekannt geben, ob ihre ankündigung was wert war. schmunzeln. übrigens flüchtlinge sorgen bei uns nicht für wohnungsknappheit. dafür sind andere zuständig.

    • Übrigens Norbert, hier ist ein Grund .Die häufigste Wohnform ist der Singlehaushalt, rund 41 Prozent der Bevölkerung lebt allein, so das Statistische Bundesamt. In den Großstädten ist der Anteil noch viel höher. So sind in Hamburg aktuell 54 Prozent aller Haushalte von Singles bewohnt. Dieser Wert steigt seit Jahrzehnten – und die Gründe sind vielfältig. Hat mit Flüchtlingen, was ihr Lieblingsthema ist, rein gar nichts zu tun.
      diese information ist eigentlich zwei flaschen sekt wert. schmunzeln.

    • Rotkäppchen und der herumschleichende böse Wolf? Das passt!

      Dass der Konsum von Tabak, Kaffee und Alkoholika gut für die Stimmung im Volk ist, das hatte schon Propagandaminister Joseph Goebbels früh erkannt – entgegen der Warnungen aus der Wissenschaft über die gesundheitlichen Folgen des Nikotingenusses („Die deutsche Frau raucht nicht!“). Unter dem NS-Regime gab es also keine rigide genussfeindliche Politik, stellte vor drei Jahren die Wirtschaftshistorikerin Nicole Petrick-Felber in ihrer Studie fest:

      „Kriegswichtiger Genuss. Tabak, Kaffee und Alkohol im ‚Dritten Reich‘“. Wallstein, Göttingen 2015, 580 Seiten, 42,00 Euro

  4. Norbert, da sie mir schon auf e-mail angekündigt haben, mir das paket zu schicken,unterbleibt ein weiterer kommentar von mir zu diesem thema. schmunzeln. warum reagieren sie eigentlich nicht darauf, wenn ich ihre mitgesandten telefonnummern anrufe? sind sie ein fake? auf trostpreise verzichte ich gern. trost habe ich nicht nötig. p.s. ich muss also konstatieren , sie wollen ihrer ankündigung nicht nachkommen. von erwartungen,war in ihrer ankündigung nichts zu erkennen.