Aktuell
Home | Lokales | Gewappnet für eisige Zeiten
Die Besatzungen checkten am Mittwoch bei Geesthacht während einer Probefahrt die Funktionen der Eisbrecher. Foto: tja

Gewappnet für eisige Zeiten

Geesthacht. Wenn zeitnah starker Frost einsetzt, könnte es an der Elbe ganz dicke kommen. „Wir haben eine bisher nie dagewesene Kombination von bereits nur noch vier Grad warmem Wasser, einem außergewöhnlichen Niedrigwasser für Dezember und damit verbunden einen sehr geringen Wasserabfluss. Wenn sich nun bei Frost Eis bildet, geht das erstens sehr schnell und zweitens kann es sich schneller festsetzen. Durch das Niedrigwasser hätten wir außerdem Probleme, mögliche Eisversetzungen mit unseren Eisbrechern erreichen zu können“, fasst Andreas Schultz die Situation zusammen. Er leitet die Eisbrecher-Flotte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA), die im Hafen von Geesthacht stationiert ist.

Niedrigwasser als besondere Herausforderung

Am Dienstag und Mittwoch checkten die Besatzungen, die aus verschiedenen Standorten des WSA zusammengezogen werden, die Spezialschiffe. Neben dem Großreinemachen zum Saisonstart standen auch intensive Probefahrten auf der Elbe an. Dabei trainierten die Besatzungen verschiedene Manöver. Die Eisbrecher waren in den vergangenen Wochen zur Überholung auf der Hitzler-Werft in Lauenburg. „Der Bison ist dort noch, bei dem wird per Ultraschall noch der Rumpf untersucht“, sagt Schultz. Die anderen Schiffe sind einsatzbereit, eines muss noch in Eberswalde abgeholt werden. Schultz: „Für den Eisaufbruch an der Elbe benötigen wir zehn Eisbrecher, die haben wir dann.“

Spezialisten rechnen mit viel Eis

„Ich glaube, wir bekommen diesen Winter ordentlich Eis“, meint der Flotten-Leiter. Die Situation mit wenig Wasser sei dafür perfekt. „Wenn es nicht in Tschechien ordentlich regnet, und da müssen dann auch erstmal die Stauseen wieder gefüllt werden, wird sich der Wasserstand der Elbe nicht nennenswert ändern“, so Schultz. Und dann blickt er vor allem auf die so genannte „Reststrecke“ der Elbe voller Sorgen. Zwischen Hitzacker und Dömitz ist die Fahrrinne schmal und mit wenig Tiefe, es fehlen Buhnen, die den Wasserabfluss steuern. Verstopft dieser Bereich bei Niedrigwasser mit Eisschollen, geht dort nichts mehr. Brisant: Hinter so einer Eisbarriere kann sich ein Hochwasser entwickeln.

Solche Lagen hatten sich 1983 – damals versuchte die Bundeswehr den Eisblock bei Hamburg vergeblich zu sprengen – und 2012 gebildet. 2012 waren die Eisbrecher erstmals überhaupt sogar nachts unterwegs, was als extrem gefährlich gilt. Aber es musste alles für den freien Wasserabfluss getan werden. Die Eisbrecher arbeiten sich stets von Hamburg aus elbaufwärts voran, damit das gebrochene Eis mit der Strömung gen Nordsee abfließen kann.

1996 ging es zu Fuß über die Elbe

1996 hatten sich die Eisschollen so zusammengeschoben, dass man oberhalb des Kernkraftwerkes Krümmel – unterhalb hatte Kühlwasser des Atommeilers das Eis getaut – zu Fuß den Fluss überqueren konnte.

Auch in diesem Jahr waren die Eisbrecher schon im Einsatz, in der letzten Saison. Noch im März hatten vier Nächte mit strengem Frost gereicht. Bei zweistelligen Minustemperaturen bildet sich Grundeis, das steigt auf und treibt als Schollen an der Wasseroberfläche flussabwärts. Hält die Kälte an, kleben die Schollen zusammen, es bildet sich eine geschlossene Decke mit Treibeis.

Von Timo Jann

1500 Liter Diesel vom Eisbrecher „Bär“

Umwelt-Alarm im Hafen

Aus dem Eisbrecher „Bär“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes waren am Mittwoch nach Polizeiangaben vermutlich gut 1500 Liter Dieselkraftstoff ins Hafenbecken von Geesthacht gelangt. Nachdem Feuerwehrleute aus Geesthacht und Lauenburg in der Nacht zum Donnerstag mit Ölsperren eine weitere Ausbreitung der Umweltverschmutzung verhinderten, rückte am Donnerstag das Technische Hilfswerk aus Mölln und Ratzeburg an, um den Diesel aufzunehmen.

„Die Lage scheint unter Kontrolle, aber ganz werden wir die Verunreinigung nicht beseitigen können“, sagt Tilman Treber, der Leiter des WSA in Lauenburg, am Donnerstag. „Ersten Erkenntnissen nach war eine Diesel-Füllpumpe angesprungen. Dadurch ist der Tank übergelaufen und der Kraftstoff von Bord ins Wasser gelangt“, erklärt Eckhard Mey von der zuständigen Wasserschutzpolizei in Scharnebeck.

Bei den Probefahrten auf der Elbe unmittelbar zuvor gab es am „Bär“ keine Auffälligkeiten, es wurde festgemacht. Gegen 22 Uhr wurde dann zufällig Dieselgestank bemerkt und Umwelt-Alarm ausgelöst.

One comment

  1. „Ich glaube, wir bekommen diesen Winter ordentlich Eis“, meint der Flotten-Leiter. …“ Es glaubt das also nur. Wer glaubt weiß aber nichts genaues.
    Ich habe mir vorhin die Prognose für den hiesigen Bereich angesehen und danach soll es je näher es an den 24.12. geht wieder wärmer werden. Und für mich besonders interessant, selbst Sylvester soll Frostfrei bleiben. Obwohl ich verdammt wenig Ahnung von Meteorologie habe glaube ich jetzt, dass es auch in den Monaten Januar, Februar und März keinen wesentlichen Frost mehr geben wird. Jetzt glaube ich wenigstens auch mal an etwas, aber das Wetter macht sowieso was es will. Egal wer was glaubt. Und der Wetterprognose traue ich immer nur maximal über 3 Tage.