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Weil die Zahl der Behandlungen zurückgegangen ist, rutscht die Orthoklinik Lüneburg in diesem Jahr wirtschaftlich ins Minus. Foto: be

Dunkle Wolken über der Orthoklinik

Lüneburg. Steht die Orthoklinik Lüneburg vor unsicheren Zeiten? Diesen Eindruck konnten die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses in ihrer jüngsten Sitzung gewinnen. Bei der Vorstellung des Wirtschaftsplans 2019 hatte Orthoklinik-Geschäftsführer Heiko Zellmer den Ausschuss mit negativen Geschäftserwartungen überrascht und „Strukturmaßnahmen“ angekündigt. Sogar eine Schließung der Klinik schloss er nicht aus.

„Eine Schließung ist theoretisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich“, erklärte Heiko Zellmer am Donnerstag auf LZ-Nachfrage, nachdem er in der Ausschussitzung auf eine entsprechende Frage von Henrik Morgenstern (CDU) erklärte hatte, „alle Szenarien“ bei den geplanten Strukturgesprächen durchzuspielen.

Negative Prognosen für das kommende Jahr

Anlass für die tiefgreifenden Überlegungen sind laut Zellmer das unerwartet schlechte Jahresergebnis für 2018 und die ebenfalls negativen Prognosen für das kommende Jahr. Hatte man anfangs noch für 2018 mit einem Plus von 105.000 Euro gerechnet, geht man nun von einem Defizit von 316.000 Euro aus. Ein fast gleich hoher Fehlbetrag in Höhe von 301.000 Euro wird für das kommende Jahr erwartet.

Zu dieser Entwicklung haben laut Zellmer gleich mehrere Faktoren beigetragen. Dazu zählte er den Rückgang der Behandlungsfälle – Patienten seien unter anderem nach Uelzen und Hamburg abgewandert –, ebenso die von den Krankenkassen vorgenommenen Abwertungen für Gelenkersatz-Behandlungen um drei bis vier Prozent. Zudem hätten die positiven Ergebnisse der Vorjahre zu Abschlagszahlungen an die Krankenkassen geführt.

Mehrere Gründe für Minus-Ergebnis

Aber auch das altersbedingte Ausscheiden eines Belegarztes habe zum Rückgang des Jahresergebnisses geführt. Damit müsse auch in den kommenden Jahren gerechnet werden, erklärte der Klinikchef.

Die Überlegung von Michèl Pauly (Linke), künftig besser mit festangestellten Ärzten statt mit Belegärzten zu arbeiten, ist Zellmer zufolge jedoch wenig realistisch: „Wir haben eine Zulassung als Beleg-Klinik.“ Zellmer erinnerte daran, dass es für die Orthoklinik, die 2010 von der Gesundheitsholding Lüneburg übernommen wurde, auch in zurückliegenden Jahren „immer schon schwierig“ gewesen sei. 2014 legte sie erstmals schwarze Zahlen vor, auch, weil sie Belegärzte des in dem Jahr geschlossenen Krankenhauses Scharnebeck übernehmen konnte.

Schließung ist die unwahrscheinlichste Alternative

Wie die Klinik mit ihren derzeit zehn Belegärzten und rund 80 Mitarbeitern wieder festen Boden unter die Füße bekommen kann, soll im kommenden Jahr geklärt werden.

Rolf Sauer, Chef der Gesundheitsholding, betonte am Donnerstag ebenfalls, dass eine Schließung zwar zu den möglichen Alternativen gehöre, „aber die unwahrscheinlichste ist“. Bei einer Abwägung sämtlicher Alternativen würde diese Option „die geringste Punktzahl“ bekommen. Ziel sei es vielmehr, eine Perspektive aufzuzeigen, wie die Klinik auch künftig wirtschaftlich betrieben werden kann. Sauer geht davon aus, bis März „entsprechende Handlungsalternativen“ aufzeigen zu können.

Von Ulf Stüwe