Dienstag , 17. September 2019
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Bestechung
Die Bauarbeiten für das Flieder-Quartier in Adendorf gehen voran. Dort entstehen das Flieder-Quartier 1 und 11. Das besitzt nach Firmenangaben sieben Wohnungen, das andere in zwei Gebäuden insgesamt zwölf Wohneinheiten. (Foto: be)

Ermittlungen nach Bau-Party

Adendorf. Eigentlich war es ein Fest wie viele: Im Mai ging‘s zur Abriss-Party an die Fliederstraße in Adendorf. Doch jetzt beschäftigt das Fest Justiz und Polizei. Denn vor einigen Wochen ging eine anonyme Anzeige bei den Ermittlern ein. Der Vorwurf gegen Vertreter aus Verwaltung und Politik sowie Investoren: Vorteilsnahme und Bestechung. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruptionsdelikte in Verden führt das Verfahren. Dort bestätigt man den Eingang der Anzeige. Pressesprecher Martin Schanz teilt auf Anfrage mit: „Es wird aufgehellt, ob und wen die Einladung erreicht hat und welche internen Regelungen es zur Wahrnehmung solcher Einladungen gibt.“

Bürgermeister reagiert überrascht auf Vorwürfe

Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack und der Geschäftsführer der Immo-Hansa, Juri Schweizer, reagieren überrascht. Unisono sagen beide: „Uns ist von den Ermittlungen nichts bekannt.“ Sie seien nicht zur Sache befragt worden.

Offenbar ist dem Unbekannten die vermeintliche Nähe zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Adendorf zu eng. Doch wer hinter dem Schreiben steht, weiß die Polizei nicht. Die hält sich auf Nachfrage bedeckt. Im Kern der Anzeige steht der Vorwurf, dass sich Politik und Verwaltung nach ihrer Entscheidung für die Investoren mit dem Fest haben belohnen lassen.

Polizeisprecher Kai Richter bestätigt LZ-Informationen, nach denen nicht das eigentlich zuständige Wirtschaftskommissariat Auf der Hude mit dem Fall betraut ist, sondern ein anderes. Welches, will Richter nicht verraten. Der Hintergrund soll darin liegen, dass der Leiter des Wirtschaftskommissariats, Hans-Dieter Wilhus, in der Adendorfer Kommunalpolitik aktiv ist. Die Polizei will offenkundig bereits den Anschein eines möglichen Interessenkonflikts vermeiden. Wilhus selber soll bei dem Fest im Mai nicht dabei gewesen sein.

Das sagt auch Bürgermeister Maack von sich. Er versteht zudem nicht, worin ein Vergehen liegen soll, denn es gebe ähnliche Veranstaltungen wie Richtfeste, an denen sich niemand störe.

„Wir haben das ,Who is who’ Adendorfs eingeladen.“ – Juri Schweizer , Geschäftsführer

Ähnlich sieht es Immo-Hansa-Geschäftsführer Schweizer, er wisse nicht, was kritisch sein soll: Als man zu der Party eingeladen habe, „hatten wir längst den Zuschlag“. Pläne und Zeichnungen seien beschlossene Sache gewesen. Das Fest sei ein Teil der üblichen Vermarktungsstrategie gewesen: „Wir haben das ‚Who is who’ Adendorfs eingeladen. Geschäftspartner, Interessenten und eben auch Verwaltung und Leute aus der Politik.“

Villa mit Swimmingpool abgerissen

Es sei nichts Außergewöhnliches aufgefahren worden. Das sei nichts Besonderes, so sei man an anderer Stelle etwa bei Richtfesten auch verfahren. An der Fliederstraße habe sich eine andere Art angeboten, sagt Schweizer: „Wir haben eine alte Villa mit Swimmingpool abgerissen.“

Offenbar gehen die Recherchen der Polizei langsam voran. Die LZ hatte bereits Anfang November bei der Staatsanwaltschaft in Verden nachgefragt, damals hatte man dort den Eingang der Anzeige bestätigt. Aktuell heißt es: „Die Ermittlungsergebnisse liegen hier noch nicht vor.“

Von Carlo Eggeling