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So sieht der Bus aus, der meist vor Gebäude 9 auf dem Uni-Campus steht. Über einen gemeinsamen Online-Kalender, auf den Stadtjugendring und AStA zugreifen können, werden die Buchungen koordiniert. Foto: privat

Ein Bus für die Jugend

Lüneburg. Seit 2015 gibt es in Lüneburg den Jugendbus: Wie der Name schon verrät, steht er Verbänden und Organisationen zur Verfügung, in denen junge Erwachsene aktiv sind. Verantwortlich für das Fahrzeug ist der Stadtjugendring, der auch die jährlichen Nebenkosten in Höhe von 1700 Euro begleicht. Weil sich der Verein nicht mehr in der Lage sieht, das Geld aufzubringen, hat er einen Antrag in den Jugendhilfeausschuss eingebracht und darum gebeten, die Aufwendungen für Versicherung und Steuern in den Haushalt 2019 aufzunehmen. Darüber ist eine lange und kontroverse Diskussion entfacht.

Bildungsdezernentin Pia Steinrücke hatte von der Anfrage einen Tag zuvor im Finanzausschuss erfahren, denn dort hatte Stefan Minks (SPD) das Anliegen vorgetragen. In der Aula der Christianischule ging es dann gar nicht mehr darum, die 1700 Euro zu übernehmen, sondern das „sehr alte und reparaturbedürftige Fahrzeug“ abzustoßen und dem Stadtjugendring ein deutlich jüngeres Modell zur Verfügung zu stellen.

Die Stadt hat einen Ford Transit, Baujahr 2014, in ihrem Bestand. Steinrücke präsentierte ihn als Lösung für das nächste Jahr, allerdings soll der Bus Eigentum der Verwaltung bleiben. Der Stadtjugendring müsste dann keine Versicherungsbeiträge, Steuern, Reparaturen oder Spritkosten mehr zahlen. Die Stadt würde sich dann wiederum einen neuen Bus leasen. All das müsse aber erstmal geprüft werden, sagt sie.

Studierenden-Ausschuss soll ausgeschlossen werden

Ein Vertrag soll dann künftig regeln, welche Jugendgruppen ihn nutzen dürfen. Ausschließen möchte Steinrücke den Allgemeinen Studierenden-Ausschuss, kurz AStA, „der den jetzigen Bus stark nutzt“. Die Studentenvertretung gehöre nicht zur Zielgruppe und verfüge außerdem über ausreichend finanzielle Ressourcen, ein eigenes Fahrzeug zu finanzieren.

Das kam nicht gut an: So wies Henning Wildbret vom Stadtjugendring darauf hin, dass unter 27-Jährige per Gesetz noch als junge Menschen gelten, zudem wollte er wissen, ob die Stadt mit dem AStA gesprochen hat. Seine Idee, Jugendverbänden Priorität einzuräumen, befürwortet auch Lisa Apking von den Linken. „Eine Mitnutzung in Form einer Beteiligung halte ich für sinnvoll, meinen Informationen nach hat der AStA auch nicht viel Geld über.“

Auf dem Uni-Campus reagiert man überrascht: „Mit uns hat niemand gesprochen“, sagt Julius Finks, der auch darauf hinweist, dass der aktuelle Bus ebenso dem AStA gehöre wie dem Stadtjugendring (siehe Infobox). Im studentischen Haushalt seien keine finanziellen Mittel für ein eigenes Fahrzeug vorhanden, auch sei die generelle Nachfrage nach dem Bus nicht so groß, dass zwei Modelle in Lüneburg benötigt würden.

Reichlich Kritik gab es im Ausschuss von CDU-Mitglied Wolfgang Goralczyk, der sich angesichts des Antrags „überfahren“ vorkam. „Da gehe ich nicht mit. Wir reden von Fahrverboten in Innenstädten, da können wir doch keinen Bus mehr durch die Innenstadt schicken.“ Zudem seien die städtischen Kassen leer.

Alt oder neu? Was ist am Ende günstiger?

Steinrücke hielt dagegen, dass die Investition aus dem bestehenden Haushalt 2018 durchaus noch zu finanzieren sei und dem Budget des Fuhrparks entnommen werden könne. Jule Grunau (Grüne) versuchte, die Diskussion zurück zum eigentlichen Antrag zu führen. „Einen neuen Bus zu leasen, da wird man mit 1700 Euro nicht hinkommen“, sagt sie. Die Idee der Stadt sei mit deutlich höheren Kosten verbunden. Sinnvoller sei es, das aktuelle Modell so lange wie möglich weiter zu nutzen.

Die Frage, ob ein neuer Bus nicht aus Kostengründen sogar nachhaltiger sein könnte, warf Apking in den Raum. So müssten Reparaturen bezahlt werden, irgendwann führe der Weg dann an einem neuen Modell nicht mehr vorbei. „Ist es dann nicht sinnvoll, das jetzt zu machen?“ Um auch diese Aspekte zu prüfen, sprach sie sich für den Prüfantrag aus. Ebenso wie Birte Schellmann (FDP), die versuchte, die Gemüter zu beruhigen. „Beschließen werden wir das sowieso erst im Rat.“

Von Anna Paarmann

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AStA hat Bus bezahlt

Für 7500 Euro hat der AStA den Neunsitzer, der seine Erstzulassung im Jahr 2004 erhalten hat, erworben und sich damit ein Kontingent von 2000 Kilometern pro Jahr erkauft. Friedrich Laatz vom Stadtjugendring weist darauf hin, dass der AStA die jährliche Kilometerzahl bislang nur selten erreicht habe, weil die Buchungen oft nur halbe Tage umfassen würden. „Jugendverbände benötigen den Bus deutlich länger und fahren auch mehr Kilometer.“

Weil es damals schon Gespräche über eine mögliche Beteiligung der Stadt Lüneburg gegeben habe, sieht er die Verwaltung jetzt umso mehr in der Pflicht, die 1700 Euro oder aber die Vermietung mit einem eigenen Bus ganz zu übernehmen. Allerdings mit der studentischen Vertretung im Boot: „Ohne den AStA wäre das Projekt so nicht realisierbar gewesen, es hat sich bis heute bewährt.“