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Lüneburg-Kalender
Genau 110 Jahre liegen zwischen diesen beiden Aufnahmen von der Bardowicker Straße heute und der Ansicht, die Ulrich Steiger für seinen Jahreskalender ausgewählt hat. (Foto: t&w)

Seltene Blicke aufs alte Lüneburg

Lüneburg. „Es ist nicht ganz leicht, immer wieder interessante Motive zu bekommen“, weiß Ulrich Steiger. Seit vielen Jahren verfolgen der Inhaber der Lüneburger Einhorn-Apotheke und sein Bruder Thilo aufmerksam, was der Sammler-Markt über Lüneburg-Motive zu bieten hat. Vor allem Stadtansichten aus der Zeit der Anfänge der Fotografie bis etwa 1930 haben sie dabei im Blick. Jetzt liegen ihre neuesten Funde mit dem aktuellen Kalender „Lüneburger Stadtansichten“ für 2019 vor.

Schöne Motive für Sammler

„Viele werden vermutlich über das April-Kalenderblatt stolpern“, ist Ulrich Steiger überzeugt. Darauf zu sehen ist eine ungepflasterte Gasse, die zur Ostseite der Johanniskirche führt, umsäumt von schlichten Arbeiterhäusern. Auf einem kleinen Platz ist Wäsche zum Trocknen aufgehängt, im Vordergrund behauptet sich markant eine gußeiserne Trinkwasserpumpe. Der Ort: An der Altenbrücker Mauer.

„Die Gasse gibt es heute nicht mehr, sie hat wohl der Ilmenaustraße Platz machen müssen“, vermutet Steiger, dafür spreche auch das Datum der handkolorierten Aufnahme aus dem Jahr 1901. Aufnahmen wie diese faszinieren den Apotheker ganz besonders: „Früher wurden meist die Prunkseiten einer Stadt abgelichtet, in Lüneburg vor allem der Markt und der Sand“, weiß Steiner, der inzwischen zum 16. Mal gemeinsam mit seinem Bruder den Kalender herausgibt.

Preise im dreistelligen Bereich

Wie sehr solche Motive auch Sammlerherzen höher schlagen lassen, macht Steiger an entsprechenden ebay-Versteigerungen deutlich: „Heute werden dafür Preise im dreistelligen Bereich bezahlt.“

Für die Ausgabe 2019 hat Ulrich Steiger auch eine neue Quelle aufgetan. Acht der insgesamt zwölf Motive stammen von Rüdiger Schulz, dem Vorsitzenden des Bürgervereins Lüneburg. Darunter auch eine Aufnahme vom ehemaligen Fischerhaus am Bockelsberg aus dem Jahr 1912. Sie beeindruckt vor allem durch ihre Sicht auf die Weite der dahinterliegenden Ilmenau-Auen.

Außergewöhnlich auch eine Aufnahme vom Innenhof des Roten Hahns. „Die hier verwendete Photochromie-Technik ist eine echte Rarität“, sagt Steiger. Sie bilde gleichsam die Zwischenstufe zwischen den früheren handkolorierten Aufnahmen und der späteren Farbfotografie.

Insgesamt 8250 Euro eingenommen

Aktualisiert mit den neuen Aufnahmen haben die Steiger-Brüder auch ihr im letzten Jahr herausgegebenes Buch „Lüneburger Stadtansichten“, das wieder für 20 Euro zu haben ist. Von der Erstausgabe wurden 750 Exemplare verkauft. Und auch der Kalender 2018, der wie stets in der Einhorn-Apotheke gegen eine Spende abgegeben wird, fand wieder viele Liebhaber.

Insgesamt konnten so 8250 Euro eingenommen werden, „so viel wie noch nie“, freut sich Steiger, der den Betrag wie in jedem Jahr dem „Guten Nachbarn“ zugute kommen lässt. Damit sind jetzt allein hierdurch mehr als 81 000 Euro der gemeinsamen Hilfsaktion von Landeszeitung und freien Wohlfahrtsverbänden zugeflossen.

Von Ulf Stüwe