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Windkraftanlagen mit mehr als 100 Metern Höhe sollen künftig nachts nicht mehr dauerhaft blinken, sondern nur noch, wenn sich ein Flugzeug nähert. (Foto: t&w)

Schluss mit Dauerfeuer

Lüneburg/Berlin. Anwohnern geht das rote Leuchten am nächtlichen Firmament oft tierisch auf die Nerven und Fledermäuse werden von den Lichtsig­nalen direkt in eine Todesfalle gelockt – rein ins rotierende Windrad. Doch bald soll Schluss sein mit den dauerleuchtenden Warnlampen, die noch über Kilometer weit zu sehen sind. Die Nachtbefeuerung von Windenergieanlagen, die den Luftverkehr vor den Hindernissen warnt, soll künftig nur noch im Bedarfsfall eingeschaltet werden. Eine entsprechende Änderung des Erneuerbare Energien-Gesetzes ist jetzt in Berlin auf dem Weg, darüber freut sich Lüneburgs Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols (CDU). Auf Windparkbetreiber in der Region dürften damit allerdings erhebliche Kosten zukommen.

Für eine Pflicht zur „bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung“ hat sich jüngst der Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie in einer Beschlussempfehlung ausgesprochen, die laut Pols das Parlament jetzt angenommen hat. Demnach müssen bestehende sowie neue Windkraftanlagen ab dem 1. Juli 2020 mit neuer Technik ausgestattet werden. Auch im Landkreis Lüneburg hatten in der Vergangenheit einzelne Windpark-Betreiber, beispielsweise bei Betzendorf, über die Installation von aktiven Radaranlagen nachgedacht, die die Leuchtfeuer erst dann einschalten, wenn ein Flugobjekt in der Nähe ist. Wegen der Radarstrahlung einerseits und der hohen Kosten andererseits war die Idee aber wieder verworfen worden.

Ende des Blinkens soll Akzeptanz erhöhen

Im Frühjahr hatte die Deutsche Luftsicherung allerdings ein vom Fraunhofer-Institut mitent­wickeltes, passives Radar-System zugelassen. Es nutzt zur Ortung bestehende Fernseh- und Mobilfunkwellen, um die Nachtkennzeichnung von Windrädern zu steuern. Da die neue Pflicht nicht auf eine Technologie festgelegt ist, könnten auch andere zugelassene Verfahren eingesetzt werden, die beispielsweise auf der Auswertung von Transpondersignalen von Luftfahrzeugen basiert, heißt es in der Drucksache 19/6155 des Deutschen Bundestags.

Die Neuregelung gelte laut Pols aber nur für Windkraftanlagen, die aufgrund ihrer Höhe ein Hindernis für den Luftverkehr darstellen und einer Nachtkennzeichnungspflicht unterliegen. „Vor allem ältere Windkraftanlagen unter 100 Metern müssten derzeit nicht nächtlich sichtbar gemacht werden“, heißt es in einer Pressemitteilung von Pols.

Der Bürgermeister der Gemeinde Südergellersen, Steffen Gärtner, zeigt sich erfreut über die Neuregelung des Bundes: „Wir haben bei uns vor Ort 17 Windenergieanlagen, für die die Gesetzesänderung relevant ist. So wichtig uns als Gemeinde die Förderung der erneuerbaren Energien ist, rief das nächtliche Blinken der Anlagen jedoch auch kritische Stimmen hervor.“ Und: „Ich bin überzeugt, dass die Neuregelung ein richtiger Schritt in Richtung besserer Bürgerakzeptanz ist.“

Teure Nachtkennzeichnung

Ähnlich sieht das Heiner Luhmann, Bürgermeister der Samtgemeinde Bardowick, die Mitgesellschafterin des Bürgerwindparks Bardowick ist. Luhmann sagt auf LZ-Nachfrage: „Schon zu Beginn der Informationsveranstaltungen zum geplanten Windpark haben Bürger, Politik und Verwaltung auf die zu erwartende Belastung durch die Nachtkennzeichnung der Windenergieanlagen hingewiesen.“ Daraus habe sich die Forderung nach einer alternativen Absicherung des Flugverkehrs entwickelt. Luhmann: „Gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg und weiteren Windparkbetreibern hat sich die Samtgemeinde Bardowick auf den Weg begeben, ein geeignetes radargestütztes Warnsystem ausfindig zu machen.“ Wenn der Bund jetzt eine bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung beschließt, sei das „im ersten Schritt begrüßenswert“, sagt Luhmann. Aber: „Da die angebotenen Systeme jedoch noch sehr kostenträchtig sind, sollte im zweiten Schritt eine Kofinanzierung seitens des Bundes installiert werden.“

Von Dennis Thomas

2 Kommentare

  1. Und wie verhält es sich mit dem Infraschall, der zu Schlafstörungen und Herzschwäche führen kann? Wird der auch nur bedarfsweise eingeschaltet?

  2. Der Infraschall ist auch nur bei „Bedarf“ da: wenn Wind weht. Aber Infraschall ist immer und überall. Muss ich als Messtechniker für Akustik immer wieder feststellen. Windräder sind da nur eine Quelle.