Dienstag , 17. September 2019
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Entspannt geht es zu beim lunatic, selbst der Platz zum Pausemachen ist ungewöhnlich. Foto: oc

Das Festival macht Pause

Lüneburg. Nach Wacken knattern die Lederjacken, weil Wacken ist – egal, wer auftritt. Das Festival funktioniert wie eine Marke, ein idealer Zustand für die Macher. Selbstgänger zu werden wie Wacken, das schaffen nur wenige Festivals. Eines davon ist das Lüneburger lunatic auf der Leuphana-Wiese vor der Mensa, inhaltlich zu 99 Prozent das Gegenteil von Wacken. Es besitzt einen Ruf, der weit über die Stadt hinaus hallt und meldet stets lange vor dem Start: Ausverkauft! Und trotzdem wird es 2019 nach 15 Jahren kontinuierlichen Aufbaus und viel Wachstums kein lunatic geben.

lunatic folgt Prinzipien der Nachhaltigkeit

„Es gibt nichts Vergleichbares“, sagt Axel Bornbusch zum lunatic-Konzept. Bornbusch ist mit Sarah Kociok seit vielen Jahren Motor des Festivals. Das nicht Vergleichbare hat vor allem zwei Aspekte, Nummer eins: Das lunatic folgt Prinzipien der Nachhaltigkeit, sucht das Innovative, verbindet Musik, Kunst und Information. Mittlerweile bildet das lunatic eine Art Bindeglied zu zwei später konzipierten Festivals mit ähnlichem Ansatz. Die Nachwuchs-Ausgabe ist das von Schülern durchgeführte Jakob Festival im Kurpark. Für die Generation(en) nach dem Studium bietet „A Summer‘s Tale“ eine professionell aufgezogene Variante.

Große Veranstalter engagieren für ihre Arbeit gern junge Menschen mit lunatic-Erfahrung, dazu zählt zum Beispiel „A Summer‘s Tale“. Das ist eine Folge des zweiten, formal bedeutenderen Punkts der Unvergleichbarkeit: Das Non-Profit-Festival wird komplett von Studierenden organisiert und gestaltet. Mehr Praxis geht nicht. Möglich war das bisher durch das Seminar „Organisation eines nachhaltig orientierten Musikfestivals“. Das Seminar lief über zwei Semester. Im ersten wurden Grundlagen gelegt, mit den vergleichsweise erfahrenen Studierenden im zweiten Semester wurden sie – nach kurzer Vorbereitungszeit im Sommersemester – die Verantwortlichen für das Festival, bei dem Bands von Madsen bis Mighty Oaks auftraten.

Kein Glück bei der Suche nach Nachfolgern

Seminarleiter waren seit Jahren Sarah Kociok und Axel Bornbusch, letzterer ist Geschäftsführer der ClubKulturWerke GmbH, die den Salon Hansen, Schröders Garten, den Freiraum und die HausBar betreiben. Kociok und Bornbusch haben seit Längerem ihren Rückzug aus der ersten Reihe angekündigt. Der Aufwand ist für sie nicht länger leistbar. Eine Nachfolge zu finden, ist trotz einer Ausschreibung nicht gelungen.

Damit fällt das Seminar aus, künftige „lunauten“ sind vorerst nicht in Sicht. Der lunatic-Verein muss nun sehen, wie er den Erfahrungsverlust kompensieren kann, wie er sich so aufstellt, dass es 2020 weitergeht. Das Festival, das zuletzt mit einem Etat von mehr als 200.000 Euro wirtschaftete, müsse professionalisiert werden, meint Bornbusch. Zwei halbe Stellen, für die aber kein Finanzier zu sehen ist, würden helfen. Der Seminarbetrieb müsste neu in Gang kommen, Komptenzteams müssten für die Bereiche von Finanzen bis Booking Verantwortung übernehmen. Ideen gibt es einige, „grundsätzlich bin ich optimistisch“, sagt Bornbusch.

Der innovative Ansatz des Festivals wurde wiederholt ausgezeichnet, 2007 mit dem Jimmy and Rosalynn Carter Partnership Award, 2009 mit dem Lüneburger Stelljes-Preis.

Von Hans-Martin Koch