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Böhmsholz
Um den Waldgasthof in Böhmsholz gibt es erneut Streit: Vermieter und Pächter erheben gegenseitig Vorwürfe. (Foto: t&w)

Schatten über Böhmsholz

Lüneburg. Er liegt so idyllisch und ist ein wunderbares Ausflugsziel, doch in den vergangenen Jahren gibt es immer wieder Streit um den Waldgasthof Böhmsholz: eine Insolvenz, Auflagen des Landkreises in Sachen Hygiene, ein Wirt, der im Zwist auszieht, ein Nachfolger, der nun wie sein Vorgänger Vorwürfe gegen den Eigentümer erhebt – voraussichtlich Ende Januar beschäftigt sich das Landgericht mit dem Fall.

Konflikt um Pacht und Inventar

Worum geht es? Im Mai 2016 hat Norbert Schmidt den Gasthof gepachtet. Er sagt, damals sei vereinbart worden, dass der Eigentümer, Eckhard Schmidt, beide sind nicht verwandt, einige Dinge in Ordnung bringt, unter anderem sollten Fenster ausgetauscht werden: „Im Winter zieht es so, dass die Gäste wegbleiben. Wir bekommen den Laden kaum warm.“ Auch sollten zwei Kühlzellen eingebaut werden: „Das ist bis heute nicht passiert. Ich habe jetzt fünf Kühlschränke und sieben Eistruhen laufen.“ Als eine gewerbliche Spülmaschine den Geist aufgab, habe sein Vermieter ihm gesagt: „Dann wasch‘ doch mit der Hand ab.“ Für Norbert Schmidt einfach zu viel: „Ich habe mit Inventar gepachtet.“ Im Februar habe er nach erfolglosen Gesprächen aufgehört, die Pacht zu überweisen. Nebenkosten aber zahle er.

Vermieter Eckhard Schmidt hält dagegen: Der Mieter wusste um den Zustand des Gebäudes. „Ich habe einen Backofen und den Bau eines Pavillons bezahlt.“ Alles in allem habe er rund 350 000 Euro investiert, das habe auch mit der Unterbringung von Flüchtlingen zu tun gehabt. Bekanntlich hatte die Stadt vor zwei, drei Jahren händeringend nach Räumen gesucht, weil immer mehr Menschen kamen und es kaum Bleiben gab. Die Bewohner lebten aber im ehemaligen Schullandheim, nutzten einen Saal als Kantine. Inzwischen benötigt das Rathaus die Immobilie nicht mehr. Eckhard Schmidt sagt: „Ich bekomme mehr als 60 000 Euro von dem Pächter. Wenn er nicht zahlt, kann ich nicht investieren. Das ist eine Frechheit, ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Zudem sei das mit den Nebenkosten so eine Sache, denn der Pächter nutze Räume, die er nicht angemietet habe.

Eigentümer will verkaufen

Der jetzige Eigentümer hat das Anwesen aus einer Insolvenz herausgekauft – sein Bruder war dort zuvor wirtschaftlich gescheitert. Nun sagt Eckhard Schmidt, dass er verkaufen wolle, eben weil sein Finanzierungskonzept durch den Pachtausfall leide. Im Internet finden sich sofort entsprechende Treffer: Die Immobilie wird für 850 000 Euro angeboten. Er sagt: „Ich habe zwei ernsthafte Interessenten.“

Pächter Norbert Schmidt hingegen hegt Zeifel: „Alle, die hier waren, sind abgesprungen.“ Es gehe um Verträge, in denen Erbpacht eine Rolle spiele, zudem müsse man eine Menge investieren, um die Gebäude auf Vordermann zu bringen. Mit einem Verwandten habe er Böhmsholz kaufen wollen: „Wir rechnen damit, dass wir bis zu eine Million reinstecken müssten.“ Auf eine ähnliche Summe war Klaus Hoppe bereits im Mai 2015 gekommen. Damals hatte der Geschäftsführer der Campus-Gesellschaft, die jetzt die Arena Lüneburger Land betreiben will, Interesse gehabt, den Waldhof aus der Insolvenzmasse zu erwerben. Er sprang damals ab: „Zu teuer.“

Norbert als auch Eckhard Schmidt erheben beide Vorwürfe gegeneinander. Fraglich, ob sich beide Seiten beim ersten Termin vor dem Landgericht einigen. Denn Norbert Schmidt sagt: „Ich habe noch einen Mietvertrag über siebeneinhalb Jahre.“ Aus dem müsse ihn ein Interessent oder der Eigentümer schon „rauskaufen“. Vermutlich gibt es dazu verschiedene juristische Auffassungen. Dann kann es lange dauern.

Von Carlo Eggeling

4 Kommentare

  1. Vielleicht baldowern Herr Nahrstedt und Herr Mädge ja ein Subventionskonzept aus, das ermöglicht, erneut „die Steuerbürgerschaft“ den Kauf und die Komplettsanierung des Anwesens für Herrn Hoppe aufkommen zu lassen. Und wenn die kommunalen Betriebszuschüsse dann die Million Euro p. a. für die nächsten dreißig Jahre nicht überschreiten, könnte aus dem Waldgasthof Böhmsholz eine Rekreationsanlage von Premiumdimensionen für die wellnessbedürftigen Lünehünen von Herrn Bahlburg und dessen VIP-Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur werden.

  2. Viele Versuchen sich in der Gastronomie.

  3. @Otto: Das Ganze funktioniert aber nur, wenn erst Sallier das Gelände kauft und dann an die Stadt mit Gewinn verkauft!

    • … und wenn auch an Eberhard Manzke, den Bauausschussvorsitzenden des Rates, gedacht wird, dem von der öffentlichen Hand gefälligst zeitnah nebst Verkehrsanbindung eine Tiefgarage mit siebzehn Parkebenen à 65 Stellplätzen unterhalb des Biergartens zur privaten Bewirtschaftung und Gebührenvereinnahmung zur Verfügung zu stellen ist 😉