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Osama Alaseed engagiert sich beim Technischen Hilfswerk. Der Syrer ist Mitglied der Bergungsgruppe, da geht er mit schwerem Gerät wie einem Trennschleifer um. Foto: ca

Osama Alaseed schätzt das Miteinander beim THW

Lüneburg. Wenn die Elbe sich wieder mal mehr als breit macht in ihrem Bett oder ein Haus einstürzt, wäre auch Osama Alaseed gefordert: Der 30-Jährige engagiert sich im Lüneburger Technischen Hilfswerk. Das THW wird gerufen, wenn es darum geht, nach Katastrophen zu helfen. Der gebürtige Syrer hat mehrere Lehrgänge durchlaufen, in seinem Zug geht es um „schwere Bergung“, also zum Beispiel Betonbrocken zur Seite zu räumen. Die Spezialisten bewegen mit Luftkissen bis zu 120 Tonnen Gewicht. Im THW an der Rabensteinstraße freuen sie sich über ihren neuen Kameraden. Tenor: „Einer von uns.“

Integration aus Eigeninitiative

Alaseed stammt aus der Stadt Qamischli nahe der türkischen Grenze. Er habe nicht in der Armee dienen wollen und sei deshalb aus Syrien geflüchtet, erzählt er: „Ich habe meine Arbeit verloren und durfte nicht studieren.“ Er kam zunächst nach Neunkirchen im Saarland, nach einem Vierteljahr nach Reppenstedt. Ihm sei klar gewesen, dass er schnell Deutsch lernen und etwas dafür tun müsse, um Leute kennenzulernen: „Im August 2016 habe ich bei Facebook vom THW gelesen.“ Kurz darauf kam er zum ersten Dienst.

„Osama hat sich sehr bemüht, Deutsch zu lernen“, sagt Godeke Klinge, stellvertretender Leiter des THW. Am Anfang ging es zudem auf Englisch und mit Händen und Füßen, doch Stück für Stück wurde der „Neue“ sicherer. „Er musste seine theoretische und praktische Prüfung auf Deutsch absolvieren. Deshalb war er von Anfang an gefordert.“

Alaseed hat sich dabei nicht nur auf das THW verlassen. Er besuchte Sprachkurse, jobbte am Stint und er sang in einem Chor im Mosaique, einem Treffpunkt für Zugewanderte; und er ist dankbar für die Unterstützung von Renate und Jürgen Backhaus in Reppenstedt, beide aus der Politik und der Umweltbewegung bekannt.

In seiner Heimat hat der THW-Mann in einem Stellwerk der Bahn gearbeitet, daher bringt er ein technisches Grundverständnis mit. Trotzdem musste er hier viel pauken, um nun in seiner Gruppe mitanpacken zu dürfen, denn ungefährlich ist der Umgang mit schwerem Gerät nicht. Wie alle anderen, leistet er jeden Donnerstag seinen „Dienst“, dazu kommen Übungen an Wochenenden. Ehrenamtlich versteht sich.

Zweite Heimat in Lüneburg gefunden

Alaseed gefällt am THW, was auch Jan Menssen als eine Grundlage für die Zusammenarbeit nennt: das Miteinander. Man muss sich aufeinander verlassen können. So ist es eben mehr, als etwa den Umgang mit der Motorsäge zu proben. Die Männer und Frauen treffen sich auch in ihrer Freizeit. Menssen sagt: „Hier kommen einige her, die neu in Lüneburg sind, um Leute kennenzulernen.“ Eben auch Zuzügler aus anderen Bundesländern. Insofern sei Osama eigentlich einer wie die anderen auch.

Er will jedenfalls bleiben. Denn Lüneburg ist nun etwas wie Heimat für ihn, er absolviert eine zweigleisige Ausbildung in Schule und Betrieb zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Das THW als Ehrenamt passe gut dazu.

Von Carlo Eggeling