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Ein Blick im Jahr 2011 in die Möllering-Villa: Der Boden wölbt sich nach oben. Foto: t&w

Wer küsst Dornröschen wach?

Lüneburg. Das Haus steht seit 2009 unter Denkmalschutz, doch genutzt hat es der Möllering-Villa bislang nichts. Nun könnte Bewegung in die Sache kommen: Vertreter des Rates haben sich mit dem Eigentümer Manfred Schulte im Haus umgesehen. Nun entwickeln sie Ideen, was man mit dem mehr als 100 Jahre alten im Heimatstil erbauten „Waldhaus“, so ein anderer Name, machen könnte. Davon gab es bislang einige. Aus keiner ist etwas geworden. Im Rathaus spielt Oberbürgermeister Ulrich Mädge den Ball zu Schulte: „Der Eigentümer wusste beim Kauf um den Bebauungsplan, um die Denkmaleigenschaften und um die historische Bedeutung. Nun muss es endlich mal konkret vorangehen, nicht, dass noch jemand auf den Gedanken kommt, es sei Strategie des Eigentümers, das Haus verfallen zu lassen. Bis Ende Februar möchte ich Pläne sehen.“

Es ist eine Geschichte so zäh wie ein altes Kaugummi. Schulte hatte das Haus vom ehemaligen Trägerverein Die Brücke übernommen, der dort über Jahrzehnte die Psychiatrische Klinik Häcklingen betrieb, bevor er 2007 nach Uelzen umsiedelte. Er hatte damals den Wunsch einen Beherbergungsbetrieb und ein Lokal zu schaffen. Daraus wurde mit Blick auf den Bebauungsplan und zu erwartenden Anwohnerbeschwerden im gerade entstehenden Baugebiet nichts.

Arbeit an einem neuen Konzept

Parallel wollte eine Initiative das Haus retten und dort ein Dokumentationszentrum einrichten. Der Hintergrund: Am Ende des Zweiten Weltkriegs spielte das Haus eine Rolle bei den Kapitulationsverhandlungen zwischen den geschlagenen Deutschen und den Alliierten, namentlich der Briten. Es gab zig Ankündigungen, aber das Geld für einen Kauf und den Betrieb einer Forschungseinrichtung kam wohl bis heute nicht zusammen.

Die deutsche Delegation trifft am 3. Mai 1945 an der Möllering-Villa in Häcklingen ein, dort dort sollen die Verhandlungen mit den Briten beginnen. Doch am Ende werden die Dokumenten am Timeloberg bei Wendisch Evern unterzeichnet. Das Bild wurde bei einer Ausstellung des Salzmuseums gezeigt. Repro: ca

Schon die Klinik Häcklingen wollte das Gebäude abreißen lassen, Bauland wäre attraktiv gewesen. Auch Investor Manfred Schulte fand es wirtschaftlich kaum zumutbar, das Haus zu sanieren. Schon als er 2011 mit der LZ durch das Gebäude ging, war der Boden aufgerissen, an manchen Stellen aufgequollen, Schwamm und Schimmel steckten in Gebälk und Mauern. Daran hat sich nichts verändert. Schulte sagt, dass er Auflagen erfüllt, durch die das Haus nicht weiter verfalle. Das Bauamt kontrolliere das.

Inzwischen lässt Schulte seinen Antrag auf sogenannte Unrentierlichkeit ruhen, das bestätigt auch die Stadt. Schulte sagt: „Wir arbeiten an einem neuen Konzept.“ Das Grundstück habe zwar eine Fläche von 10 000 Quadratmetern, doch im Prinzip könne man nur den Grundriss der Villa nutzen – das bedeutet wenige Wohnungen und hohe Kosten. Er sei mit Vertretern des Landes und der Stadt im Gespräch, was möglich sei. Bereits 2013 hatte Schulte die Kosten der Sanierung auf bis zu 2,5 Millionen Euro geschätzt. Die Summe dürfte angesichts der Baukonjunktur eher gestiegen sein.

Wird das Haus Erinnerungsstätte?

Der Denkmalschutz stützt sich vor allem auf die Verhandlungen am Kriegsende. Letztlich wurde die deutsche Kapitulation bereits am 4. Mai 1945 bei Lüneburg besiegelt. Am 8. Mai in Berlin-Karlshorst ging es noch um die russische Zustimmung. Lokalpatrioten beziehen sich in ihrer Argumentation unter anderem auf Bilder, die die Delegation um Generaladmiral Hans Georg von Friedeburg vor der nach ihrem zeitweiligen Besitzer benannten Möllering-Villa zeigen. Allerdings ist dieser Eindruck heute nicht mehr stimmig: Ein Wirtschaftstrakt des Ensembles wurde weggerissen.

Aus dem Rathaus heißt es: „Wir wollen den Erhalt des Gebäudes und können uns idealerweise zumindest in einem Teil des Hauses eine geschichtliche Erinnerungsstätte vorstellen.“ Keine Anmerkung findet sich dazu, wer sie bezahlt.

von Carlo Eggeling