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Hier entsteht etwas Leckeres: Imker Karl-Heinz Güldner kontrolliert den selbst angesetzten Honiglikör. Foto: t&w

Die kleinen Honigproduzenten

Tosterglope. Karl-Heinz Güldner liebt die Natur: „Ich kenne hier jede Ecke, jeden Stock und jeden Stein“, sagt der 67-Jährige. Das ist auch nicht verwunderlich. Schon als passionierter Reiter war der Tostergloper am liebsten in der Elbtalaue unterwegs. „Als ‚Buschreiter‘ sozusagen“, berichtet Güldner.

Zu Pferde ist der 67-Jährige nicht mehr unterwegs. Seine Leidenschaft gilt jetzt deutlich kleineren, aber nicht minder faszinierenden Tieren: Bienen. Gülder ist Imker. Und nicht irgendeiner: Der gebürtige Hallenser ist seit wenigen Tagen offizieller „Partnerbetrieb des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe“ – und damit zugleich der erste Imker zwischen Lauenburg und Schnackenburg, der mit dem Partner-Logo des Biosphärenreservats werben darf. Damit gehört der Elbhöhen-Imker Karl-Heinz Güldner zum erlauchten Kreis der 45 Partnerbetriebe in Niedersachsen. Im gesamten Biosphärenreservat, das über fünf Bundesländer von Lauenburg in Schleswig-Holstein bis nach Sachsen-Anhalt reicht, sind es 137 Unternehmen, die sich für eine nachhaltige Regionalentwicklung engagieren.

180 Fragen auf 20 Seiten in der Größe DIN A 4

„Diese Auszeichnung bekommt man mal nicht eben so, dafür muss man schon einiges tun“, sagt Güldner. So sei zum Beispiel schon der Fragebogen eine echte Herausforderung gewesen: „180 Fragen auf 20 DIN-A-4-Seiten“, erinnert sich der Imker. Fragen zum Betrieb, zur Nachhaltigkeit und zur Arbeitsweise mussten beantwortet werden – und nicht immer war für Güldner klar ersichtlich, was er denn nun antworten muss. „Das liegt daran, das es sich bei dem Fragebogen um ein festgelegtes Formschreiben handelt, das bundesweit für alle 28 Schutzgebiete gilt“, erklärt Lucia Klein von der Biosphärenreservatsverwaltung – „nur so lässt sich eine Vergleichbarkeit gewährleisten.“

Dass sich die Partnerbetriebe des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe durch eine nachhaltige Wirtschaftsweise, durch Ressourcenschonung und Umweltbewusstsein auszeichnen, versteht sich von selbst.

Güldner stellt seine Bienenstöcke nur im Biosphärenreservat auf– und trägt somit zur Erhaltung der artenreichen Flora und Fauna des Naturparks Elbhöhen-Wendland bei. „Unser Naturpark ist geprägt durch vielseitige und ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft und bietet meinen Honigbienen die optimale Umgebung“, sagt der Toster-gloper, der erst spät die Imkerei für sich entdeckt hat: „Ich habe erst vor sechs Jahren damit begonnen“, sagt Güldner, der ursprünglich Elektromonteur gelernt, dann aber Staatswissenschaften studiert hat, staatlich geprüfter Schwimmmeister war, als Restaurant-Fachmann gearbeitet hat und jetzt für eine Versicherung tätig ist.

„Wer sich mit Bienen beschäftigt, erfährt viel über Zusammenhänge in der Natur.“ – Karl-Heinz Güldner , Elbhöhen-Imker

„Die Imkerei war ursprünglich gedacht für die Zeit als Rentner“, sagt der Tostergloper, wohlwissend, dass die Beschäftigung mit den fleißigen Insekten längst mehr ist, als bloßer Zeitvertreib. „Wer sich ernsthaft mit Bienen beschäftigt, erfährt viel über die Zusammenhänge in der Natur“, ist der Elbhöhen-Imker überzeugt – „über Fauna und Flora.“ Als ausgebildeter Imker lebe man im Einklang mit Natur und Jahreszeiten. „Ohne Stress und Hektik“, betont Güldner. Aber mit einiger Arbeit – getreu dem Motto: „Ein Imker hat keine Pause, die Biene auch nicht.“

Auf die Winterzeit stellen sich die Imker bereits im Spätsommer ein. Ende Juli, wenn der Honig entnommen wird und die Winter-Fütterung beginnt. Wird es dann auch noch kalt mit Nachtfrösten, werden die Bienenvölker im Kampf gegen die Varroamilbe mit Oxalsäure behandelt. Das sollte frühestens Anfang November, spätestens bis Weihnachten passieren. „Länger sollte man auf keinen Fall warten, weil bereits zur Wintersonnenwende, bzw. nach längeren Wärmeperioden, die Bienen wieder mit dem Brüten beginnen können“, heißt es dazu in der einschlägigen Fachliteratur.
Darüberhinaus gibt es auch handwerklich viel zu tun für den Imker: Rähmchen müssen gereinigt, repariert und gestrichen, das Material für die nächste Saison vorbereitet werden.

Die Reinzucht von Bienenköniginnen als Ziel

Außerdem ist Karl-Heinz Güldner im Kreisimkerverein aktiv, der alleine im vergangenen Jahr 48 Nachwuchs-Imker ausgebildet hat. „Das Interesse in der Bevölkerung ist da“, freut sich der Tostergloper, der sich noch auf ein ganz besonderes Gebiet der Imkerei spezialisiert hat: Als Mitglied der Norddeutschen Peschetz Zuchtgemeinschaft e.V. hat sich der Tostergloper der Reinzucht von Bienenköniginnen verschrieben. „Ziel ist es, für mich wie auch für andere Imker, reinrassige Bienenköniginnen zu züchten, die mit den heutigen Bedingungen unserer Umwelt besser klar kommen“, erklärt der Imker aus Tosterglope.

„Ich bin der größte Tierzüchter in der Region,“ hatte der 67-Jährige mal launig bei einem Treffen angemerkt – und dafür so manch irritierten Blick geerntet: Doch der 67-Jährige hatte nichts Falsches behauptet. Sie sind halt nur nicht sehr groß – seine fleißigen Bienchen …

Daten, Fakten, Zahlen

Biospärenreservat „Flusslandschaft Elbe“

Das länderübergreifende Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe“ wurde 1997 von der UNESCO anerkannt, hat eine Fläche von rund 3 430 Quadratkilometern und erstreckt sich über 400 Kilometer entlang der Elbe. Die fünf Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben Anteil daran. Auf Niedersachsen entfallen etwa 16 Prozent der Gesamtfläche. Das sind 567 Quadratkilometer – auf einer Länge von insgesamt 95 Stromkilometern.

von Klaus Reschke