Aktuell
Home | Lokales | Krawumm!
Foto: ©strichfiguren.de/stock.adobe.com

Krawumm!

Der Vormarsch der Mongolen war den Chinesen ein Dorn im Auge. Wie aber sollten die furchtlosen Krieger eingeschüchtert werden? Natürlich: mit Raketen! Bereits vor 800 Jahren, im 13. Jahrhundert, zündeten chinesische Soldaten kleine Zünder mit Schwarzpulver und ließen die Geschosse auf die Mongolen niederregnen. Die sollen laut Überlieferungen weniger Furcht vor der verletzenden Wirkung gehabt haben, sondern eher durch den Lärm, Rauch und Gestank verunsichert gewesen sein.

Drei Bauteile sind Pflicht

Indes, das Prinzip einer Rakete hat sich bis heute nicht geändert. Drei Bauteile sind Pflicht: die Zündschnur, ein Behälter mit der Treibstoffmischung und ein Behälter mit dem Material für den Funkenschweif. Bis zu acht Sekunden dauert es, bis die brennende Lunte den sogenannten Raketenmotor erreicht hat, der in der Regel mit einem Gemisch aus Schwarzpulver und Titan gefüllt ist. In der Realität ist der Motor natürlich nur ein Pappröhrchen. Die Explosion des Gemisches im Röhrchen verursacht den Schub, der die Rakete in die Höhe steigen lässt. Dabei dient der Holzstab dazu, dass die Rakete nicht orientierungslos durch die Gegend fliegt, sondern eine gerade Flugbahn hat. Je länger der Stab, desto stabiler die Flugbahn. Für den funkelnden Schweif sind übrigens die Titanpartikel oder auch Eisenspäne verantwortlich.

Grafik: tl
Oben am Himmel hat das Schwarzpulver dann auch seinen Weg in den Laderaum gefunden. Dort lagern kleinste Kügelchen, die mit verschiedenen Stoffen ummantelt sind. Und diese Stoffe sind für die verschiedenen Farben verantwortlich, die am Himmel zu sehen sind: Kupfersalze zum Beispiel bilden blaue Sterne, Strontium ist für die Farbe Rot verantwortlich. Die Salze müssen Temperaturen von mehr als 1000 Grad Celsius aushalten. Diese Hitze regt die Elektronen der Salze an. Und in dem Moment, in dem sie in ihren ursprünglichen Zustand zurückfallen, sondern sie Licht ab – das am dunklen Himmel in Form von Blitzen zu sehen ist.

Raketen explodieren tiefer als man denkt

Einige Raketen erzeugen auch Pfeiftöne, sie werden im Volksmund „Heuler“ genannt. Hier sind dem Schwarzpulver im Raketenmotor zusätzlich anorganische Salze verpasst worden, die voller Sauerstoff sind. Werden sie abgebrannt, entstehen Tausende kleiner Explosionen: Die Luft wird in Bewegung gesetzt und beginnt zu pfeifen. Übrigens: Mitunter sieht es so aus, als ob die Raketen weit, weit oben am Himmel explodieren. In Wirklichkeit sind es aber gerade einmal 100 Meter.

Silvesterböller beherbergen in ihrem Inneren ebenfalls Schwarzpulver. Nur ist ihre Hülle wesentlich stabiler als die von Raketen. Ist der Überdruck durch die entstandenen Gase zu groß geworden, platzen die Böller – und verursachen den lauten Knall.

Die Umwelt wird durch die Knallerei nicht gerade geschont. Auf dem Land geraten Wildtiere in Panik; auch Hundehalter können alljährlich ein Klagelied anstimmen. Abgesehen davon verdrecken die Überreste der Raketen und Böller Straßen und Rasen. Vielleicht sollten einige Böller-Freudige sich der Maxime „Weniger ist mehr“ hingeben und nicht wie im vergangenen Jahr beide Weltkriege vor der Haustür nachspielen. Eine symbolische Rakete würde es vielleicht auch tun. Wir müssen ja nicht die Mongolen vertreiben.

Von Thorsten Lustmann