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Gelbe Säcke
Es bleibt dabei: Plastik-Müll landet in gelben Säcken und nicht in gelben Tonnen. (Foto: A/t&w)

Kein Platz für die Tonne

Lüneburg. Die Zeit drängt. Zwar endet die Vertragslaufzeit mit dem Dienstleister für die Entsorgung der gelben Säcke erst Ende 2019, doch schon zum kommenden Frühjahr – dann soll in neue Verhandlungen getreten werden – muss geklärt sein, mit welchem System Lüneburg weitermachen will: mit den gelben Säcken oder künftig mit gelben Tonnen. Im jüngsten Umweltausschuss wurden Vor- und Nachteile abgewogen, am Ende gab es ein klares Ja für die Beibehaltung des gelben Sacks. Eine kleine Änderung soll es dennoch geben.

„Es gibt keine eklatanten Unterschiede“, ließ Oliver Schmitz die Ausschussmitglieder in der Sitzung wissen. Und selbst eine Umstellung von Sack auf Tonne sei kein großer Aufwand, betonte der Chef des Lüneburger Entsorgers GfA. Doch bei einem Punkt wurde allen Teilnehmern schnell klar, wohin die Reise gehen wird: „Für das Aufstellen von Tonnen gibt es vor allem im Innenstadtbereich ein Platzproblem“, sagte Schmitz.

„Die Säcke sind das viel größere Problem.“ – Karl Wurm , BUND

Auch von einem gemischten System riet der GfA-Chef ab: „Eine gelbe Tonne kostet 20 Euro. Die Säcke noch zusätzlich anzubieten, wird zu teuer.“ Rund eine Million dieser gelben Plastikbeutel werden laut Schmitz pro Jahr allein für die Stadt benötigt, Kosten: 25 000 Euro. Der Betrag würde sich allerdings um rund 3000 Euro erhöhen, wenn das Material der Säcke stärker werden soll, wie Ralf Gros (Grüne) anregte. Denn häufig würden die Säcke reißen und der Müll auf der Straße landen.

Deutlich mehr Abfall als lizenziert

Das kritisierte auch Karl Wurm vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Statt der Säcke plädierte er für unterschiedlich große Tonnen, auch, weil die Plastikbeutel häufig zweckentfremdet würden und die große Anzahl kostenlos verteilter Säcke „nicht mit dem eigentlichen Einsammelzweck konform“ gehe. „Die Säcke sind das viel größere Problem“, sagte Wurm.

Die Zweckentfremdung räumte auch Oliver Schmitz ein. Als deutlich größeres Problem aber nannte er die sogenannten Mehrkomponenten-Verpackungen aus Papier und Folie, Tetrapak-Verpackungen seien auch „nicht ökologisch wertvoll, sondern eine Katastrophe“. Ohnehin würde mit 32,5 Kilo Leichtverpackungen pro Lüneburger Einwohner 40 Prozent mehr Müll in den gelben Säcken landen als für das Duale System mit 20 Kilogramm lizenziert seien. Zudem lande manches im Beutel, was dort nicht hineingehöre. Fest stehe aber auch: „Einer Verpackung kann man heute nicht mehr ansehen, ob sie vom Dualen System lizenziert ist.“

Entscheidung über das künftige System

Stefan Minks (SPD) äußerte „viel Sympathie für den BUND“, auch würden dickere Beutel das Problem der Zweckentfremdung vermutlich noch verstärken. Er plädierte dennoch für die Säcke, „denn wir haben nun mal ein Platzproblem“.

Weniger Verständnis für den Vorschlag von Karl Wurm hatte Hiltrud Lotze (SPD). Hier gehe es nicht darum, Menschen zu erziehen, sondern eine Entscheidung über das künftige System zu treffen. „Auf die Hersteller-Verpackung haben wir hier keinen Einfluss“, sagte die Ausschussvorsitzende. Aber auch sie folgte dem Gros-Vorschlag, in die Vertragsverhandlungen auch die Reißfestigkeit der Plastikbeutel mit aufzunehmen.

Ebenfalls aufgenommen werden soll die Anpassung der „generellen Grundverteilung“, also die Belieferung von Rollen mit gelben Säcken pro Haushalt. Laut Schmitz soll jeder Haushalt künftig zwei statt bisher einer Rolle erhalten. Am Ende folgte der Ausschuss einstimmig dem Vorschlag der Stadt, die Leichtverpackungen auch künftig mittels gelber Säcke zu entsorgen. Nur in großen Wohnanlagen sollen weiterhin Großbehälter aufgestellt werden.

Von Ulf Stüwe