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Neujahrsbaby
Erschöpft, aber überglücklich kuschelt Jasmin Helmrich mit ihrer Tochter Mia Jolie. Noch im Kreißsaal hat die junge Frau erfahren, dass sie das erste Baby im neuen Jahr zur Welt gebracht hat. (Foto: be)

Mia Jolie wartet bis nach Mitternacht

Lüneburg. Jasmin Helmrich hatte schon mit einer Punktlandung gerechnet, als die Wehen am Stichtag um 4 Uhr morgens einsetzten. Sie fuhr ins Lüneburger Klinikum, wurde aber wieder nach Hause geschickt. Abends um 21 Uhr der nächste Versuch: Diesmal behielten die Ärzte sie da. Kurz vor dem Jahreswechsel bekam die 21-Jährige Presswehen. „Dann ging es relativ fix, Gott sei Dank“, sagt sie und lacht. Um 1.33 Uhr konnte Jasmin Helmrich ihre Tochter in die Arme schließen. Mia Jolie ist das erste Baby, das im neuen Jahr in Lüneburg zur Welt gekommen ist.

„Die Schwangerschaft war entspannt, ganz ohne Komplikationen.“ – Jasmin Helmrich

Sie liegt auf der Brust ihrer Mutter, schlummert vor sich hin. Nicht mal der Piekser in den Fuß, der für eine Untersuchung nötig ist, reißt das 52 Zentimeter große und 3720 Gramm schwere Neugeborene aus den Träumen. Mia Jolie verzieht nur einmal das Gesicht. Die Gelassenheit passt zur Schwangerschaft. „Die war entspannt, ganz ohne Komplikationen“, sagt die Lüneburgerin, die das Gefühl, jetzt Mutter zu sein, als „ungewohnt und schön“ beschreibt. Einen Partner hat Helmrich nicht an ihrer Seite, dafür aber ihrer Familie. „Die Uroma von Mia Jolie war schon hier“, erzählt sie am Nachmittag. „Ihre Oma kommt nachher noch.“

1690 Geburten im vergangenen Jahr

Auf der Entbindungsstation im 5. Stock, auf der die junge Mutter zur Überwachung noch bis morgen bleiben muss, hat es im vergangenen Jahr insgesamt 1690 Geburten gegeben, 44 weniger als 2017. Drillinge waren nicht darunter, dafür aber Zwillinge. Genauere Zahlen konnte im Krankenhaus gestern niemand mehr liefern.

Auch das Team des Lüneburger Geburts- und Heilhauses hat im gerade zu Ende gegangenen Jahr 41 Mädchen und Jungen auf die Welt geholt. Die letzte Geburt war Ende November, kurz darauf hat die Einrichtung nach fast zwölf Jahren ihre außerklinische Geburtshilfe geschlossen. Zu den Hintergründen wollte sich auf LZ-Nachfrage niemand äußern, nur der Hinweis auf die Homepage. Dort ist zu lesen: „Das Geburts- und Heilhaus Lüneburg kann leider die außerklinische Geburtshilfe nicht fortführen. Wegen Mangel an Hebammen kann dieser Teil unserer Arbeit zur Zeit nicht weiter geleistet werden.“

Zu wenig Hebammen

Diese Entwicklung dürfte Auswirkungen auf die Arbeit des Hausgeburtsteam „Hand in Hand“ haben, das hier in der Region tätig ist. Sechs Hebammen zählen dazu, sie betreuen Geburten in dem jeweiligen Zuhause der Mutter, bieten zudem auch die Vor- und Nachsorge an. „Wir haben 2018 insgesamt 77 Geburten begleitet“, sagt Vera Krause. „Das sind vier mehr als im Jahr davor.“ Bislang hätte ihr Team alle Anfragen für Hausgeburten auch bedienen können. „Wir müssen schauen, ob wir den Bedarf auch weiterhin noch abdecken können. Diejenigen, die im Geburtshaus entbinden wollten, melden sich im nächsten Jahr wahrscheinlich bei uns. Eventuell müssen wir dann wachsen.“

Den Hebammenmangel spüren Krause und ihre Kolleginnen dennoch. Betroffen seien vor allem Frauen, die ihr Kind in einem Kreißsaal bekommen möchten und jemanden für die Vor- und Nachbetreuung suchen. Wie berichtet, ziehen sich immer mehr freiberufliche Hebammen zurück – wegen der geringen Bezahlung und den Versicherungsbeiträgen, die extrem gestiegen sind. „Manche haben ihren Geburtstermin erst im Juli und rufen trotzdem jetzt schon an“, erzählt Krause. „Sie haben zum Teil schon von 20 anderen Hebammen eine Absage erhalten.“

Von Anna Paarmann