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Wegen der Schweinepest wurde die Jagd auf Wildschweine erleichtert - das macht sich bei den Jagdstrecken bemerkbar. (Foto: djv/seidel)

Mehr Wildschweine denn je erlegt

Lüneburg. Wegen der drohenden Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest haben niedersächsische Jäger in der vergangenen Saison so viele Wildschweine erlegt wie noch nie: 68 000 Tiere waren es, 20 000 mehr als im Jahr zuvor. Auch im Landkreis Lüneburg wurden mit 3700 Tieren mehr Wildschweine geschossen denn je.

Die Schweinepest kommt näher

„Wir haben längst einen Schweinepest-Krisenstab gebildet, haben sowohl im Landkreis als auch mit allen Landkreisen zusammen gesessen“, berichtet Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs. In Hannover lagere die Landesregierung Sperrzäune und Container, die sofort angefordert werden könnten, man habe bereits einen fiktiven Fall durchgespielt, der das schlimmste Szenario abgebildet habe.

„Wir sind hier in der Region auf einen Ausbruch von Schweinepest vorbereitet. Doch das A und O ist die Prävention.“
Hans-Christoph Cohrs, Jägerschaft Lüneburg

Das A und O sei momentan die Prävention. „Ich bin mir sicher, dass wir bislang wegen unserer Aufmerksamkeit verschont geblieben sind. Vorsicht ist in diesem Fall die Mutter der Porzellankiste“, erklärt Cohrs. Man sei zwar in Sorge, aber sehr gut auf den etwaigen Ernstfall vorbereitet. „Lieber einmal mehr die Jagdkleidung desinfizieren, nach der Jagd bloß Hausschweinbestände meiden.“ Laut Cohrs sei es außerdem wichtig, Saisonarbeitern klarzumachen, dass sie keine Fleischwaren aus ihrer Heimat einführen dürften, das betreffe insbesondere Rumänien. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, registrierten die Behörden dort in diesem Jahr mehr als 1100 der EU-weit rund 1500 Ausbrüche in Hausschweinbeständen. „Hauptrisikofaktor für die Ausbreitung bleibt der Mensch über die Verfütterung oder Entsorgung von kontaminierten Speiseresten“, betont auch Franz Conraths, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI). Deswegen wurden auch Raststätten an Autobahnen mit Müllbehältern ausgestattet, die von Wildschweinen nicht zu plündern sind.

836 865

Wildschweine wurden laut Deutschem Jagdverband in der Saison 2017/2018 erlegt – 42 Prozent mehr als im Vorjahr.
Dies sei das höchste jemals erzielte Ergebnis.

Geographisch kommt die Schweinepest immer näher: Der Ausbruchsherd in Belgien, wo bislang 135 tote Wildschweine mit dem Erreger entdeckt wurden, liegt nur 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Die Seuchenfunde in Polen und Tschechien liegen 300 beziehungsweise 400 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze. Damit besteht auch für Deutschland ein erhöhtes Risiko, sagt Conraths vom FLI. Wandernde Wildschweine könnten die Seuche einschleppen. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat deshalb einen 51 Kilometer langen Elektrozaun bauen lassen, mit dem im Falle eines Ausbruchs die Kernzone abgeriegelt werden soll. „Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass wir noch nicht betroffen sind“, meint Mecklenburg-Vorpommerns A­grarminister Till Backhaus.

Das Virus ist für Menschen ungefährlich

Das Schweinepest-Virus ist für Menschen ungefährlich, aber von Schweinezüchtern gefürchtet. Die Schweine bekommen hohes Fieber, Durchfall, rote Augen und hören auf zu fressen. Am Ende des Krankheitsverlaufs sterben die Tiere. „Für Züchter ist das dramatisch. Betroffenene Gebiete werden dann von Handelsbeschränkungen für Fleisch­erzeugnisse oder sogar für Getreide überzogen, die Landwirte bleiben auf ihren Waren sitzen.“ Sollte der erste Fall auftreten, werde sofort das ganze Gebiet großräumig abgesperrt, „da bekommt man dann nichts mehr raus.“ Niedersachsen träfe ein Ausbruch der Schweinepest besonders schwer: In den hiesigen Agrarbetrieben werden rund acht Millionen Schweine gehalten. Das Land produziert dreimal mehr Fleisch, als in Niedersachsen selbst gegessen wird. Das meiste geht in den Export, und Abnehmerländer würden nach der Entdeckung der Schweinepest, egal in welchem Bundesland, sofort einen Importstopp verhängen.

Jetzt gelte es alles zu tun, um das zu verhindern, durch Prävention, nicht Panikmache, so Cohrs. Jäger seien geschult festzustellen, ob ein Tier krank sei. Außerdem würden aus jedem Teil des Landkreises stichprobenartig Blutproben von geschossenen Sauen genommen werden.

Einen Impfstoff gibt es bislang gegen die Schweinepest noch nicht, das erschwert ihre Bekämpfung. Die Zahl der von der Seuche betroffenen EU-Staaten hat sich innerhalb eines Jahres mit neuen Fällen in Ungarn, Bulgarien und Belgien von sechs auf neun erhöht. Auch weltweit verbreitet sich die Seuche weiter: 2018 meldeten auch China und Japan Fälle der afrikanischen Schweinepest.

Von Lea Schulze