Donnerstag , 21. November 2019
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Im Erweiterungsbau des Klinikums, wo die Radiologie zentralisiert worden ist, findet sich auch ein Magnetresonanztomograph auf neuestem Standard. Foto: t&w

Klinikum reicht dünnes Plus nicht

Lüneburg. Ein Drittel der niedersächsischen Kliniken schreiben rote Zahlen, langfristig seien sogar zwei Drittel in ihrer Existenz bedroht. Das hat die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) mit einer Umfrage ermittelt. Als Grund sieht sie eine unzureichende Finanzierung durch die Krankenkassen. Schwarze Zahlen hingegen schreibt das Lüneburger Klinikum. Aber auch Geschäftsführer Dr. Michael Moormann sieht die Notwendigkeit, „dass die Betriebskosten über den Landesbasisfallwert und die pauschale Landesförderung für laufende Investitionen endlich ausreichend gedeckt werden müssen“. Sonst sieht er auch auf das Haus an der Bögelstraße dunkle Zeiten zukommen.

Dr. Michael Moormann ist Geschäftsführer des Klinikums. Foto: A/t&w
Dr. Michael Moormann ist Geschäftsführer des Klinikums. Foto: t&w

Die Klinikum Lüneburg gGmbH, die unter dem Dach der Gesundheitsholding firmiert, fährt seit 2010 deutlich positive Ergebnisse ein. 2017 lag der Jahresabschluss bei rund 5,5 Millionen Euro. Doch für das laufende Jahr geht der Wirtschaftsplan nur noch von einem Plus von 1,2 Millionen Euro aus. Der Grund ist laut Moormann zum einen, dass aufgrund zunehmender Dokumentationverpflichtungen immer mehr Personal eingestellt werden muss und weil die Gewinne der Klinik-Apotheke schwinden aufgrund des Preisdrucks bei der Herstellung von Zytostatika – also Medikamenten zur Bekämpfung von Krebs oder Autoimmunkrankheiten. Zum anderen decke aber der Landesbasisfallwert, den die Kliniken als Vergütung von Krankenhausleistungen von den Kassen bekommen, die Kostensteigerungen seit Jahren nicht mehr ab.

Der Trend kränkelt

Ab dem laufenden Jahr schlage außerdem eine Abschreibung von fast vier Millionen Euro zu Buche für medizinische Geräte und Gebäude aus den vergangenen Jahren. Demgegenüber stehe aber nur eine Förderpauschale seitens des Landes in Höhe von 1,7 Millionen Euro. „Das heißt, wir bräuchten eigentlich ein Plus von mindestens 2,3 Millionen Euro unterm Strich für 2019. Und selbst das reicht nicht aus, um fortlaufend auf neuestem medizintechnischen Standard zu bleiben. Dazu brauchen wir ein größeres Plus.“

Medizinische Geräte eigentlich ein Fall fürs Land

Doch das wird zum Problem: Denn die Kassen sagen zurecht, Fördermittel für medizinische Geräte wie Computertomograph, Magnetresonanztomograph oder EKG-Geräte müssten vom Land finanziert werden, das dürfe nicht über den Landesbasisfallwert abgedeckt werden, sagt Moormann. Das Land wiederum sähe für eine Erhöhung der pauschalen Fördermittel keinen finanziellen Spielraum.

Aus Sicht des Verbands der Ersatzkassen (vdek), Landesvertretung Niedersachsen zeigen die Zahlen der NKG, dass zwei Drittel der Kliniken ein ausgeglichenes oder positives Jahresergebnis hätten. Die Entwicklung biete keinen Anlass für „Untergangsszenarien“. Die Krankenkassen hätten mit der Krankenhausgesellschaft auskömmliche Preise vereinbart, das bestätige der operative Gewinn der Kliniken in Niedersachsen vor Abzug von Investitionsaufwendungen, für die die Kassen nicht zuständig seien, sondern das Land. Der Erhöhung des Landesbasisfallwertes um 2,65 Prozent stehe eine Kostenentwicklung gegenüber, die laut Statischen Bundesamt für Krankenhäuser bei 1,96 Prozent liege. Die Krankenkassen gewährleisteten die finanzielle Grundlage für eine gute Krankenhausversorgung.

Personalkosten werden voraussichtlich steigen

Das sehen die NKG wie auch Moormann anders. Allein die Personalkosten werden voraussichtlich in diesem Jahr durch Tariferhöhungen um 3 Prozent steigen, so der Klinikum-Chef. Er macht auch deutlich, dass für die Notfallversorgung stets Personal, Geräte und Räumlichkeiten vorgehalten werden müssen, doch Vorhaltekosten werden im Fallpauschalensystem nicht refinanziert. Ob über die Fallpauschalen eine entsprechende Vergütung hereinkomme, sei unsicher. Und auch die bundesweite Klage von Krankenkassen, die eine Rückzahlung von Vergütungen für hochkomplexe Schlaganfall-Behandlungen von Kliniken – auch der Lüneburger – fordern, könnte dazu führen, dass der Jahresabschluss 2019 weiter ins Minus sinkt.

Von Antje Schäfer