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Bürgermeister Eduard Kolle (l.) überreicht Manfred Toews Urkunde und Medaille. Foto: Stadt Lüneburg

200 Stufen zum täglichen Choral

Lüneburg. Nahezu täglich ist Manfred Toews mit seinem Flügelhorn von St. Johannis zu hören. Doch fragt man Lüneburgs Turmbläser, warum er seit 40 Jahren unermüdlich seinem morgendlichen Ehrenamt nachgeht, fällt die Antwort unerwartet aus: „Ich bewege mich gern.“ Ausgerechnet zur Entgegennahme der Lüneburg-Medaille bei der Ehrung der Ehrenamtlichen im Glockenhaus Ende des Jahres aber konnte sich der 77-Jährige nicht auf den Weg machen, er war erkrankt. Nun konnte die Ehrung im Rathaus nachgeholt werden.

„Mit Ihrer Leidenschaft, Ihrem unermüdlichen Einsatz und Ihrer Verlässlichkeit haben Sie es geschafft, im Laufe der Zeit eine Tradition zu etablieren, die die Hansestadt um eine ganz besondere Attraktion reicher gemacht hat“, würdigte Bürgermeister Eduard Kolle die Verdienste von Manfred Toews. Am Montag nahm er in Begleitung seiner Frau in der Großen Kommissionsstube die Lüneburg-Medaille entgegen, sie wird jeweils drei Mal im Jahr vergeben und ist nach der Ehrenbürgerschaft und dem Ehrenbürgerring die dritthöchste Auszeichnung der Stadt. Bei der offiziellen Feier im Dezember war sie auch Mirjam Steuernagel und Hans-Karsten Schmalz überreicht worden.

„Als Schüler habe ich begeistert Jazz im Radio gehört“

Dass Lüneburg sich mit Manfred Toews über Norddeutschlands dienstältesten Turmbläser erfreuen kann, ist eher einem Zufall zu verdanken. „Als Schüler habe ich begeistert Jazz im Radio gehört“, erzählt der gebürtige Ostpreuße. Er kaufte sich eine gebrauchte Jazz-Trompete, merkte aber schnell, dass er für Jazz-Improvisationen „zu unmusikalisch“ sei, er spielte von da an im Posaunenchor in Uetze bei Hannover.

Schließlich landete das Ins­trument auf dem Dachboden, erst Jahre später, bereits in Lüneburg, holte er es wieder hervor und schloss sich dem Posaunenchor Vögelsen an. Als dann 1976 der Turm von St. Johannis nach mehrjähriger Renovierung wieder begehbar war, entschloss er sich 1978, das Amt des Turmbläsers zu übernehmen.

Auch wenn Manfred Toews noch lange nicht ans Aufhören denkt, will er trotzdem etwas kürzer treten und seine beiden Stellvertreter Hilko Baum und Friedrich Laatz künftig immer mittwochs und freitags die 200 Turmstufen hinaufsteigen lassen. An den übrigen Tagen werden die himmlischen Choräle weiter von ihm erklingen.

Von Ulf Stüwe