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Das Uni-Gelände in Volgershall aus der Vogelperspektive: Hier soll der Digital-Campus entstehen. Foto: Boldt

Gutachten schließt Bebauung aus

Lüneburg. Die Planungen für das Neubaugebiet „Digital-Campus/Grüngürtel West“ will die Stadt bei einer Bürgerversammlung am Donnerstag, 10. Januar, 19 Uhr, im Glockenhaus vorstellen. Die Bürgerinitiative Grüngürtel West läuft seit Monaten Sturm gegen das Projekt, sie macht im Vorfeld ihren Standpunkt deutlich: „Eine Bebauung des Grüngürtels West ist aus städteplanerischen, rechtlichen und fachlichen Gründen abzulehnen. Das Beteiligungsverfahren der Verwaltung erst nach der Beschlussfassung durch die Ausschüsse der Stadt setzt zu spät ein. Offenkundig sollen vollendete Tatsachen geschaffen werden.“

Wie berichtet, hat der Verwaltungsausschuss der Stadt im Dezember in nicht-öffentlicher Sitzung grünes Licht für den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes gegeben. Entstehen soll ein Gebiet, an dem sich Hochtechnologie-Unternehmen und Start-ups aus der Digitalisierungsbranche ansiedeln können und wo Arbeiten und Wohnen verbunden sind. Gleichzeitig soll laut Verwaltung über den Bebauungsplan der Grüngürtel West in diesem Bereich auf einer Breite zwischen 330 und 580 Metern gesichert werden. Mit dem Beschluss des Ausschusses startet das Bebauungsplanverfahren.

Papier aus dem Jahr 1992 beleuchtet Baulandreserven

Die Bürgerinitiative fordert, dass Oberbürgermeister Ulrich Mädge den Ratsbeschluss von 2014 umsetzt. Danach sei der Grüngürtel von jeglicher Bebauung und Verkehrswegen freizuhalten, außerdem solle das Gebiet unter Landschaftsschutz gestellt werden.

Bei ihren Recherchen ist die Bürgerinitiative auf ein von der Stadt in Auftrag gegebenes landschaftsökologisches Gutachten zu den Baulandreserven der Stadt Lüneburg aus dem Jahr 1992 gestoßen. Dort seien anhand der Kriterien Boden, Klima, Wasser, Pflanzen und Tiere sowie Landschaftsbild/Erholung insgesamt 27 in Aussicht genommene Bauflächen beurteilt worden. Zu dem geplanten Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg heiße es dort: „Die Fläche kann aufgrund der durch die Wohnbebauung zu erwartenden … Auswirkungen auf Klima, Boden, Wasser, Flora und Fauna sowie Erholung … nicht bebaut werden.“ Und zu Volgershall West sei vermerkt: „Eine Bebauung dieser Fläche ist … ausgeschlossen. Außerdem würde ein weiteres Vordringen der Siedlungsnutzung von Reppenstedt nach Osten ein allmähliches Zusammenwachsen mit der Stadt Lüneburg bewirken.“ In einer gemeinsamen Betrachtung seien die Flächen als „nicht bebaubar“ qualifiziert, und die Ergebnisse des Gutachtens seien 1996 in den derzeit gültigen Landschaftsplan der Stadt übernommen worden.

Sollte es nun heißen, dass der Landschaftsplan seit 1996 „veraltet“ sei, stellt die Bürgerinitiative die Frage: Werden die Aussagen des landschaftsökologischen Gutachtens fachlich angezweifelt? Wenn das Gutachten aber weiter unbestritten sei, stelle sich die Frage, ob die die Ausschussmitglieder im Vorfeld der Beschlussfassung angemessen unterrichtet worden seien.

Aus Sicht der BI hat die Verwaltung das Gutachten und den Landschaftsplan bei der Entwicklung des „Digital-Campus/Grüngürtel West“ sowie beim geplanten Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg „offensichtlich ignoriert“.

Von Antje Schäfer

Das sagt Oberbürgermeister Mädge

Planung erst ganz am Anfang

Bei der Planung zum Digital-Campus sei man erst „ganz am Anfang“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Ziel sei es, Arbeiten und Wohnen bei Volgershall umzusetzen, dabei den vorhandenen Bebauungsplan „Sondergebiet Hochschule“ zurückzunehmen und so die darin vorgesehene zulässige Bebauung zu reduzieren. Mädge unterstreicht, dass der Bebauungsplan aus dem Jahr 1983 stamme, „seine Gültigkeit liegt also vor dem von der BI zitierten Landschaftsgutachten“. Außerdem wolle man den Grüngürtel zwischen Lüneburg und Reppenstedt auf einer Breite von mindestens 330 bis 580 Metern sichern. „Das ist deutlich mehr, als im Ratsbeschluss 2014 vorgesehen wurde.“ Durch die Vereinbarung mit Reppenstedt sei gewährleistet, dass zwischen der Stadt- und der Gemeindegrenze ein Korridor frei bleibe, von Zusammenwachsen könne keine Rede sein.

Die Ideen-Skizze sehe derzeit vor, dass die für die Frischluftzufuhr wichtigen Flächen nördlich des „Kranken Heinrich“ nicht bebaut werden. Ebenfalls unverändert erhalten bleiben sollen die Freiflächen südlich des Uni-Gebäudes. Entstanden sei die Skizze auf Grundlage der Empfehlungen des Klimagutachters. Ein umfangreiches Klimagutachten werde noch erstellt, alle vorhandenen Gutachten – zu Verkehr, Klima, Umwelt- oder Landschaftsschutz – würden aktualisiert beziehungsweise neu erstellt. „Alle Gutachten und neuen Erkenntnisse sowie Planungen werden in den Ausschüssen und im Rat vorgestellt sowie anschließend öffentlich ausgelegt. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung können Bürger alle Gutachten einsehen und ihre Einwände geltend machen.“ Für das geplante Neubaugebiet Wienebütteler Weg gelte ebenfalls, „dass wir vorhandene Gutachten und Pläne prüfen und neue Gutachten erstellen müssen, um auf dieser Grundlage detailliert planen zu können“.

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