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Bleibt Sascha Spoun für weitere acht Jahre Präsident, ist er nach Ablauf der dritten Amtszeit 59 Jahre alt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich neun Jahre vor Erreichen der Altersgrenze noch an einer anderen Hochschule bewirbt, scheint dagegen gering. Foto: t&w

Spoun will Abkürzung nehmen

Lüneburg. Als Sascha Spoun im Jahr 2006 als jüngster Uni-Präsident Deutschlands nach Lüneburg kam, glaubten viele auf dem Campus, dass das nur ein Zwischenstopp ist. Schließlich hat er an renommierten Unis in St. Gallen, Paris, Michigan und München studiert, eine Kleinstadt passte nicht so richtig in seinen Lebenslauf. Gerüchte, Spoun habe sich anderswo beworben, kursierten auch danach immer wieder. Sicher war sich mancher, dass er die feierliche Eröffnung des Libeskind-Baus im März 2017 als Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt nutzt. Dem war nicht so. Er ist immer noch Präsident und möchte es auch bleiben.

Findungskommission könnte Nachfolger suchen

Zum Ende der Senatssitzung am 12. Dezember soll Spoun (49) angekündigt haben, dass er für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stehen würde, also für weitere acht Jahre. Das bestätigt Pressesprecher Henning Zühlsdorff der LZ: „Mit Blick auf das 2020 anstehende Ende der laufenden Amtszeit des Universitätspräsidenten wird sich der Senat in diesem Jahr mit dieser Angelegenheit beschäftigen müssen.“ Dann bestünde auch die Möglichkeit einer Wiederwahl ohne erneute Ausschreibung.

Das erlaubt Paragraph 38 des Niedersächsischen Hochschulgesetzes, kurz NHG. Ein Präsident kann selbst entscheiden, wie oft er antreten möchte, ohne dass die Position neu ausgeschrieben werden muss – natürlich nur, wenn Senat und Stiftungsrat zustimmen.

Auf dem Campus regt sich Widerstand

Auf dem Campus regt sich Widerstand: Viele sind der Meinung, dass es nach 14 Jahren mit derselben Leitung nur fair wäre, die Stelle zumindest auszuschreiben und Konkurrenz zuzulassen. Spoun selbst war es sogar, der dem Senat im Juni vergangenen Jahres mitgeteilt hat, dass es aus seiner Sicht „sinnvoll und üblich wäre“, eine Findungskommission ein Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit, also Mitte 2019, einzusetzen. Das geht aus dem Sitzungsprotokoll hervor, das der LZ vorliegt.

Jetzt hat er einen anderen Kurs eingeschlagen. Einen, mit dem er am liebsten so schnell wie möglich am Ziel ankommen möchte. So heißt es, dass er sich schon in der nächsten Sitzung am 23. Januar die Zustimmung der Senatsmitglieder einholen möchte. Um Präsident zu bleiben, braucht er eine einfache Mehrheit, also mehr Ja- als Nein-Stimmen. Dann muss ihn noch der Stiftungsrat bestätigen.

Eine andere Debatte sitzt ihm im Nacken

Dass er es so eilig hat, dürfte verschiedene Gründe haben: So könnte ihm Ende März vermulich eine millionenschwere „Bombe“ um die Ohren fliegen. Denn dann soll endlich klar sein, wie teuer es gewesen ist, das Zentralgebäude auf dem Campus zu errichten.

Aber auch noch eine andere Debatte sitzt ihm im Nacken: So wurde kürzlich ein achtköpfiger Arbeitskreis eingerichtet, der sich spätestens im Februar neben anderen Punkten über eine generelle Amtszeitbegrenzung an der Leuphana austauschen und Empfehlungen für Richtlinien entwickeln soll.

Stein des Anstoßes für die mehrfach im Senat geführte „Good Governance“-Diskussion war der Umstand, dass zwei Mitglieder des Stiftungsrats jeweils in eine dritte Amtszeit gewählt wurden. Dabei soll der Senat die Findungskommission darum gebeten haben, nach neuen Leuten Ausschau zu halten. Weil das aber nirgends protokolliert wurde, so heißt es, seien wieder nur diese beiden Vertreter vorgeschlagen und dann durchgewunken worden. Personen, die Spoun gegenüber wohlgesonnen sein sollen.

AStA fordert eine Auswahl an Kandidaten

Die Studenten mobilisieren angesichts der nahenden Senatssitzung zurzeit alle Kräfte: Vier politische Listen haben sich zusammengeschlossen und eine außerordentliche Sitzung des Studierendenparlaments, kurz StuPa, beantragt. Mit Erfolg: Diese soll am 16. Januar um 14.30 Uhr stattfinden.

In dem Antrag, der zum Ziel hat, einen gemeinsamen Beschluss für eine Ausschreibung zu fassen, heißt es: „Nach insgesamt 14 Jahren kann durch routinierte Vorgänge die Wahrnehmung von universitären Prozessen verzerrt werden.“ Externe Bewerber würden eigene Akzente setzen, dadurch sei der amtierende Präsident aufgefordert, seine Rolle kritisch zu reflektieren und „eigene, innovative Ideen“ für die nächsten Jahre vorzuschlagen. Am Ende der Satz: „Wir können uns vorstellen, dass Präsident Spoun weiterhin dieses Amt ausübt, sofern er sich im demokratischen Bewerbungsverfahren erfolgreich durchsetzen kann.“

Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) äußert Kritik, Sprecher Julius Finks sagt: „Nach unserem Verständnis wäre es sehr sinnvoll, das Amt neu auszuschreiben, damit es die Möglichkeit gibt, dass eine andere, bessere Person für das Amt gefunden und gewählt wird.“

Von Anna Paarmann